Sommermärchen-Prozess unterbrochen - Verjährung wohl unvermeidbar

Ehemaliger DFB Präsident Theo Zwanziger (li) und ehemaliger DFB Generalsekretär Wolfgang Niersbach (Foto von 2010)

Coronavirus

Sommermärchen-Prozess unterbrochen - Verjährung wohl unvermeidbar

Angesichts des grassierenden Coronavirus hat das Schweizer Bundesstrafgericht den Prozess um die WM-Affäre 2006 ausgesetzt. Nun droht die Verjährung.

Das Verfahren gegen den Schweizer Urs Linsi und die drei deutschen ehemaligen Fußballfunktionäre Wolfgang Niersbach, Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt um Millionenzahlungen im Zusammenhang mit der Fußball-WM 2006 werde bis mindestens 20. April vertagt, teilte das Gericht am Dienstagabend (17.03.2020) in Bellinzona mit. Grund sei "die außerordentliche Lage vor dem Hintergrund des Coronavirus".

"Sämtliche Beschuldigte gehören zur Risikogruppe"

Bis zum 27. April muss allerdings ein erstinstanzliches Urteil vorliegen, ansonsten tritt die Verjährung in Kraft. "Sämtliche Beschuldigte sind älter als 65 und weisen teilweise einschlägige Vorerkrankungen auf. Sie gehören demnach zur Risikogruppe", teilte das Gericht mit. Den Beschuldigten könne "nicht zugemutet werden, an der Hauptverhandlung teilzunehmen."

Der Prozess gegen die früheren DFB-Präsidenten Zwanziger (74) und Niersbach (69) sowie Schmidt (78), früherer Schatzmeister und Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), und Ex-FIFA-Generalsekretär Linsi (Schweiz/70) war von Beginn an äußerst schleppend verlaufen. Zahlreiche Anträge der Beschuldigten auf eine Verschiebung der Verhandlung aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus sowie ungeklärte Fragen zur Reise- und Verhandlungsfähigkeit der nicht in Bellinzona erschienenen Zwanziger und Schmidt hatten den Prozess verzögert.

Sehr schleppender Verlauf

Ein Abwesenheitsverfahren gestaltet sich zudem als offenkundig kaum durchführbar. Dieses könne nur stattfinden, "wenn die beschuldigte Person im bisherigen Verfahren ausreichend Gelegenheit hatte, sich zu den ihr vorgeworfenen Straftaten zu äußern und die Beweislage ein Urteil ohne ihre Anwesenheit zulässt", stellte das Bundesstrafgericht fest: "Dies scheint nicht der Fall zu sein."

Die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA) hatte das Verfahren am 6. November 2015 eröffnet. Sie wirft dem Quartett vor, über den eigentlichen Zweck einer Zahlung aus dem Jahr 2005 in Höhe von 6,7 Millionen Euro vom DFB an den Weltverband FIFA getäuscht zu haben. Die Beschuldigten haben den Vorwurf stets bestritten. Der DFB tritt in dem Prozess als Privatkläger auf. Bereits im vergangenen Sommer war das Verfahren gegen den früheren OK-Boss Franz Beckenbauer (74) aufgrund dessen gesundheitlichen Zustandes abgetrennt worden.

dpa/sid | Stand: 17.03.2020, 22:12

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