Mainz rutscht gegen Aufsteiger Stuttgart tiefer in die Krise

Die Mainzer Spieler um Levin Öztunali (r.) sind nach der Niederlage frustriert

1. FSV Mainz 05 - VfB Stuttgart 1:4

Mainz rutscht gegen Aufsteiger Stuttgart tiefer in die Krise

Nach der Meuterei im Training kommt der 1. FSV Mainz 05 auch in der Fußball-Bundesliga immer mehr vom Kurs ab. Aufsteiger VfB Stuttgart hat Mainz eine Lehrstunde erteilt.

Drei Tage nach dem aufsehenerregenden Spielerstreik kassierten die Rheinhessen am Samstag (26.09.2020) bei der verdienten 1:4 (1:1)-Klatsche gegen Aufsteiger VfB Stuttgart die zweite Niederlage im zweiten Saisonspiel. Damit ging auch eine "schwarze Serie" der Stuttgarter in Mainz zu Ende. Es war der erste Sieg in einem Pflichtspiel seit 15 Jahren.

Zwar brachte Robin Quaison Mainz zunächst in Front (13.), doch der VfB drehte die Partie noch durch Tore von Silas Wamangituka (45.), Daniel Didavi (61.), Mateo Klimowicz (80.) und Sasa Kalajdzic (86.). Den Mainzern stehen wohl nun weitere unruhige Tage bevor.

05-Trainer Beierlorzer: "Erreiche die Mannschaft"

Mainz-Torwart Robin Zentner erklärte nach Spielende am Sportschau-Mikrofon, die Turbulenzen der Trainingswoche seien "ein Stück weit mit rein ins Spiel" gegangen. Zentner fügte sichtlich bedient an: "Ich kann nur für mich sprechen: Ich habe mich zu 100 Prozent auf das Spiel konzentriert. Dass es dann so ausgeht, ist natürlich scheiße."

Beierlorzer: "Wir müssen jetzt unseren Mann stehen"

Sportschau 26.09.2020 02:01 Min. Verfügbar bis 26.09.2021 ARD Von Felix Mansel

Der nach dem Eklat in der Kritik stehende Mainzer Trainer Achim Beierlorzer war sich jedenfalls sicher, noch auf jeden Akteur zählen zu können und "die Mannschaft zu erreichen". Er betonte, nach dem Vorfall am Mittwoch habe er "zwei gute Trainingseinheiten" gesehen. Beierlorzer sagte: "Wir haben kein gutes Spiel gemacht. Es ist klar, dass es jetzt Gegenwind gibt." Er forderte: "Da müssen wir unseren Mann stehen." Vorstandsboss Stefan Hofmann wollte sich nach Spielende nicht vor den Trainer stellen: "Der Trainer trägt die sportliche Verantwortung. Das ist natürlich Teil unserer Analyse. Aber wir betrachten das Große und Ganze."

Mainz schockt starke Stuttgarter aus dem Nichts

Der Aufsteiger sorgte für einen furiosen Beginn in Mainz. Stuttgart kam deutlich besser in die Partie, setzte bei großem kämpferischen Engagement auch spielerische Akzente. Bereits in den ersten zehn Minuten gab es fünf Eckbälle für die Gäste, außerdem verbuchte die Elf von Trainer Pellegrino Matarazzo zwischenzeitlich 76 Prozent Ballbesitz.

Beierlorzer: Mainzer Woche hat "jeden ein bisschen getroffen" Sportschau 26.09.2020 00:54 Min. Verfügbar bis 26.09.2021 Das Erste

"Wir sind gut reingekommen, waren sehr griffig, waren mehrmals gefährlich. Das gibt uns Sicherheit und Selbstvertrauen. Wir haben das Gefühl, in der Liga angekommen zu sein mit dem Sieg", sagte Matarazzo nach der Partie.

Bei den Mainzern lief nichts zusammen, die Grundabstimmung beim Spielaufbau ließ zunächst jegliche Präzision vermissen. Doch gerade als die 3.400 zugelassenen Fans in Mainz unruhig wurden, schockten die Rheinhessen Stuttgart aus dem Nichts: Quaison vollendete den ersten ordentlich vorgetragenen Angriff und köpfte zum 1:0 ein. Jean-Philippe Mateta hatte nach einer feinen Flanke von Jean-Paul Boetius die Vorarbeit geleistet.

Silas veredelt Castro-Solo zum Ausgleich

Mit ein paar Minuten Verspätung zeigte sich dann der Effekt des Führungstreffers: Die 05er traten selbstbewusster auf, der VfB musste sich erstmal wieder ordnen und sich auf nun energischer und präziser agierende Mainzer einstellen.

