Der Sponsor vom FC Schalke 04 "Gazprom" auf dessen Trikot

Fußball | 2. Bundesliga Schalke hält an Partnerschaft mit Sponsor Gazprom fest

Stand: 22.02.2022 13:46 Uhr

Seit 15 Jahren prangt das Logo des russischen Staatskonzerns Gazprom auf der Brust von Schalke 04. Die Kritik daran ist groß - die finanzielle Abhängigkeit des Klubs ebenfalls.

Von Chaled Nahar

Mit der Entsendung von Truppen in die ukrainischen Separatistengebiete in den sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk hat Russland den Krieg in der Ukraine weiter eskaliert. Damit kommt das Thema erneut in Gelsenkirchen an: Der staatliche russische Energiekonzern Gazprom ist Hauptsponsor des FC Schalke 04, der schon häufiger wegen der Zusammenarbeit in der Kritik stand. Nun äußerte sich der Klub zu der Partnerschaft.

Schalke: "Gazprom seit 15 Jahren zuverlässiger Partner"

Schalke habe "seit nunmehr 15 Jahren einen zuverlässigen Partner und einen relevanten Gaslieferanten der Bundesrepublik Deutschland an seiner Seite", hieß es in einer Stellungnahme der Vereinsführung am Dienstag (22.02.2022). Schalke verwies darauf, dass die Partnerschaft mit der deutschen Tochtergesellschaft "Gazprom Germania" bestehe. Einen Unterschied in der Außenwirkung macht dies nicht.

Schalke setze sich für Frieden ein und verwies auf das von den Mitgliedern festgelegte Leitbild, das Gewalt ausschließe, teilt der Klub mit. Man habe diese Haltung auch gegenüber Gazprom geäußert. "Der FC Schalke 04 wird die weitere Entwicklung beobachten, bewerten und nachdrücklich zum Frieden appellieren - zum Schutz der von der Krise betroffenen Menschen", hieß es. Einen "Appell für Frieden" gibt es also, eine Distanzierung von dem Unternehmen oder der russischen Aggression gegen die Ukraine nahm die Vereinsführung nicht vor.

Vertrag im März 2021 verlängert - Schalke braucht das Geld

Die Partnerschaft auf den Weg gebracht hatte 2007 der damalige Aufsichtsratschef Clemens Tönnies, der sich als persönlichen Freund von Russlands Staatspräsident Wladimir Putin bezeichnet. Ursprünglich wäre der Vertrag mit Gazprom 2022 ausgelaufen, Schalke und Gazprom verlängerten den Vertrag im März 2021 jedoch vorzeitig bis 2025.

Schalke drückten 2021 Schulden in Höhe von rund 240 Millionen Euro. Der Abstieg aus der Bundesliga sorgt zudem für fehlende Einnahmen. Der Vertrag mit Gazprom war für Schalke deshalb wirtschaftlich wichtig. Medienberichten zufolge soll Schalke in der 2. Bundesliga rund 10 Millionen Euro pro Saison kassieren, was für die Spielklasse außergewöhnlich viel ist. Bei einem Aufstieg sollen demnach wieder Zahlen aus Bundesliga-Zeiten von bis zu etwa 20 Millionen Euro möglich sein.

Wladimir Putin (r.) und Clemens Tönnies, Aussichtsratsvorsitzender von Schalke 04, bei der Bekanntgabe der Partnerschaft

Wladimir Putin (r.) und Clemens Tönnies, Aussichtsratsvorsitzender von Schalke 04, bei der Bekanntgabe der Partnerschaft

"Mit dieser ligaunabhängigen Verlängerung setzt Gazprom in der aktuellen Situation ein starkes Zeichen der Loyalität und des Zusammenhalts und trägt damit zur wirtschaftlichen Stabilität des Vereins bei", wurde damals Matthias Warnig, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Nord Stream 2 AG und Mitglied des Schalker Aufsichtsrats, zitiert.

Nord Stream 2 - von der Bundesregierung gestoppt, auf Schalke oft sichtbar

Nord Stream 2, die geplante Ostsee-Pipeline zwischen Russland und Deutschland, ist ebenfalls auf Schalke allgegenwärtig. Bei Heimspielen erscheint das Logo des Projekts auf Werbebanden und auf dem Videowürfel der Arena. Die Bundesregierung stoppte am Dienstag (22.02.2022) vorerst das Genehmigungsverfahren für Nord Stream 2 als Reaktion auf das Vorgehen Russlands gegen die Ukraine. Ob diese Zusammenarbeit für Schalke nun zur Debatte steht, beantwortete der Klub auf Anfrage der Sportschau zunächst nicht.

Werbung für Nord Stream 2 im Schalker Stadion

Werbung für Nord Stream 2 im Schalker Stadion

Gazprom, Nord Stream 2 und die damit verbundenen Gaslieferungen nach Westeuropa sind ein geostrategisches Machtinstrument der russischen Regierung und von Präsident Wladimir Putin. Zuverlässigkeit und Preise von Gaslieferungen waren oft Gegenstand politischer Konflikte.