Transfer-Stau - Gladbach wartet auf Dominosteine

Max Eberl, Sportchef von Borussia Mönchengladbach, steht vor schweren Aufgaben.

Kader für die neue Saison noch lange nicht komplett

Transfer-Stau - Gladbach wartet auf Dominosteine

Von Christian Hornung

Beim wichtigsten Testspiel der Saisonvorbereitung hat Borussia Mönchengladbach nur einen Rumpfkader am Start - und keinen einzigen Neuzugang. Manager Max Eberl muss sich diesmal ebenso in Geduld üben wie sein neuer Trainer.

Dabei ist Eberl eigentlich ein großer Freund davon, früh Planungssicherheit zu haben und seinem Coach bestenfalls schon bei Beginn des Trainingslagers die Mannschaft zur Verfügung zu stellen, mit der wie in jedem Jahr der Angriff auf die Plätze im internationalen Geschäft gestartet werden soll. Gerade bei Adi Hütter wäre dies wichtig gewesen, denn der bringt frische Ideen mit, will taktisch einiges ändern, das Anlaufverhalten, das Gegenpressing, das Umschaltspiel. Aber momentan ist er nur als Improvisationskünstler gefragt.

Am Mittwoch (28.07.2021) beim 2:0-Testspielsieg in München fehlten ihm acht Spieler mit Stammplatzpotenzial wegen Verletzungen oder im Fall von Denis Zakaria wegen Corona-Quarantäne. Dazu verzichtete Hütter freiwillig auf weitere sechs EM-Teilnehmer, die nach ihrem Urlaub erst am Dienstag wieder ins Training eingestiegen waren.

Nur Koné ist bereits verpflichtet

Die Formation, die sich dem Rekordmeister knapp zweieinhalb Wochen vor dem Wiedersehen beim Bundesligastart am 13. August stellte, hatte keinen einzigen Neuzugang dabei. Fest verpflichtet ist bislang nur der zurzeit ebenfalls verletzte 20-jährige Franzose Manu Koné, diesen Transfer hatte Eberl bereits im Januar während seiner vielbeachteten einmonatigen Auszeit in den Bergen eingetütet. Seitdem tut sich nichts.

Was nicht heißt, dass Eberl nichts tut. Der Sportdirektor erklärte zuletzt gegenüber der Sportschau, dass er bereits mit weiteren potenziellen Neuzugängen weitgehend handelseinig sei. "Wir haben viele Szenarien im Kopf, viele Spieler, mit denen wir auch schon Gespräche geführt haben", sagte Eberl. Aber zunächst, das ist der seit anderthalb Jahren dauernden Corona-Krise geschuldet, muss er Einnahmen erzielen.

Zakaria, Thuram oder Plea

Nachdem im Vorjahr erstmals kein einziger Top-Spieler verkauft wurde, hat Eberl klargestellt, dass das eine Ausnahme war. Mindestens einen seinen Hochkaräter muss er jetzt verkaufen, wahrscheinlich sogar zwei. Auf dem Markt ist Denis Zakaria, der nur noch ein Jahr Vertragslaufzeit und dem Klub frühzeitig seinen Wechselwunsch mitgeteilt hat - doch nach einer langwierigen Verletzung (Knorpelschaden im Knie) ist das Interesse vieler Top-Klubs abgekühlt.

Die beiden Franzosen Marcus Thuram und Alassane Plea sind weitere Wechselkandidaten, bei Jonas Hofmann und Florian Neuhaus sieht es hingegen nach einem Verbleib aus. Völlig offen ist die Zukunft von Matthias Ginter, und das hängt ebenfalls direkt mit dem Transferstau bei den "Fohlen" zusammen.

Ginter: Verlängern oder verkaufen

Wie bei Zakaria läuft auch Ginters Vertrag nur bis 2022, und konkrete Gespräche über eine Verlängerung gab es bisher nicht. Klar ist aber auch, dass Gladbach nicht ins letzte Vertragsjahr mit Spielern diese Güteklasse gehen will und dann Gefahr liefe, einen ihrer Stars ablösefrei ziehen lassen zu müssen. Dass sich trotzdem nichts tut - was im Übrigen auch Ginter selbst sehr wunderte - begründete Max Eberl auf Nachfragen der Sportschau so: "Wenn ich weiß, dass ich einem Spieler kein adäquates Angebot machen kann, kann ich es auch lassen."

Dies meinte er nicht etwa flapsig oder wollte damit zu erkennen geben, dass ihm ein ablöseträchtiger Wechsel des Nationalspielers vielleicht sogar lieber sei. Eberl sind schlicht auch in dieser Personalie die Hände gebunden, solange der Verein nicht zumindest einen Star verkauft hat.

"Muss mich zur Geduld zwingen"

Aber wann wird das der Fall sein? Eberl erklärt dazu: "Der gesamte Transfermarkt kommt dieses Jahr sehr spät in Gang. Geduld ist normalerweise nicht meine Stärke, jetzt muss ich mich dazu zwingen. Die Gefahr dabei ist natürlich, dass Spieler, mit denen wir einig sind, nicht so lange warten wollen und dann am Ende woanders unterschreiben."

Eberl hofft nach einer Aussage auf das Fallen von "Dominosteinen" in der immer noch mit viel Geld gesegneten Premier League. Der im Raum stehende Megatransfer von Tottenhams Stürmer Harry Kane zu Manchester City könnte ein solcher Dominostein sein. Marcus Thuram gilt als einer der Kandidaten, den die "Spurs" mit einem Teil der zu erwartenden 180 Millionen Euro von den "Citizens" verpflichten könnten.

Sancho-Wechsel ohne Bezug zum VfL

Der bereits feststehende Wechsel von Jadon Sancho für 85 Millionen Euro zu Manchester United war zwar ebenfalls ein Dominostein, einen Abzweig nach Mönchengladbach hatte er laut Eberl aber nicht. Zwar galt auch Dortmund eine Zeitlang als möglicher Interessent für Thuram, doch Trainer Marco Rose hatte bei seinem Wechsel von der einen zur anderen Borussia auf Nachfrage der Sportschau ein klares Versprechen abgegeben: "Wenn Marco Rose sagt, er nimmt keinen Spieler von Gladbach mit nach Dortmund, dann nimmt er auch keinen mit. Fertig, aus."

Dabei ist sehr fraglich, ob Eberl da wirklich etwas gegen hätte. Mit den für Thuram marktgerechten 35 bis 40 Millionen Euro könnte er den Vertrag mit Ginter verlängern und die im Raum stehenden Transfers von William Pacho (Innenverteidiger von Indepediente), Romain Faivre (Mittelfeldmann aus Brest), Faitout Maouassa (Innenverteidiger aus Rennes) oder Josh Sargent (Stürmer aus Bremen) eintüten. Ob er das Geld am Ende aus Dortmund oder einer anderen Liga bekommt, dürfte ihm herzlich egal sein.

dpa/sid/red | Stand: 29.07.2021, 08:46

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