Kaderbekanntgabe: Löws Abschiedsteam ohne Reus

Bundestrainer Joachim Löw

Startschuss für die EURO 2020

Kaderbekanntgabe: Löws Abschiedsteam ohne Reus

Joachim Löw pflegt auch bei seinem letzten Turnierkader ein vertrautes Ritual. Er schweigt bis zum letzten Moment. Nach einer mehrtägigen Klausur mit seinem Trainerstab und Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff verdonnerte der Bundestrainer seine engsten Vertrauten wieder zur strikten Geheimhaltung.

Bei einer Video-Veranstaltung mit Fans und "Überraschungsgästen" wird der 61-Jährige am Mittwoch (19.05.2021, 12.30 Uhr) seine 26 Auserwählten für die am 11. Juni beginnende Fußball-Europameisterschaft verkünden. Die Top-Nachricht soll die offizielle Bestätigung des DFB-Comebacks von Bayern-Leitwolf Thomas Müller sein - zwei Jahre nach seiner eigentlich endgültigen Ausmusterung aus der Nationalmannschaft.

Traditionell informieren Löw, sein Assistent Marcus Sorg und Torwartcoach Andreas Köpke die letzten Spieler erst am Morgen der Kaderverkündung. Spezielle Härtefälle - wie die Absage an Torjäger Mario Gomez vor der mit dem Titelgewinn gekrönten Weltmeisterschaft 2014 - übernimmt Löw dabei persönlich.

Reus sagt ab

Marco Reus indes sagte seine Teilnahme an der EM von sich aus ab. "Nach einer komplizierten, kräftezehrenden und am Ende Gott sei Dank erfolgreichen Saison habe ich gemeinsam mit dem Bundestrainer beschlossen, nicht mit zur EM zu fahren", schrieb Reus bei Instagram. Der 31-Jährige hatte zuletzt im Oktober 2019 für Deutschland gespielt.

Hummels? Draxler? Brandt? Oder Baku?

Bei wem also klingelt das Handy noch? Mats Hummels? Julian Draxler? Julian Brandt? Oder bei einer möglichen Überraschung wie dem Wolfsburger Ridle Baku? Die Liste der Wackel- und Streichkandidaten ist namhaft und lang. Immerhin muss kein Torwart mehr gestrichen werden. Nach dem EM-Ausfall von Marc-André ter Stegen müssen Kevin Trapp und Bernd Leno nicht mehr um den dritten Torwartplatz konkurrieren. Hinter Kapitän Manuel Neuer sind beide bei der EM dabei.

"Telefonieren tue ich eigentlich ständig im Moment mit allen möglichen Leuten", erzählte Löw vor einer Woche im Berliner Olympiastadion, als er den BVB-Anführern Hummels (32) und Reus (31) beim Dortmunder Titelgewinn im Pokalfinale gegen RB Leipzig zusah. Das Duo warb noch einmal mit einer starken Leistung für sich. So, wie es Bayern-Angreifer Müller schon seit über anderthalb Jahren macht.

Müller wäre keine Überraschung mehr, Hummels schon

Vielleicht hat sich Löw auch von Hansi Flick überzeugen lassen, seinem ehemaligen Assistenten und designierten Nachfolger auf der Bundestrainer-Position. "Thomas Müller ist ein Spieler, der dir mehr Freude macht als Kopfzerbrechen. Er ist ein Spieler, den man gerne in der Mannschaft hat", betonte der Bayern-Trainer nochmals Ende der vergangenen Woche. Müller könnte als ein Überraschungsgast bei der Nominierung zugeschaltet werden - als Schmankerl für die Fans. Und auch Hummels soll zurückkehren, wie "Sport1" am Dienstag vermeldete, ohne dabei aber eine Quelle zu nennen.

Hat Löw auch bei Hummels umgedacht?

Löw müsste auch Hummels eine tragende Rolle zuweisen, zum Gute-Laune-Onkel auf der Bank taugt der Hochdekorierte eher nicht. Bei Innenverteidigern wechseln Trainer bei Turnieren nur ungerne, sondern meist nur wegen Verletzungen oder Sperren. Hummels könnte daher für Löw weiter verzichtbar sein, obwohl die deutsche Abwehr seit dem Umbruch nach dem WM-Desaster 2018 nie wirklich sattelfest war. Bekannt ist, dass Löw sehr viel von Antonio Rüdiger hält, der in der Regel links innen verteidigt - auf der Hummels-Position.

Und es könnte passieren, dass der 28-jährige Rüdiger ins Trainingslager nach Seefeld als Champions-League-Sieger anreist. Am 29. Mai trifft er in Porto mit seinen Chelsea-Kollegen Kai Havertz und Timo Werner im Finale auf Manchester City mit dem ebenfalls für den EM-Kader gesetzten Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan.

Löw entscheidet, wovon er überzeugt ist

Dass die Nationaltrainer wegen der Corona-Pandemie ausnahmsweise 26 statt 23 Akteure nominieren dürfen, verschafft Löw drei Bonusplätze. Bekommen Müller und Hummels dadurch ihre Chance und vollzieht der Bundestrainer eine personelle Rolle rückwärts? "Vor einem Turnier drehe ich mit meinen Trainern alles noch einmal um, was in den Jahren davor war. Wir hinterfragen alles. Wie sieht unsere Spielweise aus? Wie sind unsere Gegner? Wie kann die Zusammensetzung der Mannschaft am besten funktionieren? Es geht um den bestmöglichen Erfolg", schilderte Löw seine Vorgehensweise beim Kader-Puzzle.

Löw weiß nach 15 Jahren als Bundestrainer, dass er es niemals allen recht machen wird. "Wenn der Trainer diese Entscheidung trifft, ist er ein Umfaller. Wenn er die andere trifft, dann ist er stur", bemerkte er. Wenn aber Löw eines in all den Jahren kaum interessiert hat, so ist es die öffentliche Beurteilung seiner Entscheidungen. "Ich entscheide das, wovon ich persönlich überzeugt bin", lautet sein Credo. Erst recht beim letzten Kader und dem allerletzten Turnier.

dpa/red | Stand: 18.05.2021, 21:55

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