Fünf Wechsel erlaubt - zieht die Bundesliga mit?

Mönchengladbachs Team bei einer Auswechslung im "Geisterspiel" gegen Köln

Coronavirus

Fünf Wechsel erlaubt - zieht die Bundesliga mit?

Von Chaled Nahar

Die Fußballregelhüter des IFAB erlauben in der Coronavirus-Pandemie fünf Auswechslungen pro Team - doch greift die Bundesliga bei dieser befristeten Sonderregel zu? Im Hintergrund sind sich die Funktionäre noch unschlüssig.

Das International Association Football Board (IFAB) ist das Gremium, das die Fußballregeln berät und beschließt. Die Regelhüter bestätigten am Freitag (08.05.2020) den Beschluss einer Sonderregel: Fünf Spieler pro Team dürfen dann in einem Spiel ausgewechselt werden. Die Regel wird befristet, und es ist jedem Wettbewerb und jeder Liga freigestellt, sie zu nutzen. Die Frage in Deutschland lautet also: Was passiert in der Bundesliga?

DFB zurückhaltend bei Änderung im laufenden Wettbewerb

Eine befristete Regel, die nicht verpflichtend ist - das ist eine ungewöhnliche Situation. Schwierig ist schon die Suche nach einer Antwort auf die Frage, wer eigentlich die Entscheidung über eine Einführung der Regel trifft. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert sagte am Donnerstag: "Die Klubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga werden kurzfristig über eine zeitlich befristete Regelanpassung entscheiden." Auch das IFAB teilt mit, dass der Organisator eines Wettbewerbs zuständig sei.

Christian Seifert erwägt "fünf Auswechslungen zuzulassen" Sportschau 07.05.2020 00:40 Min. Verfügbar bis 07.05.2021 Das Erste

Doch das Schiedsrichterwesen für die DFL stellt der DFB zur Verfügung. In der Satzung der DFL heißt es, man wolle die Spiele nach den internationalen Fußballregeln austragen, und zwar "unter Berücksichtigung der verbindlichen Auslegung durch den DFB". Und der hält sich noch zurück.

Nach Informationen von sportschau.de will der DFB den genauen Wortlaut des IFAB abwarten, zudem tut sich der Verband schwer, während der Saison die Regeln zu ändern. Eine Tendenz für eine Entscheidung gibt es wohl noch nicht, die wolle man "in enger Abstimmung mit den Mitgliedern der DFL treffen". Gegen eine mögliche Mehrheit der Klubs wird sich der DFB also nicht richten. Im Fall einer Übernahme der Regel dürfte er sie wohl auch auf den DFB-Pokal anwenden - wo dann in einer Verlängerung wie bisher ein zusätzlicher Wechsel möglich wäre, dann also insgesamt sechs.

Was für und gegen die Änderung spricht

Für die Regel spricht, dass durch die wegen des Coronavirus veränderten Spielpläne für viele Teams nun in kurzer Zeit eine hohe Zahl an Spielen ansteht, und das möglicherweise in den heißesten Monaten des Jahres. Deshalb hatte die FIFA die Idee den Regelhütern vorgeschlagen. Spielern mit kürzeren Einsatzzeiten Ruhephasen einzuräumen, könnte wichtig werden. Auch mit Blick auf die Befürchtung, dass das Coronavirus bei Infektionen manch einen Kader verkleinern könnte.

Eine Änderung im laufenden Wettbewerb könnte auf der anderen Seite der Integrität des Wettbewerbs zumindest ein wenig abträglich sein. 25 Spieltage lang hatten die Mannschaften die Gelegenheit zu drei Wechseln. An den neun restlichen Spieltagen andere Regeln anzuwenden, wirkt ungewöhnlich. Zwei Mannschaften hätten sogar ein Spiel mehr mit der anderen Regel, denn Eintracht Frankfurt und Werder Bremen haben noch ein Nachholspiel auszutragen.

Regel mit klarer Frist, Verlängerung möglich

Die Regel wird befristet. Sie soll zunächst nur für Wettbewerbe gelten, deren Beginn 2020 ansteht oder erfolgt ist. Zudem muss das Ende dieser Wettbewerbe im Jahr 2020 geplant sein. Für die Bundesliga-Saison 2020/21 kommt die Änderung also noch nicht in Frage. Nur die aktuelle Bundesliga-Saison mit ihren neun ausstehenden Spieltagen könnte die Regel nutzen.

"Wir wollen abwarten, wie sich die Lage entwickelt", sagte IFAB-Geschäftsführer Lukas Brud zu der Befristung im Gespräch mit sportschau.de. "Es ist jetzt noch nicht klar, wie lange diese Regel notwendig sein wird." Eine Verlängerung komme aber in Frage - und damit auch eine Gültigkeit für die ins Jahr 2021 verlegte Europameisterschaft.

Zeitspiel wird unterbunden

Die Befürchtung, dass mit fünf Wechseln das große Zeitschinden einsetzt, ist unbegründet. Die fünf Wechsel pro Team dürfen zu maximal drei Spielunterbrechungen führen. Wechseln zwei Mannschaften gleichzeitig aus, verwirken beide eine der ihnen zustehenden Unterbrechungen.

Die Trainer können ihren Spielern zudem nicht nur mehr Erholung bieten, für sie sind auch mehr taktische Eingriffe ins Spiel möglich.

Andere Ligen, andere Regeln

Dass die Regel in der Bundesliga und der 2. Bundesliga angewendet wird, in anderen deutschen Spielklassen wie der Frauen-Bundesliga und der 3. Liga nicht, ist dabei nicht ausgeschlossen. In den beiden Ligen unter dem Dach der DFL sitzen neun Spieler auf der Bank. In den Ligen des DFB dürfen nur sieben Spielerinnen und Spieler bereitstehen.

Schon jetzt gibt es Unterschiede. Das IFAB erlaubt in unteren Spielklassen die Wiedereinwechslung von ausgewechselten Spielern, weiter oben ist das nicht möglich. In Nordrhein-Westfalen sind in den Amateurklassen beispielsweise vier Wechsel erlaubt, in anderen Landesverbänden sind es nur drei. In der B-Junioren-Bundesliga ist die nun veröffentlichte Regel schon lange Standard.

Regeländerung im Schnellverfahren

Normalerweise muss für Regeländerungen ein formelles Verfahren im IFAB angestoßen werden, Regeländerungen können eigentlich nur bei der Generalversammlung der Regelhüter vorgenommen werden, die meist im Frühjahr stattfindet. Da es sich aber nur um eine "temporäre Anpassung" handelt, darf das IFAB die Regel direkt umsetzen.

Stand: 08.05.2020, 14:30

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