Ohne Geruchssinn, aber mit Ehrgeiz - Badminton-EM-Hoffnung Max Weißkirchen

Badminton-Spieler Max Weißkirchen

Ohne Geruchssinn, aber mit Ehrgeiz - Badminton-EM-Hoffnung Max Weißkirchen

Von Sebastian Hochrainer

Max Weißkirchen aus Bonn gehört als deutscher Meister zu den aussichtsreichsten deutschen Startern bei der Badminton-EM. Dabei leidet er fünf Monate nach einer Corona-Infektion noch an den Folgen, wie er im Interview verrät.

Der gebürtige Bonner Max Weißkirchen startet bei der vom 27. April bis 2. Mai in Kiew stattfindenden Badminton-Europameisterschaft. Der 24-Jährige spricht im WDR-Interview über seine Ziele, seine Corona-Erkrankung und erklärt, warum er bei den Olympischen Spielen in diesem Jahr aller Voraussicht nach nicht dabei sein wird.

WDR: Herr Weißkirchen, Sie treten erstmals bei einer Einzel-Europameisterschaft im Erwachsenenbereich an. Wie lauten Ihre Ziele?

Max Weißkirchen: Erstmal freue ich mich, dass wir in der aktuellen Situation überhaupt die Möglichkeit haben, an Wettkämpfen teilzunehmen. Ich war ja schon bei einigen Junioren-Europameisterschaften dabei, habe dort auch einmal Gold gewonnen, und jetzt bin ich bei den Großen. Ich will voll angreifen.

WDR: Den Titel?

Max Weißkirchen: Ich glaube, dass es dafür noch zu früh ist. In den nächsten Jahren ist das aber auf jeden Fall mein Ziel. Jetzt habe ich mir vorgenommen, die Nummer 1 der Setzliste erstmal zu ärgern.

WDR: In Ihrem zweiten EM-Spiel würden Sie auf den Dänen Viktor Axelsen treffen, der in der Weltrangliste Zweiter ist und Top-Favorit auf den EM-Titel.

Victor Axelsen in Aktion

Victor Axelsen in Aktion

Max Weißkirchen: Bei der Team-EM vor zwei Monaten habe ich bereits gegen ihn gespielt und in zwei Sätzen verloren. Vielleicht gelingt es mir ja diesmal, ihn sogar rauszuhauen, das traue ich mir schon zu.

WDR: Wir können jetzt über ein großes Turnier sprechen, obwohl es Indoor-Sportler besonders schwer in Zeiten der Corona-Pandemie haben.

Max Weißkirchen: Das stimmt, und wir Athleten haben auch sehr unter dieser Zeit gelitten, weil man eigentlich nie so richtig planen konnte, da Turniere oft kurzfristig noch abgesagt wurden. Wir haben aber seit einiger Zeit einen guten Weg gefunden, wie wir unseren Sport betreiben können.

WDR: Wie sieht der aus?

Mark Caljouw (l) und Lee Zii Jia

Mark Caljouw (l) und Lee Zii Jia

Max Weißkirchen: Wir Spieler und auch die Trainer werden jede Woche getestet. Wir tragen nur während des Spiels auf dem Spielfeld keine Masken, ansonsten immer. Es sind nur wenige Personen in der Halle und können so auch die Abstände einhalten. Das sind Maßnahmen, die funktionieren. So hatten wir die Möglichkeit, uns bestmöglich auf die EM und die dann folgenden Turniere vorzubereiten.

WDR: Und Ende Mai steht für Sie als Spieler des SC Union Lüdinghausen noch der Kampf um den deutschen Mannschafts-Meistertitel an.

Max Weißkirchen: Genau, der Ligabetrieb wurde ausgesetzt, aber nun gibt es ein Final-Four-Turnier und ich denke, dass wir da sehr gute Chancen auf den Titel haben. Zwischen der EM in Kiew und dem Finalturnier haben wir dann noch Turniere in Portugal und Spanien.

WDR: Ein volles Programm in dieser schwierigen Zeit. Keine Angst, sich auf den ganzen Reisen anzustecken?

Max Weißkirchen: Mich hat es ja schon erwischt. Am 12. November wurde ich nach einem Turnier positiv getestet. Ich hatte Fieber, Kopfschmerzen und habe den Geschmacks- und Geruchssinn verloren. Insgesamt habe ich mich aber ganz gut gefühlt.

WDR: Wie geht es Ihnen heute, fünf Monate später?

Max Weißkirchen: Ich wurde einen Monat lang positiv getestet, musste danach untersucht werden, ob mein Körper das alles gut weggesteckt hat. Nach zwei Monaten konnte ich dann endlich wieder Sport machen. Aber ich kann heute noch nicht riechen.

WDR: Das bedeutet eine Umstellung im Leben.

Max Weißkirchen: Das stimmt, aber man gewöhnt sich dran. Auch wenn ich mir wünsche, dass der Geruchssinn möglichst schnell wieder zurück ist.

WDR: "Long Covid" ist eine Gefahr, die noch gar nicht so recht absehbar ist. Wie groß war Ihre Sorge, Langzeitfolgen davonzutragen?

Max Weißkirchen: Man bekommt natürlich die Berichte mit und macht sich auch Gedanken. Ich habe auch Respekt vor der Krankheit, aber ich habe mir keine großen Sorgen gemacht. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich so viel Sport mache und fit bin. Das soll ja hilfreich sein.

WDR: Fühlen Sie sich denn nun sicher vor einer neuen Infektion, nachdem sie bereits Covid-19 hatten?

Max Weißkirchen: Ein bisschen schon. Ich musste einen Antikörper-Test machen, weil bei bereits Infizierten ein Test immer wieder mal positiv ausfallen kann, obwohl es keine neue Infektion gibt. Deswegen trage ich immer einen Befund mit mir, der beweist, dass ich Corona hatte.

WDR: Nun sind Sie rechtzeitig fit für die EM - und für die Olympischen Spiele im Sommer?

Max Weißkirchen: Das wäre mein Traum, und es gibt noch eine Möglichkeit, aber ich denke, das wird nichts.

WDR: Warum?

Max Weißkirchen: Vor vier Jahren hatte ich den Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung und musste neun Monate lang aussetzen. In dieser Zeit habe ich alle Weltranglistenpunkte verloren und bin zurückgefallen. Ich habe mich zwar wieder hochgearbeitet, aber aller Voraussicht nach wird im Herreneinzel Kai Schäfer in Tokio für Deutschland an den Start gehen. Ich müsste schon sehr, sehr gut bei den nächsten Turnieren performen.

WDR: Aber dann 2024 in Paris sind Sie dabei?

Max Weißkirchen: Ich habe immer gesagt, dass es mein Ziel ist, dann bei Olympia an den Start zu gehen. Und ich kann sagen: Ich werde 2024 in Paris auf jeden Fall dabei sein.

Das Interview führte Sebastian Hochrainer.

Stand: 22.04.2021, 13:44

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