Eintracht Frankfurt mitten im Zwiespalt

Leipzigs Adams und Frankfurts Kostic im letzten Bundesliga-Duell.

Schwierige Beziehung zum Brauseklub

Eintracht Frankfurt mitten im Zwiespalt

Von Frank Hellmann

Erst im DFB-Pokal gegen RB Leipzig, dann bald in der Europa League gegen den FC Salzburg: Für die Fans von Eintracht Frankfurt werden die Spiele zur Belastungsprobe. Der Konflikt zieht sich mitten durch den Verein.

Es fällt erst beim zweiten Hinsehen genau auf: Auf der Homepage von Eintracht Frankfurt oder auf den Ankündigungstafeln im Frankfurter Stadtwald wird zwar der Gegner RB Leipzig ausgewiesen, aber nicht das Logo abgebildet. Von einer Protestnote will der Bundesligist nichts wissen.

Man wolle schlicht keine Werbung machen, weil das Logo sehr dem von Red Bull ähnele, heißt es von Vereinsseite. So verfuhr die Eintracht bereits vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen Leipzig (2:0), so handhabt es der Klub vor dem DFB-Pokal-Achtelfinale gegen denselben Gegner (Dienstag 18.30 Uhr).

Bald auch noch gegen Salzburg in der Europa League

Ob die Frankfurter es mögen oder nicht: Sie tragen derzeit imaginäre Red-Bull-Festspiele aus. Nach dem Duell gegen die Roten Bullen wartet bald auch der Schwesterverein FC Red Bull Salzburg in der Europa League (20. und 27. Februar) auf die Hessen. In viereinhalb Wochen gleich vier Mal gegen die vom Brausekonzern alimentierten Klubs antreten zu müssen - für Traditionalisten in der Fankurve ist das ein Greuel.

Gemischte Gefühle hegt Adi Hütter. Der Österreicher trainierte selbst die Salzburger Bullen, schätzte anfangs die Vorzüge der professionellen Herangehensweise, ehe sich Hütter mit RB-Baumeister Ralf Rangnick zerstritt. Nach dem Gewinn des Doubles 2015 kam es zum Bruch, weil Rangnick gestattete, dass etliche Leistungsträger verkauft werden. Darunter mit Peter Gulacsi, Kevin Kampl oder Marcel Sabitzer aktuelle Profis beim Gegner. Aber Hütter erspart sich Seitenhiebe und Sticheleien: Der 49-Jährige behandelt RB Leipzig als Gegner wie jeden anderen.

Fischer mag den Brauseklub nicht

Der Zwiespalt führt ansonsten jedoch mitten durch die Frankfurter Funktionärsriege. Vereinspräsident Peter Fischer macht aus seiner Ablehnung  gegen die inzwischen von den meisten Bundesliga-Managern akzeptierte Brause-Konstruktion keinen Hehl. Im Sommer 2015 redete sich das Oberhaupt auf der "Waldtribüne" - vor jedem Heimspiel wird vor der Arena über Eintracht-Themen diskutiert - in Rage, weil die Leipziger gerade Frankfurter Talente abwarben. "Die sind alle nicht nach Leipzig gegangen, weil dort die Luft so gut ist, weil man da Wasserskifahren kann, weil sie Berge haben. Nein, das ist auch einer der Plastik- und Dosenvereine, der alles mit Geld macht", wetterte Fischer. Der Applaus aus der Fanszene war ihm gewiss.

Als Vorstand Fredi Bobic im Sommer 2016 begann, schlug ihm eine Kritik entgegen, die mit dem Getränke-Imperium verknüpft war. "Bobic passt zu Eintracht Frankfurt wie Fußballtradition zu Red Bull", hieß es in einer Erklärung der einflussreichen Ultras. Sie bezogen sich auf eine alte Bobic-Aussage ("Die Stadt Leipzig hat als deutscher Meister von 1903 eine längere Fußball-Tradition als alle anderen in Deutschland"). Inzwischen gibt der 48-Jährige den Pragmatiker und erkennt vor allem die überragende sportliche Entwicklung an: "RB ist Erster, spielt wie ein Tabellenführer, hat unter Julian Nagelsmann den nächsten Schritt gemacht."

Hinteregger ist jetzt Publikumsliebling

Was nichts daran ändert, das die Frankfurter Fan-Gruppierungen DFB und DFL gerne immer noch vorwerfen, die Übertragung des Spielrechts vom SSV Markranstädt 2009 und später die Eingliederung in den Profifußball überhaupt genehmigt zu haben.

Und dann ist ja auch noch der Frankfurter Publikumsliebling Martin Hinteregger, der sich mal gegen die RB-Firmenpolitik stellte: Der kantige Verteidiger lehnte 2016 einen Wechsel von Salzburg nach Leipzig ab. "Die Art und Weise, wie Leipzig Salzburg kaputt macht, ist nicht schön anzuschauen", sagte er damals.

Ilsanker darf nicht mitspielen

Stefan Ilsanker vor dem Spiel gegen Union Berlin am 18.01.2020.

Darf im Pokal gegen seinen Ex-Klub nicht spielen: Stefan Ilsanker.

Hinteregger ist längst nicht mehr der einzige, der Erfahrung mit der RB-Philosophie hat. Gerade ist kurz vor Transferschluss noch Stefan Ilsanker von Leipzig nach Frankfurt gewechselt. Doch der Winter-Neuzugang ist gegen seinen Ex-Verein RB Leipzig nicht spielberechtigt. Auf diese Sonderregelung hatten sich beide Vereine bei den Transferverhandlungen verständigt.

Der Eintracht kann der Österreicher nur als Informant helfen. "Ilse darf gerne etwas erzählen. Ich sehe aber keine extrem große Gefahr, dass er alles verraten kann", sagte Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann über Ilsanker. Der 30 Jahre alte Defensivallrounder gab bereits in Düsseldorf sein Debüt für die Eintracht und lobte die Frankfurter Fans für ihre lautstarke Unterstützung.

Heftige Proteste vor zwei Jahren

Der harte Kern kann aber auch anders: Zu außergewöhnlichen Protesten kam es am 19. Februar 2018. Damals stieg das erste der neuen Montagsspiele, und vermutlich hätte es keine schlechtere Konstellation geben können. "Wir spielen heute, an einem Montagabend, gegen die Dosentreter aus Leipzig. Ist der Gegner schon schlimm genug, setzt der Termin dem Ganzen die Krone auf", hieß es damals in den Flyern der Frankfurter Fanszene. Trillerpfeifen ertönten, Tennisbälle flogen.

Der Protest kumulierte in einem geordneten Platzsturm: Die Eintracht gestattete weitreichende Befugnisse, um eine Eskalation zu verhindern. In dieser eigenartigen wie aufgeladenen Atmosphäre gewann die damals noch von Niko Kovac trainierte Eintracht sogar mit 2:1. Zusammen mit dem jüngsten Erfolgserlebnis vor anderthalb Wochen dürfte die Frankfurter Brust also breit genug sein, dem Vorjahresfinalisten einen packenden Fight zu liefern.

mit dpa, sid | Stand: 03.02.2020, 13:04

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