Bundesliga - Großbaustelle Bayer Leverkusen

Trainer Peter Bosz vor seiner Mannschaft beim Training

Nach dem Havertz-Abschied

Bundesliga - Großbaustelle Bayer Leverkusen

Von Jens Mickler

Kai Havertz weg, Kevin Volland weg: Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen verliert zwei seiner wichtigsten Spieler. Die Lücken müssen schnell geschlossen werden, viel Zeit bleibt Trainer Peter Bosz allerdings nicht.

Havertz und Volland waren in den vergangenen beiden Spielzeiten die Scorergaranten bei Bayer 04 Leverkusen. In der zurückliegenden Saison brachten es die beiden gemeinsam auf 22 Tore und 15 Assists. In der Spielzeit davor, als Leverkusen die Champions League erreichte, waren es sogar 31 Tore und 16 Assists.

Das Duo steht nun nicht mehr zur Verfügung. Die Aufräumarbeiten in Leverkusen sind damit aber noch nicht abgeschlossen. Auch Lucas Alario, mit sieben Toren drittbester Schütze der vergangenen Spielzeit, will den Klub verlassen, womöglich auf Leihbasis. Gleiches gilt für einen weiteren Stürmer im Bunde, den Finnen Joel Pohjanpalo, der von seiner Leihe aus Hamburg zurückgekehrt ist.

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Sportschau 04.09.2020 00:40 Min. Verfügbar bis 04.09.2021 ARD Von Daniela Müllenborn

Großer Bedarf in der Offensive

Es besteht also bei Bayer dringender Bedarf in der Offensive. Das Konto ist prall gefüllt nach den Transfers von Havertz (80 Millionen Euro plus 20 Millionen möglicher Bonuszahlungen vom FC Chelsea) und Volland (geschätzt elf Millionen Euro von AS Monaco). Wohin aber nun mit dem ganzen Geld? Stürmer Patrick Schick steht ganz oben auf der Bayer-Wunschliste. Der Tscheche, derzeit in Quarantäne bei seiner Nationalelf, steht bei AS Rom unter Vertrag und war vergangene Saison an RB Leipzig ausgeliehen. Sein Preisschild zeigt rund 29 Millionen Euro an.

Bei dieser einen Neuverpflichtung wird es wohl nicht bleiben. Noch ist aber nicht viel bekannt. Innenverteidiger Benoit Badiahile vom AS Monaco ist im Gespräch. Die Ablöseforderungen für den 19-Jährigen sollen aber zu hoch sein. Schließlich könnte es Bewegung auf der linken Abwehrseite geben, wenn der Brasilianer Wendell den Klub verlässt. Auch einen Rechtsverteiger sucht man angeblich beim Werksklub noch.

Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen

Trainer Peter Bosz hat sich derweil einen anderen Plan zurechtgelegt. Er will versuchen, die vorhandene Mannschaft besser zu machen und die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen. "Das machen wir auf mehreren Positionen, dass wir mit mehreren Spielern den Verlust auffangen können", sagte der Niederländer, kurz nachdem die Tinte unter Havertz' neuem Vertrag beim FC Chelsea getrocknet war. Doch dürfte bei dieser Aussage auch viel Wunschdenken dabei sein.

Schon im Vorjahr hat es nicht so richtig funktionert, als der beste Spieler ging. Julian Brandt hatte den Werksklub in Richtung Dortmund verlassen. Der Schatten, den Brandt über viele Phasen der Saison warf, blieb lang. Auch Kai Havertz hatte offenbar lange mit dem Verlust Brandts zu kämpfen und fand erst spät in der Saison zu seiner guten Form.

Wer wird der nächste Shootingstar?

Die vorhandenden Spieler besser machen - am ehestesten dürfte das bei Moussa Diaby gelingen. Der 21-jährige Franzose ließ in der vergangenen Spielzeit oftmals sein großes Potenzial aufblitzen. Aber sonst? Auf Youngster Florian Wirtz ruhen große Hoffnungen. Der 17-Jährige gilt als nächstes Juwel, das es bis nach ganz oben schaffen kann. Ansonsten ist der Leverkusener Kader mit reichlich Mittelmaß durchzogen, bei dem es schwerfällt, ihn erneut mit der Qualifikation für die Champions League in Verbindnung zu bringen.

Hinzu kommt, dass Trainer Peter Bosz nicht viel Zeit zum Neuaufbau bleibt. Erst Mitte nächster Woche wird der Coach zum ersten Mal mit seinem kompletten Kader zusammenarbeiten können, nämlich dann, wenn alle Nationalspieler von ihren Länderspielen zurück sind - inklusive Leon Bailey, der noch in Jamaika nach dem Party-Besuch bei Sprint-Star Usain Bolt in Quarantäne sitzt.

Vier Tage gemeinsame Vorbereitung

Bis zum Pflichtspielstart am kommenden Sonntag (13.09.2020) in der ersten Runde des DFB-Pokalwettbewerbs gegen Nord-Regionalligist Eintracht Norderstedt bleiben also nur vier Tage an gemeinsamer Vorbereitung. Die Integration der möglichen neuen Spieler bräuchte ebenfalls noch einiges an Zeit. Und bis zum Bundesliga-Start am Sonntag, 20. September, beim VfL Wolfsburg sind es ebenfalls nur noch zwei Wochen. Viel Arbeit also für Bosz und Co.

Stand: 05.09.2020, 09:55

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