Jan-Henrik Gruszecki - vom Ultra zum Chefberater beim BVB

Jan-Henrik Gruszecki

"Stabsstelle Strategie und Kultur"

Jan-Henrik Gruszecki - vom Ultra zum Chefberater beim BVB

Von Marcus Bark

Jan-Henrik Gruszecki ist als früherer Ultra von Borussia Dortmund einer der bekanntesten Fußballfans in Deutschland. Bald wird er für die Chefetage des börsennotierten Klubs arbeiten und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke beraten.

Jan-Henrik Gruszecki ist in den vergangenen Jahren viel unterwegs gewesen. Von seiner Wohnung am Borsigplatz in Dortmund, in einem geschichtsträchtigen Haus an einem für den BVB geschichtsträchtigen Platz, ging es los für den umtriebigen Freiberufler.

Als Kommunikationsberater für eine bekannte Agentur in Hamburg arbeitete er genauso wie als Filmemacher und Spielervermittler für Profis aus Lateinamerika. Viele Kilometer spulte er auch ab, um sich für Belange von Fußballfans einzusetzen. Gruszecki ist einer der bekanntesten Köpfe in der Szene.

Ab dem 1. Januar 2021 wird sein Arbeitsweg in der Regel deutlich kürzer sein. Dann sind es nur ein paar Kilometer vom Borsigplatz zur Geschäftsstelle von Borussia Dortmund.

Stabsstelle "Strategie und Kultur"

Beim BVB wird Gruszecki nach Informationen der Sportschau und der Dortmunder Zeitung "Ruhr Nachrichten" die neu eingerichtete "Stabsstelle Strategie und Kultur" leiten. Er soll dann die Geschäftsführung der Kommanditgesellschaft auf Aktien beraten, unter anderem in den Bereichen Fankultur und politische Diversität.

"Der Austausch zwischen uns beiden war schon in den vergangenen Jahren da, jetzt wollte ich ihn institutionalisieren", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke der Sportschau. Gruszecki habe in vielen Bereichen durchaus andere Ansichten. Diese "Reibungspunkte" seien "gewollt".

Weiter in der "Taskforce Zukunft Profifußball"

Seinen Platz in der "Taskforce Zukunft Profifußball" wird Gruszecki behalten. Bislang sitzt er in dem von der Deutschen Fußball Liga (DFL) eingerichteten Gremium als Fanvertreter. Die Taskforce aus 36 Frauen und Männern soll die Fehlentwicklungen des Fußballs analysieren und Reformen anstoßen.

Reaktionen auf bevorstehenden Seitenwechsel stehen aus

Das machte der 36 Jahre alte Gruszecki schon seit vielen Jahren. Er wirkte bei bekannten Projekten wie "12:12", das sich unter anderem vehement gegen verschärfte Sicherheitsmaßnahmen in Fußballstadien wandte, und "Kein Zwanni" mit, das niedrige Ticketpreise und vor allem auch den Erhalt der Stehplätze in Stadien forderte. Gruszecki war auch Sprecher des "Bündnis Südtribüne" in Dortmund. Diesen Posten gab Gruszecki ab.

Gruszecki ist auch kein Mitglied der Dortmunder Ultragruppierung "The Unity" mehr, die er 2001 mitgründete. Außerdem war er im Vorstand der "Desperados", einer weiteren Ultra-Gruppe.

Jan-Henrik Gruszecki ist in der Szene, die nach Informationen der Sportschau seit Wochen von dem bevorstehenden Seitenwechsel weiß, bestens vernetzt. Manche Fans sahen den regelmäßigen Austausch zwischen ihm und Watzke kritisch, andere schätzten den Einfluss, den sie dadurch gewannen. Die Reaktionen zu seinem Wechsel in die Geschäftsstelle, in der schon mehrere andere ehemalige Ultras arbeiten, stehen noch aus.

Filmemacher und Maradona-Verehrer

Zu Gruszeckis Filmprojekten gehörte "Am Borsigplatz geboren". Der Film, der auch im Ersten gezeigt wurde, zeichnet die Gründungsgeschichte des BVB nach. Aus traurigem Anlass ist auch seine Doku über die "Fußballhauptstadt Buenos Aires" wieder in der Mediathek zu sehen.

Doku: Die Fußballhauptstadt Buenos Aires Sportschau 27.11.2020 43:54 Min. Verfügbar bis 27.11.2021 Das Erste

Gruszecki, der in der argentinischen Hauptstadt studierte, verehrte den verstorbenen Diego Armando Maradona. Ein Trikot des Idols hing am Samstag (28.11.2020) beim Spiel zwischen dem BVB und dem 1. FC Köln auf der Tribüne. Es war leicht zu erraten, wer es ausgelegt hatte.

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Stand: 30.11.2020, 14:54

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