Handspiel im Fußball - Regelhüter machen Teile des Arms straffrei

Hand oder nicht? Schalkes Suat Serdar

Generalversammlung IFAB

Handspiel im Fußball - Regelhüter machen Teile des Arms straffrei

Von Chaled Nahar

Die Regelhüter des Fußballs haben bei ihrer Generalversammlung eine Frage klargestellt: nämlich wo die Schulter endet und der Arm beginnt. Hinzu kommt, dass man künftig in einem Spiel zwei Gelbe Karten sehen kann, ohne vom Platz zu fliegen.

Jonathan Ford ist Präsident des walisischen Fußballverbandes und war deshalb Teilnehmer der Generalversammlung des International Football Association Board (IFAB), die als einziges Gremium das Recht hat, die Fußballregeln zu ändern. Ford hatte bei der anschließenden Pressekonferenz eine wichtige Nachricht.

"T-Shirt-Linie" kommt ins Regelwerk

"Es gibt eine Klarstellung, wo genau der Arm beginnt und die Schulter endet", sagte Ford. Es gebe nun ein Diagramm, das dies genau abbilde.

Das IFAB definiert "Schulter" und "Arm" bei Handspielen Sportschau 01.03.2020 00:19 Min. Verfügbar bis 01.03.2021 Das Erste

Er zeigte mit seiner Hand auf die "T-Shirt-Linie" und sagte: "Alles darüber wird künftig als Schulter gewertet, alles darunter als Handspiel." Wo der Rand eines T-Shirt-Ärmels ist, soll also künftig die Grenze zwischen Handspiel und keinem Handspiel verlaufen.

Eine Begründung: Mit dem Teil des Arms habe man nicht die Möglichkeit, seine Körperfläche zu vergrößern. Zudem soll für Schiedsrichter eine einfachere Unterscheidung möglich sein.

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Die "Gelb-Gelbe Karte" kommt

Im Sommer 2019 gab es viel Streit um Gelbe Karten, die Torhüter bekommen, wenn sie bei gehaltenen Strafstößen die Torlinie zu früh verlassen. Die Gefahr, dass es in einem Elfmeterschießen zu Platzverweisen gegen Torhüter nach gehaltenen Elfmetern kommen könnte, war groß, bei der Frauen-WM in Frankreich gab es lange Diskussionen. Das IFAB setzte die zuvor zwingend erforderliche Gelbe Karte im Elfmeterschießen daraufhin aus, im normalen Spiel jedoch nicht.

Nun kommt es zu zwei bemerkenswerten Änderungen: Zum einen schreibt das IFAB die Gelbe Karte erst beim zweiten Vergehen vor, zuvor kommen Schlussleute noch mit einer Ermahnung davon. Zum anderen machen die Regelhüter künftig bei den Gelben Karten einen Unterschied zwischen dem Elfmeterschießen und dem regulärem Spiel inklusive Verlängerung.

"Gelbe Karten aus dem Spiel werden nicht ins Elfmeterschießen übernommen", sagte David Elleray, technischer Direktor des IFAB. Wer also im Spiel eine Gelbe Karte sieht, geht künftig unbelastet ins Elfmeterschießen. Und wer dort erneut eine Gelbe Karte sieht, wird nicht des Feldes verwiesen - es ist die "Gelb-Gelbe Karte". Es ist wohl eine weitere Maßnahme, um Platzverweise von Torhütern im Elfmeterschießen zu vermeiden.

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Welche Karten gelten für die Statistik?

Die neue Maßgabe des IFAB wird Einfluss auf viele Wettbewerbe nehmen. Die Regeln gelten ab dem 1. Juni und damit bereits bei der Europameisterschaft 2020. Bei der EM, später aber auch in der Champions League, der Europa League und im DFB-Pokal werden die zuständigen Verbände eine interessante Entscheidung treffen müssen: Welche Gelben Karten gelten für die Statistik?

Wenn es in der Champions League bei drei Gelben Karten zu einer Sperre kommt, können dann sowohl eine Gelbe Karte im Spiel als auch eine im Elfmeterschießen dazu zählen? Und wenn es zwei in einem Spiel gibt, fließen dann beide in die Statistik? Die Zeit, das für die Champions League und die Europa League zu entscheiden, ist knapp: Am Montag will das Exekutivkomitee der UEFA bei seiner Sitzung in Amsterdam die Regularien beider Wettbewerbe für die Saison 2020/21 beschließen. Bei der EM müsste es möglicherweise eine Änderung des Regelwerks beschließen.

Wie das IFAB abstimmt

Die Generalversammlung des International Football Association Boards (IFAB) ist der einzige Termin des Jahres, an dem die Regeln des Fußballs geändert werden können. Am Samstag (29.02.2020) hatte es vor allem eine Testphase für eine Regelung bei Auswechslungen im Zusammenhang mit Kopfverletzungen beschlossen.

Aus historischen Gründen hat das Gremium das alleinige Recht, die Fußballregeln zu beraten und zu beschließen. Vier der insgesamt acht Stimmen hat die FIFA, die geschlossen abstimmen muss. Die weiteren vier Stimmen gehören traditionell den sogenannten "Heimatverbänden" England, Schottland, Wales und Nordirland.

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Stand: 01.03.2020, 17:26

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