Österreich - der Stachel von 2016 sitzt noch tief

David Alaba scheiterte mit Österreich bei der EM 2016 in der Vorrunde.

Nach Enttäuschung auf Wiedergutmachungs-Kurs

Österreich - der Stachel von 2016 sitzt noch tief

Von Sebastian Hochrainer

Bei der vergangenen EM setzte sich Österreich große Ziele und scheiterte dann mit nur einem Punkt in der Gruppenphase. Diesmal soll alles anders werden - auch die Herangehensweise an das Turnier.

Der Blick auf den Kader von Österreich spricht für eine große Klasse. Allen voran ist da David Alaba, der im Sommer vom FC Bayern München zu Real Madrid wechseln wird. Aber auch die RB-Leipzig-Profis Marcel Sabitzer und Konrad Laimer, die Gladbacher Stefan Lainer und Valentino Lazaro, Wolfsburgs Xaver Schlager, Frankfurts Martin Hinteregger oder Marko Arnautovic (Shanghai Port) und Stuttgart-Shootingstar Sasa Kalajdzic bringen richtig viel Qualität ins Team. Dennoch geht Österreich mit einer großen Portion Demut und Bescheidenheit ins EM-Turnier - und das liegt an der schlimmen Erfahrung vom vergangenen Mal.

2016 "ordentlich auf die Nase gefallen"

Nach einer überragenden Qualifikation fuhr das Team mit einer großen Portion Selbstbewusstsein zur Europameisterschaft 2016 nach Frankreich. Das Ergebnis jedoch war umso ernüchternder: Mit nur einem Punkt flog Österreich sang- und klanglos ab. "Da haben wir verkackt. Jetzt wollen wir ein besseres Gesicht zeigen und das Achtelfinale erreichen. Wir haben ein sehr gutes Team, aber wir müssen die Kirche im Dorf lassen, beim letzten Mal sind wir schon ordentlich auf die Nase gefallen", sagt Abwehrchef Aleksandar Dragovic im Sportschau-Gespräch.

Der Noch-Leverkusener, der im Sommer zu Roter Stern Belgrad wechseln wird, ist an der Seite von Hinteregger für die defensive Stabilität zuständig. Und dafür, dass sich jeder bewusst ist, dass der Stachel von 2016 tief sitzt und eine Lehre für jeden sein muss. "Ich hoffe, dass dieses Negativerlebnis uns helfen wird. Wir haben uns damals zu viel Druck gemacht, jetzt sollten wir frei aufspielen", sagt Dragovic.

Vorsicht vor zu viel Pressing

Von den Spielern her ist das österreichische Spiel auf Pressing ausgelegt. Alaba, Schlager, Laimer, Lainer sind nur vier Akteure, die in ihren Klubs das hohe, druckvolle Anlaufen praktizieren. "Natürlich haben wir viele Spieler von Pressingmannschaften und echte Laufmaschinen. Aber wir müssen daran denken, dass das keine Liga ist, sondern eine EM. Wenn man da das erste Spiel verliert, kann schon fast wieder Schluss sein. Deswegen müssen wir aufpassen und vorsichtig sein", sagt Dragovic: "Wir müssen eine gute Mischung aus Pressing und Sicherheit finden. Dennoch gehen wir in jedes Spiel mit Vollgas."

Bei den Testspielen gegen England (0:1) und die Slowakei (0:0) haben die Österreicher schonmal bewiesen, dass die defensive Sicherheit da ist. Was jedoch fehlt, ist die Sicherheit vor dem Tor. "Ich weiß, wie viel Qualität in unserer Mannschaft steckt und wir haben auch immer unsere Chancen. Wenn wir die jetzt auch noch nutzen und kaltschnäuziger werden, sieht es sehr gut aus", sagt Dragovic.

Dragovic auf Rekordkurs

Anders als zuletzt in Leverkusen ist der 30-Jährige in der Nationalmannschaft gesetzt. Nur drei Spieler haben in der Geschichte mehr Spiele für Österreich bestritten als Dragovic (90), 13 Einsätze fehlen noch bis Rekordnationalspieler Andreas Herzog. Bei der EM sollen "so viele wie möglich" dazukommen, aber er wolle nicht wie 2016 "große Töne spucken. Da ist Joshua Kimmich ein Phänomen. Der redet nicht, sondern macht einfach - in jedem Training und jedem Spiel. Diese Mentalität muss unser Vorbild sein."

Am 13. Juni startet Österreich mit dem Spiel gegen Nordmazedonien in das Turnier. Spätestens seit deren Erfolg in Deutschland (1:2) Ende März in der WM-Qualifikation sind Dragovic und Co. gewarnt. "Da hat man gesehen, wie stark sie sind", sagt der Verteidiger: "Wir dürfen das erste Spiel nicht verlieren. Unser Vorteil ist aber, dass sie, genau wie die Ukraine und die Niederlande, beim letzten Mal nicht dabei waren. Vielleicht machen sie sich den Druck, den wir uns 2016 gemacht haben."

Stand: 06.06.2021, 21:37

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