Der Weltschwimmverband Fina will an der Kurzbahn-WM im russischen Kasan festhalten.

Sport | Politik Russland-Ukraine-Konflikt trifft auch den internationalen Sport

Stand: 22.02.2022 18:39 Uhr

Die dramatische Zuspitzung im Russland-Ukraine-Konflikt trifft auch den Sport. Die Verbände reagieren zwischen Abwarten und Absagen.

Das Olympische Feuer ist erst seit kurzer Zeit erloschen und damit auch die mit Olympia verbundene Illusion von Völkerverständigung und Frieden. Obwohl der olympische Waffenstillstand noch bis zum 20. März gilt. Mit der Anerkennung der selbst ernannten "Volksrepubliken" Donezk und Luhansk im Osten der Ukraine hat Russlands Präsident Wladimir Putin für eine weitere Verschärfung des Konflikts in Osteuropa gesorgt. Auch der Sport muss sich mit der Eskalation auseinandersetzen.

Russlands Einfluss auf die Welt des Profisports ist groß. Putin hat in der Vergangenheit gezielt die Nähe zu den Spitzenverbänden gesucht, auch die wirtschaftliche Abhängigkeit ist enorm. Wohl auch deshalb tun sich die Sportorganisationen schwer, eine Antwort zu finden auf die Frage, wie man auf den sich verschärfenden Konflikt reagieren soll. Die Reaktionen schwanken zwischen Abwarten und Absagen. Die UEFA etwa will das geplante Champions-League-Finale im Mai in Sankt Petersburg im Mai noch nicht verlegen, hält sich aber eine Hintertür offen.

Schwimm- und Volleyballverband spielen auf Zeit

Auch der Weltschwimmverband Fina will vorerst an der Kurzbahn-WM Ende des Jahres im russischen Kasan festhalten. "Derzeit gibt es keine Pläne für eine Änderung des aktuellen Wettkampfplans", erklärte ein Fina-Sprecher am Dienstag in Lausanne. Man werde "weiterhin mit den Organisatoren in Kasan in Kontakt bleiben" und die Situation in Russland und der Ukraine genau beobachten. Der Schwimmweltverband lässt sich Zeit: Die Kurzbahn-WM in Kasan ist erst für den 17. bis 22. Dezember angesetzt.

Auch der Volleyball-Weltverband FIVB denkt aktuell nicht darüber nach, Russland die Männer-WM 2022 zu entziehen. "Der FIVB ist der Meinung, dass Sport immer von Politik getrennt bleiben sollte, aber wir beobachten die Situation genau, um die Sicherheit und das Wohlergehen aller Teilnehmer an unseren Veranstaltungen zu gewährleisten, was unsere oberste Priorität ist", teilte der Weltverband am Dienstag auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Männer-WM ist vom 26. August bis zum 11. September in zehn russischen Städten terminiert.

EHF: Vorerst keine Handballspiele in der Ukraine

Die Europäischen Handballföderation (EHF) teilte unterdessen mit, es werde vorerst keine Spiele mehr in der Ukraine geben. Die neue Regelung gilt zunächst für vier Wochen und werde bei Bedarf angepasst. Die betreffenden Champions-League-Spiele der Männer sollen auf neutralem Boden in der Slowakei stattfinden. Die anstehenden Länderspiele der ukrainischen Frauen Anfang März werden als Doppelspieltag in Tschechien ausgetragen.

"Die Europäische Handballföderation ist stets bestrebt, die Integrität ihrer Wettbewerbe zu wahren, und ist der Meinung, dass eine Entscheidung auf dem Spielfeld die beste Option ist", wird EHF-Präsident Michael Wiederer in der Mitteilung zitiert: "Gleichzeitig hat die Sicherheit von Mannschaften, Spielern und Offiziellen höchste Priorität." Bereits in den vergangenen zwei Wochen waren zwei Spiele mit ukrainischer bzw. russischer Beteiligung ausgefallen. Für deren Wertung habe die EHF "rechtliche Verfahren" eingeleitet.