Stadien für die 3. Liga - große Probleme für kleine Klubs

Stadion des SC Verl

Nach dem Verzicht des SV Rödinghausen

Stadien für die 3. Liga - große Probleme für kleine Klubs

Von Marcus Bark

Der SV Rödinghausen verzichtet auf einen möglichen Aufstieg in die 3. Liga. Dort bräuchte er ein Stadion, das mehr Zuschauer fasst als der Ort Einwohner hat. Auch andere Kandidaten mit wenig klangvollen Namen haben große Probleme, ein geeignetes Stadion zu finden.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) behandelt alle Mannschaften gleich. Den VfL Wolfsburg II so wie SC Weiche 08 Flensburg, den 1. FC Saarbrücken so wie Steinbach Haiger, Energie Cottbus wie den ZFC Meuselwitz, den SV Rödinghausen so wie Rot-Weiss Essen. Das ist einerseits gerecht, andererseits auch nicht. Denn RWE etwa kommt aus einer Stadt im Ruhrgebiet mit knapp 600.000 Einwohnern. Der Klub wurde 1955 Meister und hat immer noch sehr viele, sehr leidensfähige Fans.

Der SV Rödinghausen ist ein Klub aus einer Gemeinde im Kreis Herford, die bei der letzten Zählung auf nicht mal 10.000 Einwohner kam. Wenn der SVR erstmals dahin wollte, wo die Essener seit Jahren hinwollen, bräuchten sie ein Stadion mit mehr Plätzen als Einwohnern.

Verzicht wegen Stadions

Der DFB fordert von jedem Klub in der 3. Liga ein Stadion mit mindestens 10.001 Plätzen. Er fordert noch viele andere Dinge von möglichen Aufsteigern, aber vor allem das notwendige große Stadion sorgte dafür, dass der SV Rödinghausen darauf verzichtet, eine Lizenz für die 3. Liga zu beantragen.

SVR: "Weder wirtschaftlich noch nachhaltig"

"Wir haben die Anforderungen des DFB bis ins letzte Detail geprüft, gerechnet, diskutiert und sind zum Entschluss gekommen: Wir werden die Lizenz für Liga 3 nicht beantragen", teilte der Klub am Donnerstag (13.02.20) mit, "ein Umbau des derzeitigen Stadions ist nicht möglich, die Realisation eines Neubaus – und nur durch einen solchen wären die Bedingungen langfristig zu erfüllen - ist weder wirtschaftlich noch nachhaltig."

Zu ähnlichen Ergebnissen waren in den vergangenen Jahren mehrere Klubs gekommen. Der VfB Eichstätt, FV Illertissen, TSV Buchbach und SV Seligenporten hatten ebenfalls keine Lizenz für die 3. Liga beantragt. Auch der SV Meppen verzichtete mal, inzwischen ist er aber in der dritthöchsten Klasse vertreten.

Verl und Altglienicke mit besten Chancen

Durch die Entscheidung des SV Rödinghausen hat nun der SC Verl als Tabellenzweiter der Regionalliga West die besten Chancen, die Relegationsspiele gegen den Meister der Regionalliga Nordost zu erreichen. Das könnte wiederum die VSG Altglienicke aus Berlin werden, da sie die bereinigte Tabelle nach der Insolvenz von Rot-Weiß Erfurt anführt.

Sowohl Raimund Bertels, Präsident des SC Verl, als auch Altglienickes Geschäftsführer Marco Schröder versicherten der Sportschau, dass sie alles datür tun wollen, um fristgerecht bis zum 2. März die Lizenz beantragen und die Bedingungen erfüllen zu können. Beide haben dabei allerdings noch das große Problem, dem DFB ein oder mehrere geeignete Stadien zu melden, in denen sie in der 3. Liga spielen würden.

5.153 Zuschauer - ausverkauft

Der SC Verl freute sich kürzlich über 5.153 Zuschauer im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen den Bundesligisten 1. FC Union Berlin. Die Sportclub-Arena war damit ausverkauft. Heißt auch: Für die 3. Liga ist das Stadion in der 25.000 Einwohner zählenden Stadt viel zu klein. Dabei, so sagte Bertels, kommen im Schnitt nur etwa 1.000 Zuschauer zu den Spielen in der Regionalliga.

