Phil Mickelson (l.) startet für die LIV-Tour, Dustin Johnson für die PGA-Tour

Golf-Masters in Augusta Ziemlich beste Feinde

Stand: 06.04.2023 14:10 Uhr

Beim wichtigsten Golfturnier der Welt in Augusta treffen die Profis zweier zerstrittener Turnierserien erstmals wieder aufeinander. Das US Masters wird Schauplatz des Duells der Kontrahenten von der PGA- und der LIV-Tour. Von Feindseligkeiten ist im Augusta National Golf Club bislang nichts zu sehen. Aber der Streit schwelt weiter.

Es gibt Cheeseburger und es gibt Cheeseburger Sliders aus der Küche des Augusta National Golf Club. Fast zärtlich drapieren dort die Köche den Salat mit schmalen Scheiben von Gewürzgurke und Tomate auf das bereits perfekt gebratene Rindfleisch und jeweils zwei Stücke Käse. Zu guter Letzt pinseln sie die aufgeschnittenen Sesambrötchen mit etwas Fett ein, ehe alles gestapelt serviert werden darf.

Beim Champions Dinner bestimmt der Vorjahressieger des wichtigsten Golfturniers der Welt die Menüfolge. Und weil der US-Amerikaner Scottie Scheffler das Masters vor einem Jahr gewonnen hat, durfte diesmal der Weltranglistenerste sein Lieblingsessen wählen für das Zusammentreffen aller ehemaligen Sieger, die in Augusta standesgemäß in ihren grünen Siegerjacketts zusammenkamen.

Profis der PGA- und LIV-Tour erstmals wieder gemeinsam am Start

Das Besondere beim Champions Dinner in diesem Jahr: Bei Cheeseburgern, Ribeye Steak und Schokoladentörtchen trafen die Profis der PGA-Tour um Superstar Tiger Woods auf die abtrünnigen Rivalen der LIV-Turnierserie. Vor dem 87. Masters waren alle Profis und Ex-Profis sichtlich darum bemüht, die Differenzen zwischen beiden Lagern bloß nicht offen zur Schau zu stellen.

Für das obligatorische Gruppenfoto beim festlichen Bankett legten alle ihr breitestes Grinsen auf. Selbst Phil Mickelson brachte ein zartes Lächeln zustande, obwohl er den Abend am Ende des Tisches weitestgehend isoliert verbracht haben soll. "Er hat überhaupt nicht gesprochen", sagte Ex-Champion Fuzzy Zoeller.

17 der 88 Starter aus der LIV-Turnierserie

Die Feindseligkeiten zwischen den PGA-Profis und LIV-Golfern sollen in Augusta ganz bewusst nicht in den Vordergrund gerückt werden. Thema sind sie aber dennoch ständig. Keine Pressekonferenz ohne nicht mindestens eine Frage nach dem schwelenden Konflikt. "Das wird richtig lustig, denn sie hassen uns", sagte beispielsweise der Chilene Joaquin Niemann, der sonst für LIV abschlägt, mit Blick auf das Turnier. Der Nordire Rory McIlroy gab zu Protokoll: "Je mehr Zeit wir miteinander verbringen, desto leichter wird es, mit der Situation umzugehen."

Erstmals dürfen die Profis der ungeliebten LIV wieder in voller Mannstärke bei einem Majorturnier der PGA-Tour abschlagen. 17 der insgesamt 88 Starter entstammen der LIV-Turnierserie, darunter die ehemaligen Masters-Sieger Bubba Watson, Dustin Johnson, Cameron Smith oder eben Phil Mickelson.

Vorwurf an LIV: "Sportwashing" für das saudische Regime

Sie alle sind im vergangenen Jahr dem Ruf des großen Gelds gefolgt und spielen nun rund um den Globus für die von Ex-Profi Greg Norman ins Leben gerufene Tour, die ihre Spieler mit Geldern des saudi-arabischen Regimes überschüttet. Von Beginn an hagelte es heftige Kritik. Der Vorwurf: Das saudische Königshaus versuche mit den Hochglanz-Events "Sportwashing" zu betreiben und von den zahlreichen Menschenrechtsverletzungen oder dem mutmaßlichen Mord an Regimekritiker Jamal Khashoggi abzulenken.

Die PGA Tour hingegen fürchtet um ihren fast unumstrittenen Status als wichtigste Golfserie der Welt und um ihre Einnahmen – auch wenn die TV-Quoten der LIV-Turniere bislang enttäuschend ausfielen. LIV-Spieler schloss die US-Profiserie von ihren Turnieren aus. Eine Ausnahme erteilte sie nur für die Majorturniere, wie das US Masters.

"Wenn einer unserer Jungs gewinnt, werden alle anderen auf dem 18. Grün dabei sein", tönte der Chilene Joaquin Niemann. Mit provokanten Aussagen wie dieser ist er an der Magnolia Lane allerdings bislang ziemlich alleine. Selbst der sonst der LIV-Tour gegenüber so kritisch eingestellte Rory McIlroy stimmte versöhnliche Töne an.

Smith: "Es wird behauptet, dass wir kein richtiges Golf spielen"

"Es ist einfach toll, dass die besten Spieler der Welt wieder zusammen sind. Es kommt mir so vor, als ob das schon lange nicht mehr der Fall gewesen ist", sagte der Vorjahreszweite. Und trotzdem ist klar, dass die Konkurrenzsituation zwischen den Profis der PGA- und der LIV-Tour das Turniergeschehen bestimmen wird.

Cameron Smith aus Australien, der ebenfalls zu LIV gewechselt ist, formulierte das ganz offen: "Es wird viel behauptet, dass wir kein richtiges Golf spielen und dass wir nicht auf richtigen Plätzen spielen. Aber wir wollen beweisen, dass das nicht der Fall ist."

Urteil im Gerichtsstreit zwischen LIV und European Tour

Pikant: Wenige Stunden vor dem Start des Masters kassierten zwölf Profis der LIV-Tour in London am Donnerstag eine gerichtliche Niederlage. Die Spieler hatten im Vorjahr trotz abgelehnter Anträge durch die DP World Tour, früher European Tour, an der ersten Veranstaltung von LIV Golf teilgenommen.

Gegen die im Anschluss verhängte Geldstrafe in Höhe von 100.000 Pfund waren sie in Berufung gegangen. Der Einspruch wurde nun abgelehnt, sie müssen die Strafe zahlen. Das Schiedsgericht entschied, die DP World Tour habe "völlig vernünftig gehandelt". Es ist nicht die einzige gerichtliche Auseinandersetzung. In den USA läuft ein Kartellverfahren zwischen dem LIV und der PGA.

Bernhard Langer will nur spielen

Einen lassen alle Diskussionen und Streitigkeiten im Übrigen völlig unbewegt: Bernhard Langer. Die Golf-Ikone ist der einzige deutsche Starter beim Masters und mit 65 Jahren der älteste Golfer im Feld. Langer steht vor seinem 40. Auftritt in Augusta und hat das Turnier 1985 und 1993 gewinnen können.