Standards beim DFB - der Kopf ist zurück

Bundestrainer Löw: Standards werden ein Schwerpunkt sein Sportschau 31.05.2021 00:41 Min. Verfügbar bis 31.05.2022 Das Erste

EM-Trainingslager in Seefeld

Standards beim DFB - der Kopf ist zurück

Von Marcus Bark (Seefeld)

Wenig Tore geschossen, einige kassiert: Die Standardsituationen waren in den vergangenen Jahren ein Problem für die deutsche Nationalmannschaft. Bundestrainer Joachim Löw wird auch deshalb froh sein, dass Mats Hummels zurück ist. Hummels soll sich des Themas annehmen.

Drei "wichtige Inhalte" setzte Joachim Löw auf das Programm für das Trainingslager in Seefeld. Die "Offensive" und die "Defensive" seien zwei davon, der deutsche Bundestrainer dürfte das mit seinen 23 Kollegen gemein haben, die ihre Nationalmannschaften gerade auf die EURO 2020 vorbereiten.

Beim dritten Thema ist davon auszugehen, dass es auch jeder auf der Agenda hat. Aber vielleicht gibt es unter den Nationaltrainern auch solche, wie Löw selber mal einer war. Einer, der sagt, dass die Standards wichtig, andere Inhalte aber noch wichtiger seien und er daher aus Zeitgründen darauf verzichte, sich intensiv damit zu beschäftigen.

Standards waren der Schlüssel zum WM-Titel 2014

Löw änderte seine Meinung, beeinflusst durch Hansi Flick, der ihm nach der EM als Bundestrainer folgen wird. Nachdem der damalige Assistent seinen Chef davon überzeugt hatte, dass Standards ein Schlüssel zum Erfolg sein können - gerade im mitunter so heißen Brasilien -, wurde Deutschland Weltmeister.

Mats Hummels beim Kopfball

Auch wegen der Treffer nach Standardsituationen: Drei erzielte die Auswahl des DFB nach Eckstößen, einen nach einem Freistoß. Einen gab es auch noch nach einem Elfmeter, aber diese Form wird genau wie der Einwurf in der Regel unterschlagen, wenn von Standardsituationen geredet wird.

Zwei Tore nach 167 Eckstößen

Bei jenem Turnier in Brasilien gelangen der deutschen Mannschaft somit mehr Standardtore als in allen Spielen seit der verkorksten WM 2018. Da waren es nur drei von insgesamt 60 Treffern. Einer wurde nach einem Freistoß erzielt, zwei nach Eckstößen, von denen es seitdem 167 gab.

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"Das ist total ausbaufähig und wird natürlich auch sicherlich ein Schwerpunkt werden", sagte Löw am Samstag (29.05.2021), als er sein Programm für die Tage von Seefeld vorstellte. Es geht aber vor allem auch darum, das Verhalten zu trainieren, wie gegnerische Standardsitutionen erfolgreich abgewehrt werden. Denn Löw sagte auch: "Aus Standards haben wir in den letzten zwei, drei Jahren einfach zu viele Tore bekommen."

Die Eckstöße sind das große Problem, denn von den 36 Gegentoren seit der WM 2018 fing sich die deutsche Mannschaft fünf nach Ecken. Kurios: Nach Freistößen gelang keinem Gegner seit dem erfolgreichen Confed-Cup 2017 ein Tor gegen Deutschland.

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Sämtliche fünf Tore nach Ecken wurden von den Spaniern und Niederländern (je zwei) und den Serben per Kopf erzielt. Hinzu kommen drei weitere Kopfballtreffer aus dem Spiel heraus, sodass jedes vierte Gegentor seit 2018 aus einem Kopfball resultierte.

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"Wir haben viele Standardsituationen von uns in den letzten Jahren wirklich auch nochmal grundlegend analysiert und von daher müssen wir natürlich da auch besonderen Wert darauf legen", so Löw, und schon bevor er das in Seefeld sagte, präsentierte er einen Lösungsvorschlag, der gute Argumente auf seiner Seite hat.

Mats Hummels (r.) im Zweikampf mit Karim Benzema bei de WM 2014

Mats Hummels köpfte Deutschland bei der WM 2014 zum Sieg gegen Frankreich.

Mats Hummels etwa erzielte in seinen bislang 70 Länderspielen fünf Tore - sämtlich per Kopf nach einer Standardsituation.

Aber diese Statistik hätte Löw wohl nicht ausgereicht, um den Innenverteidiger von Borussia Dortmund zurückzuholen, nachdem er wie Thomas Müller und Jérôme Boateng im Frühjahr 2019 in den vorläufigen DFB-Ruhestand geschickt worden war.

75 Prozent gewonnene Zweikämpfe in der Luft

Hummels gewann in der abgelaufenen Saison im Schnitt zwei von drei Zweikämpfen, in der Luft waren es sogar drei von vier. Hummels fing 76 Zuspiele von Gegnern nach Standardsituationen ab, besser war in der Bundesliga nur der österreichische Nationalspieler Martin Hinteregger von Eintracht Frankfurt.

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Auch in der Offensive stimmen die Werte. Hummels war der torgefährlichste Abwehrspieler der Bundesliga. Vier seiner fünf Tore gelangen ihm nach Ecken, drei der fünf Treffer entsprangen Kopfbällen.

"Kombinierte Raum-Mann-Verteidigung ist oft eine sehr gute Lösung"

Mats Hummels, 32 Jahre alt, ist vom Bundestrainer für die EURO 2020 gesetzt, in einer Viererkette dürfte Antonio Rüdiger sein Partner in der Innenverteidigung sein.

Die genaue Strategie beim Abwehren von Standardsituationen sei abhängig von der Auswahl des Personals, sagte Hummels am Montag (31.05.2021) während einer Pressekonferenz in Seefeld. Er selbst sei sicher für die Raumverteidigung geeigneter, und so werde er in Dortmund auch eingesetzt. Der BVB bevorzugte zuletzt unter Trainer Edin Terzic eine Mischung aus Raum- und Manndeckung, und diese Lösung wäre Hummels auch für die Nationalmannschaft am liebsten: "Eine kombinierte Raum-Mann-Verteidigung ist oft eine sehr gute Lösung."

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Hummels wird sich vermutlich ein bisschen umstellen müssen, denn in Dortmund ist er einer von nur zwei Spielern, die im Raum verteidigen, bei Löw in der Nationalmannschaft waren es zuletzt deutlich mehr. Beim verlorenen WM-Qualifikationsspiel gegen Nordmazedonien standen fünf Spieler am Fünfmeterraum, drei orientierten sich davor zu den Gegnern. Einer stand am Strafraum, einer rückte in Richtung des Schützen heraus.

Ein bisschen Nostalgie

Ob der Bundestrainer seine Prinzipien ändert, wird sich vielleicht schon am Mittwoch im Test gegen Dänemark zeigen, spätestens aber dann am 15. Juni, wenn das Auftaktspiel der EM gegen Frankreich ansteht. Hummels dürfte ein bisschen nostalgisch werden. Bei der WM 2014 köpfte er Deutschland im Viertelfinale zum 1:0-Sieg gegen Frankreich - mit einem Kopfball nach einem Freistoß von Toni Kroos.

Stand: 31.05.2021, 17:45

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