Verl gegen Union Berlin - die Highlights Sportschau 05.02.2020 02:49 Min. Verfügbar bis 30.06.2020 Das Erste

Eine Klasse höher rechne er auch maximal mit einem Schnitt von 2.500 Besuchern. "Bei 15 Spielen der Saison hätten wir vermutlich mit der Größe unseres Stadion kein Problem", so der Verler Klubchef, zumal der Gästebereich mit Platz für 1.500 Fans groß genug sei. Aber es müssen halt mindestens 10.001 Plätze sein, und das sofort. "Warum erlaubt der DFB nicht wenigstens ein Übergangsjahr?", fragt Bertels.

Stahlrohrtribünen? Bielefeld? Paderborn?

Seit Monaten arbeitet er an dem Lizenzantrag für die 3. Liga. Der Rückzieher des SV Rödinghausen überraschte ihn zwar, überrumpelte den SC Verl aber nicht. Bei einem möglichen Spielort gibt es für Verl drei Optionen: kurzfristige Erweiterung des eigenen Stadions durch Stahlrohrtribünen und späterer Ausbau oder Ausweichen nach Bielefeld in das Stadion der Arminia oder nach Paderborn in das Stadion des SC.

Verls Präsident Bertels: "Entscheidung überraschend"

Sportschau 14.02.2020 01:29 Min. Verfügbar bis 14.02.2021 ARD

Präsident Raimund Bertels (l.) und Spieler Zlatko Janjic vom SC Verl

Verls Präsident Raimund Bertels tröstet Zlatko Janjic nach dem Pokalaus gegen Union.

"Beide Vereine sind bereit, uns zu helfen. Die Gespräche werden parallel geführt. Es muss vieles durchgerechnet werden", sagte Bertels, der zuversichtlich ist, dass fristgerecht Lösungen gefunden werden.

Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark wird abgerisssen

Auch Marco Schröder hofft. Seine Volkssport Gemeinschaft Altglienicke plant gerade ein neues Stadion. Allerdings ist es für die Regionalliga Nordost konzipiert - mit einem Fassungsvermögen für 3.000 Zuschauer. Seitdem 2018 erstmals der Aufstieg in die nun vierthöchste Liga gelang, spielt die Mannschaft aus dem Berliner Bezirk Treptow-Köpenick im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Der ist groß genug, bietet fast 20.000 Zuschauern Platz, soll allerdings noch 2020 abgerissen werden. Der Neubau würde ein paar Jahre dauern.

"Eine Kapazität von 10.001 ist schon ein Schuh. 5.000 wären angebracht", kritisierte auch Schröder den DFB. Seine VSG Altglienicke hat derzeit einen Zuschauerschnitt von 500.

Zu groß, zu klein, zu teuer

Schröders Hoffnung ist, dass die Berliner Senatsverwaltung doch noch ihren Plan ändert und den Jahn-Sportpark schrittweise umbaut. Andere Optionen sieht er kaum: Das Mommsenstadion von Tennis Borussia habe die Verwaltung schon als Ausweichort abgelehnt, das Amateurstadion der Hertha sei zu klein, das Olympiastadion viel zu groß.

Bliebe die nahe Alte Försterei. Das Stadion gehört weitestgehend dem 1. FC Union, "zu dem wir ein gutes Verhältnis haben", so Schröder. Mit dem Bundesligisten würde er sicher eine Einigung finden, um gewisse Spiele, etwa gegen den 1. FC Magdeburg und Hansa Rostock, an der Wuhlheide austragen zu können. Aber sämtliche 19 Heimspiele in der 3. Liga dort auszutragen, das scheitere schon an den Mietkosten.

So wird also weiter gesucht, während die Mannschaften versuchen, vor kleiner Kulisse die Relegationsspiele zu erreichen.

Stand: 14.02.2020, 15:30

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