Chelseas Fokus liegt eher auf der nächsten Saison

Chelsea-Trainer Lampard

Vor Champions-League-Duell gegen Bayern

Chelseas Fokus liegt eher auf der nächsten Saison

Von Robin Tillenburg

Der FC Chelsea baut sich gerade ein schlagkräftiges Team für die Zukunft auf. Das Champions-League-Rückspiel gegen die Bayern bestreiten die "Blues" aber auf dem Zahnfleisch.

Nach dem 0:3 an der Stamford Bridge im Hinspiel sind die Chancen der Mannschaft von Frank Lampard ohnehin realistisch gesehen ziemlich gering. Dazu erwischte es das Team, das jüngst auch das FA-Cup-Finale gegen den FC Arsenal knapp verlor, verletzungstechnisch im Saisonendspurt knüppeldick.

Viele verletzte und müde Spieler

Christian Pulisic, Cesar Aziplicueta und Pedro verletzten sich in besagtem Finale allesamt und fallen aus. Marcos Alonso und Jorginho sind darüber hinaus gesperrt, Ruben Loftus-Cheek ebenfalls verletzt. Weil dazu noch N'Golo Kanté und Willian fraglich sind, stellt sich die Startelf für Lampard voraussichtlich fast von alleine auf.

Das Team ist müde, elf Ligaspiele, dazu den FA Cup und nun im 13. Spiel in etwa eineinhalb Monaten auch noch die Bayern, die zwar keine Spielpraxis haben, aber deutlich ausgeruhter sein dürften und eben dieses 3:0 in der Hinterhand haben. Lampard beschwerte sich jüngst öffentlich bei der Liga über die Terminhatz - schon am 12. September geht schließlich in England der Ligabetrieb wieder los. Lampard, Sieger im "Finale dahoam" 2012 in München, redet die große Aufholjagd nicht herbei, auch wenn er natürlich auch nicht vom Abschenken spricht.

Angesichts der schwierigen Aufgabe und der bei den "Blues" eher längfristig angelegten Planung, dürfte man ausnahmsweise über das wahrscheinliche Ausscheiden nicht so traurig sein. Chelsea schaut in die Zukunft.

Lampard mit schwierigem Start

Und diese Zukunft begann vor etwas über einem Jahr, als die Chelsea-Legende Frank Lampard an die Stamford Bridge geholt wurde. Nach zuvor nur einem Jahr Cheftrainererfahrung bei Derby County war das durchaus ein Risiko. Aber eines mit Kalkül.

Denn Chelsea konnte wegen einer nachträglich auf eine Transferphase reduzierten Transfersperre wegen Verstößen gegen die Regeln zur Verpflichtung Minderjähriger keine Spieler nach den Vorstellungen des ehemaligen Mittelfeldspielers verpflichten.

Frank Lampard - Eine Ikone führt Chelsea zurück zum Erfolg

Sportschau 07.08.2020 02:43 Min. Verfügbar bis 07.08.2021 ARD Von Kilian Medele


Keine Transfers - Not zur Tugend

Nach zuletzt einem fünften Platz unter Antonio Conte 2017/18, einem dritten danach unter Maurizio Sarri und international keiner Viertelfinalteilnahme in der Königsklasse seit 2014 wäre aber eine Kaderauffrischung eigentlich zumindest auf dem Papier dringend notwendig gewesen. Zumal in Eden Hazard der Superstar des Teams für 115 Millionen Euro zu Real Madrid wechselte, David Luiz zum FC Arsenal ging und die Leihe von Gonzalo Higuain endete.

Tammy Abraham

Tammy Abraham

Weil Lampard, der vor seinem Jahr bei Derby County auch ein Jahr in der Jugend der "Blues" arbeitete, aber immerhin schon zwei Jahre lang erfolgreich mit jungen Talenten gearbeitet hatte, wollte man bei den Verantwortlichen offenbar aus der Not eine Tugend machen.

Sportlich erfolgreicher als erwartet

Wie gut das funktionieren würde, war da noch nicht abzusehen. Vermutlich hätte sich gerade in der Premier League wohl niemand über ein Übergangsjahr auf Rang sechs oder ähnliches gewundert. Tatsächlich spielt man dank Platz vier aber erneut in der Königsklasse und erreichte dazu besagtes FA-Cup-Finale.

Youngster übernehmen Verantwortung

Von den elf Akteuren, die in dieser Saison die meiste Einsatzzeit bei den "Blues" absolvierten, sind in Kepa, Mason Mount, Kurt Zouma, Christian Pulisic, Tammy Abraham und Andreas Christensen sechs 25 Jahre alt oder jünger, älter als 30 ist von ihnen nur der 31-Jährige Willian. Andere hochtalentierte Spieler wie Reece James (20), Fikayo Tomori (22), oder Callum Hudson-Odoi (19) hatten in dieser Saison ebenfalls durchaus größere Spielanteile.

Über 200 Millionen für neue Spieler?

Timo Werner(l), Hakim Zyech, Kai Havertz und Chelsea Trainer Frank Lampard

Timo Werner(l), Hakim Zyech, Kai Havertz und Chelsea Trainer Frank Lampard

Nachdem man im vergangenen Jahr gezwungenermaßen ein ordentliches Transferplus erwirtschaftete, was ja eigentlich angesichts der auch durch Klub-Boss Roman Abramowitsch zur Verfügung gestellten Gelder nicht unbedingt notwendig wäre, soll Lampard nun endlich weitere Spieler bekommen, die sein Konzept ergänzen. In Leipzigs Timo Werner und Hakim Ziyech von Ajax Amsterdam sind bereits über 90 Millionen Euro investiert worden. Etwa genauso viel sollen noch für Kai Havertz folgen, dazu wünscht man sich zumindest im Umfeld auch nochmal eine Verstärkung für die manchmal ziemlich wacklige Defensive.

Nicht die größten Namen, aber die größten Talente

Auch wenn diese Transfers, so der Havertz-Wechsel denn realisiert werden kann, finanziell durchaus in die höchste Kategorie gehören, sind Werner und Havertz mit ihren 24 und 21 Jahren ja noch nicht die ganz großen Namen im Weltfußball. Genauso wie Ziyech, der zwar "schon" 27 ist, aber in den vergangenen Jahren "nur" bei Ajax Amsterdam in der Eredivisie spielte.

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Chelsea investiert also (wieder) das ganz große Geld, bekommt dafür aber in Werner, Ziyech und wahrscheinlich Havertz drei der begehrtesten verfügbaren Spieler auf dem internationalen Markt. Gerade Havertz und Werner sind absolute Top-Talente, denen nur noch ein kleiner Schritt in Richtung absolute Spitzenklasse fehlt. Dass diese Spieler sich für Chelsea entscheiden, um diesen Schritt zu gehen, ist nach dem schwierigen Jahr wohl das größte Kompliment, das Lampard und Co. für die Entwicklung des Teams bekommen können.

Die Erwartungen steigen damit zwar unweigerlich, aber eben auch das Potenzial. Und dass man solches an der Stamford Bridge aktuell zu nutzen weiß, hat man ja jetzt schon beweisen.

Stand: 07.08.2020, 13:00

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