Doch es passte zum wilden Spiel, dass die Stuttgarter noch vor der Pause zurückschlugen: VfB-Kapitän Gonzalo Castro kämpfte sich mit einem ansehnlichen Solo durch das Mittelfeld und steckte durch auf Youngster Wamangituka (20 Jahre), der kurz vor dem Halbzeitpfiff das 1:1 erzielte.

VfB dreht Partie und trifft Mainz ins Mark

Die Mannschaften kamen unverändert aus der Kabine. Und unverändert gestaltete sich auch das Spiel. Es blieb beim regen Schlagabtausch und zahlreichen zu hektisch vorgetragenen Angriffen auf beiden Seiten. Spielerische Akzente waren in dieser Phase Mangelware.

Zentner: "Haben die Aufgabe uns auf das Spiel zu konzentrieren"

Sportschau 26.09.2020 01:47 Min. Verfügbar bis 26.09.2021 ARD

Dann verschoben sich jedoch die Kräfteverhältnisse wieder klar zugunsten des Aufsteigers. Nach einem hervorragenden Steilpass von Wataru Endo legte Kalajdzic auf Didavi ab, der ins leere Tor zum 2:1 für Stuttgart einschob. In der Schlussviertelstunde mussten die 05er dann auch noch zu zehnt auskommen, denn Verteidiger Moussa Niakhaté musste mit Gelb-Rot vom Platz.

Schließlich traf Mateo Klimowicz, Sohn von Ex-Profi Diego Klimowicz, nach Vorlage von Wamangituka noch zum 3:1, Kalajdzic setzte sogar noch den vierten Stuttgarter Treffer obendrauf. VfB-Defensivmann Pascal Stenzel sah spät noch Gelb-Rot (90.+1).

Flutlichtspiel für Mainz bei Union, VfB empfängt Leverkusen

Am 3. Spieltag ist Mainz 05 bereits am Freitagabend (02.10.2020, 20.30 Uhr) auswärts bei Union Berlin gefordert. Aufsteiger VfB Stuttgart empfängt am Samstag (15.30 Uhr) Bayer 04 Leverkusen.

Fußball · Bundesliga · 2. Spieltag 2020/2021

Samstag, 26.09.2020 | 15.30 Uhr

Wappen 1. FSV Mainz 05

1. FSV Mainz 05

Zentner – R. Baku, St. Juste, Niakhaté, Brosinski (82. Burkardt) – Barreiro Martins (69. Öztunali), Latza, Boetius (82. Hack), Quaison – Mateta (86. Nebel), Onisiwo

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Wappen VfB Stuttgart

VfB Stuttgart

Kobel – P. Stenzel, Anton, M. O. Kempf – Endo, Wamangituka (83. Massimo), Castro (74. Klimowicz), Mangala (87. Klement), Sosa – Kalajdzic (87. Al Ghaddioui), Didavi (82. Coulibaly)

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Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Quaison (13.)
  • 1:1 Wamangituka (45.)
  • 1:2 Didavi (61.)
  • 1:3 Klimowicz (80.)
  • 1:4 Kalajdzic (86.)

Strafen:

  • gelbe Karte Mangala (1 )
  • gelbrote Karte Niakhaté (77./Wiederholtes Foulspiel)
  • gelbe Karte Castro (1 )
  • gelbrote Karte P. Stenzel (90.+1/Wiederholtes Foulspiel)

Zuschauer:

  • 3.403

Schiedsrichter:

  • Daniel Schlager (Rastatt)

Vorkommnisse:

  • Trainer Pellegrino Matarazzo (VfB Stuttgart) sieht wegen unsportlichen Verhaltens die Gelbe Karte (57.).

Stand der Statistik: Samstag, 26.09.2020, 17:25 Uhr

Wappen 1. FSV Mainz 05

1. FSV Mainz 05

Wappen VfB Stuttgart

VfB Stuttgart

Tore 1 4
Schüsse aufs Tor 3 7
Ecken 3 9
Abseits 1 0
gewonnene Zweikämpfe 114 105
verlorene Zweikämpfe 105 114
gewonnene Zweikämpfe 52,05 % 47,95 %
Fouls 10 16
Ballkontakte 604 608
Ballbesitz 49,83 % 50,17 %
Laufdistanz 110,64 km 113,21 km
Sprints 248 225
Fehlpässe 73 64
Passquote 81,28 % 83,88 %
Flanken 10 7
Alter im Durchschnitt 25 Jahre 24,7 Jahre

jti | Stand: 26.09.2020, 17:23

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