Champions League - Pariser Nebengeräusche

Neymar von Paris St. Germain

Achtelfinal-Rückspiel gegen Dortmund

Champions League - Pariser Nebengeräusche

Paris-Trainer Thomas Tuchel steht vor dem Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Borussia Dortmund immens unter Druck. Hinzu kommt, dass seine Stars es ihm zurzeit alles andere als leicht machen.

Zumindest in Frankreich läuft es rund bei Paris Saint-Germain. In der heimischen Ligue 1 liegt das Team von Trainer Thomas Tuchel mit großen Vorsprung auf die Konkurrenz auf Platz eins und peilt die dritte Meisterschaft in Serie an, im Pokal steht Paris nach einem 5:1-Kantersieg bei Olympique Lyon erneut im Endspiel

Das eigentliche Ziel der Franzosen ist allerdings seit Jahren der Gewinn der Champions League. Und dort gilt es am Mittwoch (11.03.2020) gegen Borussia Dortmund einen 1:2-Rückstand aufzuholen.

Großer Druck auf Tuchel

Begleitet wird das Gastspiel des BVB wie so oft in Paris von heftigen Nebengeräuschen. Wie immer, wenn es in der K.o.-Runde der "Königsklasse" hakt, spekulieren französische Zeitungen über den Rausschmiss von Tuchel. Sollte der auch im zweiten Anlauf den Henkelpott nicht holen, werde der Vertag im Sommer aufgelöst, so heißt es. "Scheitert PSG am Mittwoch, war es das fast sicher zum Saisonende", schreibt die Sporttageszeitung "L'Equipe".

Seit eine katarische Investorgruppe um Nasser Ghanim Al-Khelaifi im Jahr 2011 bei Saint-Germain eingestiegen ist, kam der Hauptstadtklub noch nie über das Viertelfinale heraus. Der Druck, der auf dem ehemaligen Dortmunder Trainer Tuchel lastet, ist also enorm. Hinzu kommt, dass der sich auch ständig noch mit dem oftmals seltsam anmutenden Gebärden seiner Topstars herumschlagen muss.

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Partys und ein Platzverweis

Alle voran natürlich Neymar. Der Brasilianer kommt in diesem Tagen nicht raus aus den Schlagzeilen. Zuletzt kassierte er im Ligaspiel gegen Girondins Bordeaux nach einem üblen Foul in der Nachspielzeit Gelb-Rot.

Kurz zuvor hatte ein Video einer offenbar ausgelassenen Geburtstagsfeier der Stars die Runde gemacht. Nur zwei Tage nach der 1:2-Niederlage gegen Dortmund hatten Ángel Di María, Mauro Icardi und Edison Cavani geladen. Im Film zu sehen war auch Neymar, der sich erst kurz zuvor von einer Verletzung erholt hatte, mit nacktem Oberkörper auf und ab tanzend. Tuchel zeigte sich "überrascht". Er sei "nicht glücklich", erklärte der 46-Jährige.

Dass Paris ihm ständig das Feiern verbietet, stößt Neymar ohnehin bitter auf. Zuletzt schrieb er voller Sarkasmus in einem Instagram-Video: "Mit großer Freude kann ich mitteilen, dass ich 2020 nicht zum Karneval gehe. Das ist gut so, dann gibt es diesmal keinen Streit." In den vergangenen zwei Jahren war er zur Karnevalszeit jeweils nach Brasilien geflogen. In beiden Fällen plagten ihn Fußverletzungen, doch das hielt Neymar nicht vom Tanzen ab. Entsprechend groß war die Kritik in Frankreich. Seinen 28. Geburtstag hatte der Südamerikaner aber zuvor trotz einer Verletzung in einem Pariser Nachtclub gefeiert. "Es ist eine Ablenkung, das ist klar. Das macht den Eindruck, wir wären nicht seriös, nicht professionell", sagte Tuchel.

Kritik am Klub

Doch Neymar scheint Langeweile zu haben. So beschwerte er sich vehement in der Öffentlichkeit darüber, dass er vom Klub zu lange geschont worden sei: "Es ist hart, vier Spiele nicht zu spielen. Es war nicht meine Entscheidung, sondern die des Klubs, der Ärzte." So sei auch seine Leistung gegen Dortmund zu erklären. Die war lustlos und arrogant, Neymar zeterte, schauspielerte, lamentierte - machte aber dennoch das wichtige Auswärtstor.

Tuchels Sorgenliste ist aber auch abgesehen von Neymar lang. Der Bruder von Innenverteidiger Presnel Kimpembe hat ihn in einem Video zuletzt übel beschimpft. Zudem haben die Spieler Medienberichten zufolge Tuchels Plan abgelehnt, sich im Kurztrainingslager in Südspanien auf das Rückspiel gegen Dortmund vorzubereiten.

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Dortmund wittert seine Chance

Wegen alldem wittern auch die Dortmunder ihre Chance. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erinnerte PSG noch einmal an das Drama des Vorjahres: "Sie haben ja dieses Trauma Manchester. Für sie bricht die Welt zusammen, wenn sie ausscheiden, ich glaube, wir sind psychologisch im Vorteil."

Tuchel hat dies auch schon eingeräumt: "Vergangenes Jahr war ich mental tot." Gegen eine United-"Jugendgang" hatte seine Mannschaft nach einem 2:0-Auswärtssieg zu Hause 1:3 verloren. Immer noch schmerzt auch das wundersame Aus 2017 gegen den FC Barcelona durch ein 1:6 nach einem 4:0 im Hinspiel.

Dem Ganzen die Krone setzt aus Sicht Tuchels der Umstand auf, dass das Spiel gegen Dortmund wegen des Coronavirus ohne Zuschauer ausgetragen wird. Der Heimvorteil ist im wichtigen Duell mit dem Ex-Klub also auch noch dahin.

sid/dpa | Stand: 11.03.2020, 08:30

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