Ausgerechnet Dortmund entscheidet über Roses Saison

Gladbachs Noch-Trainer Marco Rose

Nach Liga-Talfahrt bleibt die Hoffnung im Pokal

Ausgerechnet Dortmund entscheidet über Roses Saison

Von Christian Hornung

In der Champions League droht Borussia Mönchengladbach das Aus, in der Liga gab es in Leipzig das fünfte Sieglos-Spiel in Serie. Bleibt für Coach Marco Rose der DFB-Pokal - ausgerechnet gegen Borussia Dortmund.

Zwei Tore von Erling Haaland - zu wenig. An diesem Tag ist die Borussia vom Niederrhein dermaßen überlegen, dass das 4:2 nach einem großartigen Fußballfeiertag in Mönchengladbach die Überlegenheit des VfL fast noch zu wenig wiedergibt, Dortmund ist mit dem Ergebnis bestens bedient. Das ist gerade mal fünf Wochen her. Mit diesem Triumph am 22. Januar dieses Jahres war Gladbach an Dortmund vorbeigezogen, guter Fünfter, einen Punkt von einem Champions-League-Platz entfernt. Inzwischen sind es neun Zähler bis zur Königsklasse. Und sechs hinter dem BVB - nach dem Dortmund-Sieg ging nichts mehr.

Mal wild gewechselt, mal mutlos

Es gab zwei schlimme Heimniederlagen, darunter war das Derby gegen den 1. FC Köln, zu dem Rose mit seiner vielbesprochenen Siebenfach-Rotation ganz maßgeblich beitrug. Auch das Spiel gegen Mainz ging zu Hause verloren, auch hier gab es Kritik an Roses Coaching: Er wechselte mutlos, obwohl seine Mannschaft in diesem Spiel nie in Führung lag. Stürmer Breel Embolo beispielsweise brachte er erst in der 89. Minute. Auch auswärts ging nicht mehr viel: Zwei Remis bei Union Berlin und beim VfL Wolfsburg, jetzt die Niederlage in Leipzig nach 2:0-Führung - aber mit 0:14 Torschüssen in der zweiten Halbzeit.

Gladbach ist ins Taumeln geraten, und Rose gibt zu, dass er seinen Anteil daran hat. So nahm er die Niederlage gegen Mainz ausdrücklich auf seine Kappe und erklärte sie damit, dass seine Wechselbekanntgabe zu Borussia Dortmund für Unruhe gesorgt habe, von der sich die Spieler offenbar nicht hätten freimachen können.

Talfahrt nach der Entscheidung

Aber was sollte er machen? Als Rose sich noch nicht festlegen wollte, vielleicht sogar die Entwicklung in beiden Klubs abwartete, gab es genau daran Kritik: Er laviere herum, lasse alle im Ungewissen und könne nur mit Klartext für Ruhe im Verein sorgen. Dann sorgte er nach dem Derby für Klarheit - und die Talfahrt nahm ihren bis jetzt ungebremsten Lauf.

Erstaunlich ist aber, dass Rose, sehr wahrscheinlich völlig unabsichtlich, nicht mehr so coacht wie vor seiner Entscheidung. Er wirkt erstaunlich mutlos, nicht nur im Mainz-Spiel, als er nicht mal sein komplettes Kontingent ausschöpfte. Im Duell mit Manchester City versuchte er es, ganz anders als noch in der Gruppenphase gegen Real Madrid und Inter Mailand, mit einem total passiven Ansatz: erstmal tief stehen, den Gegner kommen lassen - aber genau das kann Gladbach gar nicht. Und steht nach dem 0:2 nun am 16. März in Manchester vor einer kaum noch lösbaren Aufgabe.

Keine Entlastung mehr

In Leipzig wirkten seine Eingriffe von außen ebenfalls maximal unglücklich. Als Julian Nagelsmann mit der Hereinnahme von Alexander Sörloth zur zweiten Halbzeit die Offensive stärkte, probierte es Rose gegen drei echte Spitzen plus Dani Olmo und Christopher Nkunku zunächst weiter mit einer Dreierkette - RB kam zum Anschlusstor. Dann wechselte Rose dreifach defensiv mit der Folge, dass es gar keine Entlastung mehr gab, so wurde aus dem 2:0 noch ein 2:3.

Dass die möglicherweise letzte Hoffnung, in der kommenden Saison auch wieder international vertreten zu sein, nun der kommende Dienstag (02.03.2021) mit dem Pokal-Viertelfinale gegen Borussia Dortmund ist (live im Ersten und im Ticker bei sportschau.de), ist eine passende Pointe: Dortmund war der letzte Gladbacher Feiertag, Dortmund als sein künftiger Arbeitgeber hat den Trainer und die (meisten) Fans entzweit, jetzt soll ausgerechnet Dortmund seine Saison retten?

Sommer: "Trainerthema ist abgehakt"

Rose selbst sagt, er glaube daran: "Intern sind wir relativ klar, und auch die Jungs arbeiten fleißig. Das Spiel gegen den BVB ist von einer immensen Wichtigkeit." Die Mannschaft versucht derweil, das Trainerthema auszublenden. Torhüter Yann Sommer stellt klar: "Das ist abgehakt, wir wollen den Erfolg, wir wollen nach Berlin - der Trainer ist kein Thema in der Kabine." Sieht auch Jonas Hofmann so: "Wir haben seine Entscheidung professionell aufgenommen und kämpfen genauso für den Erfolg wie vorher auch." Nur bislang nicht so erfolgreich, aber da ist ja die Hoffnung auf diesen Dienstag.

Stand: 27.02.2021, 23:53

Darstellung: