DFB-Pokal - Treffen der Favoritenschrecke

Szene aus dem Bundesligaspiel: Bremen erzielt ein Tor in Frankfurt

Viertelfinale

DFB-Pokal - Treffen der Favoritenschrecke

In der Bundesliga laufen Eintracht Frankfurt und Werder Bremen der Musik hinterher, im DFB-Pokal waren sie zuletzt Favoritenschrecke. Jetzt kommt es zum direkten Duell.

Dass Eintracht Frankfurt und Werder Bremen im Viertelfinale des DFB-Pokals aufeinandertreffen, war so nicht zu erwarten. Beide Teams spielen in der Bundesliga in dieser Saison weit unter ihren eigenen Ansprüchen, die Norddeutschen schweben sogar in höchster Abstiegsgefahr.

Dementsprechend waren beide Klubs im Achtelfinale auch krasser Außenseiter gegen die Spitzenteams und Champions-League-Teilnehmer aus Leipzig und Dortmund. Doch die Eintracht gewann daheim gegen RB, und die Bremer setzten sich überraschend gegen den BVB durch.

Werder: Kein Schub für die Liga

Der Einzug ins Halbfinale wäre angesichts der Liga-Tristesse deshalb ein Höhepunkt. Vor allem die Bremer erhoffen sich durch einen Erfolg einen Schub in Sachen Abstiegskampf. Das war allerdings auch nach dem Coup gegen Dortmund schon so. "Das wird uns für die nächsten Wochen insgesamt Auftrieb geben", hatte Werder-Trainer Florian Kohfeldt nach dem 3:2-Erfolg erklärt. Doch er sollte Unrecht behalten. Bremen kassierte anschließend drei Niederlagen mit satten 0:7-Toren.

Bremen gegen Frankfurt: Bundesliga-Spiel wird verlegt

Sportschau 28.02.2020 00:50 Min. Verfügbar bis 28.02.2021 ARD

Selke dennoch zuversichtlich

Dennoch wollen sich die Werderaner die Vorfreude nicht nehmen lassen. Stürmer Davie Selke traut seinem Team eine weitere Pokal-Überraschung bei der Eintracht zu. "Gegen Dortmund haben wir uns und den Fans gezeigt, was im Pokal möglich ist. Wir wollen weiterkommen und danach kümmern wir uns um die Liga", sagte Selke. "Auch wenn der Fokus auf der Liga liegt, hat das Spiel einen speziellen Charakter für uns. Es ist ein Viertelfinale, das sollte man auch nicht kleinreden", sagte Selke. Der Winter-Zugang hatte gegen Dortmund sein Debüt im grün-weißen Trikot gefeiert und den Treffer zum 1:0 erzielt.  

"Es ist ein K.o.-Spiel, und das ist immer eine besondere Situation. Ich mag solche Spiele sehr gerne und meine Mannschaft auch", sagte auch Kohfeldt.

Zwischen Gut und Böse

Auch für die Frankfurter ist das Viertelfinale eine willkommene Abwechslung. In der Liga stehen die Hessen in der Tabelle so ein wenig zwischen Gut und Böse. Sieben Punkte beträgt das Polster auf den Relegationsplatz 16, acht Punkte fehlen zu Platz sechs, der zur Europa-League-Qualifikationsrunde berechtigt.

So könnte für die Eintracht der Cup-Wettbewerb die realistischste Variante sein, auch in der Spielzeit 2020/21 international wieder für Furore zu sorgen. Das gilt natürlich auch für Werder. Vor der Saison hatten die Bremer den Einzug in den Europapokal als Ziel ausgegeben. Das ist über den Pokal aller Abstiegssorgen zum Trotz nach wie vor möglich.

Frankfurt selbstbewusst, aber gewarnt

Die Eintracht geht mit breiter Brust ins Viertelfinale. Das darf sie auch. Schließlich ist das Team von Trainer Adi Hütter gegen Salzburg zuletzt erst ins Achtelfinale der Europa League eingezogen. "Diese Hürde haben wir genommen und das wollen wir am Mittwoch wiederholen", sagte Mittelfeldmann Sebastian Rode. Zudem liegt die bisher letzte Heimniederlage im DFB-Pokal schon über sechs Jahre zurück.

Dennoch nimmt in Frankfurt die Bremer keiner auf die leichte Schulter. "Es ist natürlich ein extrem wichtiges Spiel für uns, das alles andere als einfach wird. Bremen steht mit dem Rücken zur Wand , obwohl sie eigentlich keinen schlechten Fußball gespielt haben. Daher wird das ein sehr schwieriges Spiel", sagte Stefan Ilsanker.

Bremen mit Wut im Bauch

Beide Klubs wären eigentlich schon am Sonntag (01.03.2020) in der Liga aufeinandergetroffen. Doch wegen der Verschiebung des Frankfurter Europa-League-Spiels in Salzburg sagte die Deutsche Fußball-Liga die Partie ab. Den Rhythmus der Bremer brachte das ordentlich durcheinander. "Es war komisch, dieses Wochenende nur zusehen zu können. Wir hatten uns auf den Wochenstart mit einem Heimspiel gefreut", sagte Selke.

Frank Baumann sieht Werder dadurch sogar im Abstiegskampf benachteiligt. "Nun werden wir voraussichtlich fünf Spiele hinterherlaufen. Das ist ein Nachteil in unserer Situation", sagte der Geschäftsführer Sport der Hanseaten: "Auch die reguläre Belastung Frankfurts durch die Spiele wäre ein Vorteil gewesen." Trainer Kohfeldt erklärte: "Wir wollen es allen zeigen, das ist klar. Die Hauptmotivation ziehen wir aus dieser nachteiligen Entscheidung."

Der Eintracht war's nur recht. Die längere Pause vor dem wichtigen Pokalspiel tue der Mannschaft gut, "weil die nächsten Wochen weiter anstrengend sein werden", sagte Sportvorstand Fredi Bobic. "Wir können ein bisschen durchschnaufen", ergänzte Sebastian Rode.

2,8 Millionen Euro zu verdienen

Wichtig ist auch die finanzielle Komponente - vor allem für die Bremer, falls der drohende Abstieg Realität wird. Beide Klubs haben schon jetzt mehr als 2,6 Millionen Euro an Fernseh- und Vermarktungserlösen eingestrichen, der Halbfinalist bekommt rund 2,8 Millionen Euro zusätzlich - und das ohne Zuschauereinnahmen.

red/sid/dpa | Stand: 04.03.2020, 07:00

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