FC Bayern und Katar Fan-Vertreter Ott: "Nicht alle Fragen beantwortet"

Stand: 05.07.2022 12:29 Uhr

Nach dem Runden Tisch beim FC Bayern München äußert sich der Fan-Vertreter Michael Ott im Interview. Er hofft auf weiteren Dialog - denn der komplette Fragenkatalog sei noch nicht abgearbeitet.

Seit 2017 gebe es unter den kritischen Bayern-Anhängern den Wunsch nach einem "Runden Tisch" beim FC Bayern München wegen des Sponsorings aus Katar, berichtet der Fan-Vertreter Michael Ott im BR-Interview. Deshalb bezeichnete er es als großen Erfolg, dass das Gespräch mit den Klub-Verantwortlichen, in dem Falle Vorstandschef Oliver Kahn und Präsident Herbert Hainer, aus Katar und Menschenrechtlern stattfinden konnte.

Ganz glücklich wirkte Ott dann aber doch noch nicht im Gespräch mit Taufig Khalil, dem FC-Bayern-Reporter des Bayerischen Rundfunks. Schließlich war die Gesprächsrunde groß, nicht alle Fan-Themen konnten angesprochen werden.

"Wir haben Hainer und Kahn einen langen Katalog an Fragen übergeben, die konnten bei weitem nicht alle beantwortet werden. Da hoffen wir mal, dass es da nochmal ein Format geben kann, um den Austausch da weiterzuführen." Es gibt da also noch was zu bereden zwischen Fans und Verein.

Gescheiterter Ott-Antrag bei der Jahreshauptversammlung 2021

Ott war ja durchaus kein leichter Gesprächspartner, den sich die Münchner ob ihres bis 2023 laufenden Sponsorenvertrag mit der Fluglinie Qatar Airways eingeladen haben. Auf der turbulenten Jahreshauptversammlung des FC Bayern im Herbst 2021 wollte Ott einen Spontanantrag einbringen, um über das Sponsoring mit der Fluglinie abstimmen zu lassen.

Das ließ das Präsidium nicht zu. Ott hatte daraufhin das Verhalten der FCB-Führung scharf kritisiert. Zusammen mit Mitglied Robin Feinauer, der am Montag auch an der Runde teilnahm, überreichte er der Bayern-Führung eben jenen Fragenkatalog zu dem heiklen Themenkomplex. Der FC Bayern München hat sein Engagement im WM-Gastgeberland erneut und mit Vehemenz verteidigt.

Nur zwei Fans Teil des Runden Tisches

"Dass Fans solche Anliegen haben können, finde ich völlig verständlich", sagte der stellvertretende Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Michael Windfuhr. "Wichtig ist zu prüfen: Wie ist die Situation in Katar? Es gibt tatsächlich Verbesserungen, seit es diese Fußball-WM in der Planung gibt. Von denen auch zu hoffen ist, dass sie langfristig anhalten."

Deren Umsetzung hake allerdings noch. "Das gilt es auch weiter anzusprechen. Dafür sind natürlich auch Wirtschaftsakteure wie Bayern München und andere, die in dem Land aktiv sind, ein wichtiger Transporteur der Botschaften." Windfuhr zeigte sich im BR-Gespräch überrascht davon, dass nur zwei Fans Teil der Runde waren.

Ott: "Wenn wir Werbung machen, dann führen wir keinen Dialog"

Und so ein wenig sprach er damit auch Ott und Teilen des Clubs Nr. 12 aus der Seele. Die Fanclub-Vereinigung hatte eine Umfrage unter den Mitgliedern durchgeführt. "Mehr als drei Viertel der Teilnehmer sagen: Es gibt einen Imageschaden für den FC Bayern durch das Katar-Sponsoring. Das ist ein klares Statement", sagte Ott.

Neben der Menschenrechtssituation führt er auch "die Vorwürfe von Terrorismusfinanzierung und Korruption im Sport" an. Klar sei: "Wir müssen einen Dialog führen mit Katar, wenn wir was ändern wollen. Aber wenn wir Werbung machen, dann führen wir keinen Dialog, dann lenken wir ab von den Problemen."

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Quelle: BR24 Sport 05.07.2022 - 09:55 Uhr