DFB-Spieler träumen von zwei Monaten in der Blase

Matthias Ginter (v.l.), Emre Can, Joshua Kimmich, Manuel Neuer

Euro 2020

DFB-Spieler träumen von zwei Monaten in der Blase

Von Marcus Bark

Zwei Monate nahezu ausschließlich in der Blase, ohne Familie, Freundinnen und Freunde: Das steht den deutschen Nationalspielern bevor, wenn in Erfüllung geht, wovon sie träumen.

Die Zahl der Coronainfektionen ist rückläufig, mehr als 30 Prozent der Deutschen haben inzwischen zumindest eine Impfdosis erhalten. Aber die Pandemie wütet noch, das Virus bestimmt das Leben.

Sämtliche Mannschaften in den beiden höchsten deutschen Fußballligen sind im Spielbetrieb. Damit das so bleibt, und die Saison nach Terminplan beendet werden kann, ist den Klubs von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) eine "Quasi-Quarantäne" auferlegt worden. Seit dem 3. Mai sind Profis, Trainer- und Betreuerstäbe angehalten, nur noch von ihrem Zuhause zum Training und Spielen zu pendeln. Einkäufe sollen vermieden werden, genau wie die Kinder in den Kindergarten oder die Schule zu bringen.

Ab dem 12. Mai sieht der Beschluss des DFL-Präsidiums dann ein "Quarantäne-Trainingslager" vor. Dieses sei "bis zum Abschluss der jeweiligen Partie eines Klubs am 34. Spieltag (22./23. Mai) verpflichtend", schreibt der Dachverband.

"Rechtlich sind Quarantänemaßnahmen immer problematisch"

Die Mannschaften werden also vorzugsweise in einem Hotel versammelt, verlassen dieses nur zum Training und zum Spiel. Ihre Familien werden sie in diesem Zeitraum nicht sehen dürfen.

Das ist ein erheblicher Eingriff in die Grundrechte. "Rechtlich sind angeordnete Quarantänemaßnahmen immer problematisch. Aber das müsste im Einzelfall geprüft werden", sagte Ulf Baranowsky als Chef der Spielergewerkschaft VdV zur Sportschau. "Derzeit bewegen wir uns im hypothetischen Bereich, da zuletzt die Quarantänen in der Bundesliga weitestgehend als Ultima Ratio akzeptiert wurden."

Heißt: Wo kein Kläger, da kein Richter. Außerdem sehen Spieler, Trainer und Betreuer ein, dass die Vorsicht hilft, den Vereinen die Einnahmen zu sichern, von denen schließlich auch die Gehälter bezahlt werden.

Familie nur nach letztem Bundesligaspieltag bis zum Trainingslager

Manch ein Fußballprofi wird allerdings für beinahe zwei Monate in der sogenannten Blase zu finden sein, ohne Familie, Freundinnen und Freunde sehen zu dürfen. Jedenfalls dürften sie das hoffen, denn für die deutschen Nationalspieler hieße das, am 11. Juli im Londoner Wembleystadion das Finale der Europameisterschaft bestreiten zu dürfen. Der Fahrplan bis dahin sieht für die in der Bundesliga beschäftigten Profis nur ein paar Tage zu Hause vor: nach dem letzten Spieltag bis zum Beginn des Trainingslagers.

Noch lässt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) einige Eckdaten offen, aber es sieht so aus, als würde der Beginn des Trainingslagers der Nationalmannschaft vor der EM ein bisschen nach hinten geschoben. Statt wie ursprünglich geplant am 25. oder 26. Mai, würde Bundestrainer Joachim Löw seine Spieler dann erst am 27. oder 28. Mai im österreichischen Seefeld versammeln.

Von Düsseldorf ohne Umwege nach Herzogenaurach

Da auch der europäische Verband UEFA in Sorge ist, dass Infektionen innerhalb der Mannschaften den Turnierplan gefährden, erlaubte er größere Kader. Löw und seine Kollegen dürfen nun 26 statt der sonst üblichen 23 Spieler benennen.

Wer das sein wird, und ob er zunächst vielleicht einen noch größeren Kreis benennt, gibt der Bundestrainer gut eine Woche vorher bekannt, wahrscheinlich am 19. Mai. Einen Tag, nachdem Löw der UEFA den endgültigen Kader melden muss, steht am 2. Juni in Innsbruck ein Test gegen Dänemark an.

DFB-Fahrplan
wahrscheinlich 19. MaiBekanntgabe vorläufiger EM-Kader
27./28. MaiBeginn Trainingslager Seefeld
1. JuniMeldung endgültiger Kader bei der UEFA
2. JuniTestspiel gegen Dänemark in Innsbruck
6. JuniAbreise Trainingslager Seefeld
7. JuniTestspiel gegen Lettland in Düsseldorf
8. JuniAnreise EM-Quartier Herzogenaurach
15. JuniEM-Spiel Frankreich - Deutschland
11. JuliEM-Finale in London

Vorgesehen war ursprünglich, dass die Spieler nach dem weiteren und letzten Test am 7. Juni in Düsseldorf gegen Lettland nochmal für ein paar Tage nach Hause dürfen. Aber ein kurzzeitiger Sprung aus der Blase würde das Infektionsrisiko erhöhen. Um dies zu vermeiden, deutet alles darauf hin, dass der DFB schon am 8. Juni sein Basisquartier für die EM im fränkischen Herzogenaurach bezieht. Eine Woche später steht das Auftaktspiel in München gegen Weltmeister Frankreich an. Läuft es optimal, wird die Blase erst am 12. Juli zum Platzen gebracht. Dann dürfte auch jeder Nationalspieler schon zumindest das erste Mal geimpft sein.

Stand: 07.05.2021, 12:52

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