Flick und die Nationalmannschaft - die Richtung stimmt

Flick über drei Siege: "Hat die Mannschaft gebraucht" Sportschau 09.10.2021 02:29 Min. Verfügbar bis 09.09.2022 Das Erste

Fußball | WM-Qualifikation

Flick und die Nationalmannschaft - die Richtung stimmt

Erfrischender Fußball, viele Tore - Hans-Dieter Flick ist noch nicht lange Bundestrainer, doch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gibt es schon Gewinner. Flick selbst ist einer, auch Jonas Hofmann und Leroy Sané.

Drei Siege aus drei Spielen – der Start des Bundestrainers Hans-Dieter Flick war ein erfolgreicher, das sagt nicht nur die Statistik. Da wird Flick es auch verschmerzen können, dass es bei der Rückreise aus Reykjavik zu einigen Turbulenzen kam. Die Maschine, mit der die DFB-Auswahl aus der isländischen Hauptstadt abhob, musste in Edinburgh zwischenlanden – ein technischer Defekt bremste den Flieger aus.

Trotz dieser Unannehmlichkeit am Ende der Dienstreise überwog beim DFB die Zufriedenheit. "Neun Punkte aus den drei Spielen waren von uns als Vorgabe gesetzt. Die Mannschaft hat das hervorragend umgesetzt“, sagte der Bundestrainer Flick, den sie überall nur Hansi nennen.

Parallelen zum Bayern-Start

Schnell war danach der Vergleich zu Flicks gelungenem Start vor zwei Jahren beim FC Bayern präsent. Auch im November 2019, als Flick Niko Kovac in München ablöste, gelang ein Start mit drei Siegen und 10:0 Toren. Diesmal packte Flicks neue Mannschaft noch zwei Treffer mehr drauf.

Sicher, die drei Gegner dieser WM-Qualifikation gehören in Europa eher nicht zu den Fußballgrößen. Nicht zu übersehen war auch, dass sich die Mannschaft bei Flicks Pflichtspieldebüt gegen Liechtenstein (2:0) mehr als schwer tat.

Aggressives Pressing, schnelles und direktes Spiel

Gegen Armenien (6:0), bis dahin Tabellenführer der Qualifikationsgruppe J, und auch gegen Island (4:0) zeigte die erneuerte DFB-Elf aber, was möglich ist, auch mit Blick auf die WM 2022 in Katar. An die triste Sommerzeit mit der EM-Enttäuschung unter Joachim Löw erinnerte in diesen beiden Spielen jedenfalls nichts mehr.

Aggressives Pressing, schnelles und direktes Spiel nach vorne mit viel Schwung und Mut - es war gut anzusehen, was die Mannschaft zeigte. Das alles ist auch ein Verdienst des neuen Bundestrainers, der das Team ordentlich durchgelüftet hat.

Flick, der Kommunikator

Zugute kommt ihm dabei seine Art, die Fähigkeit zu kommunizieren und seine hohe Wertschätzung für ein gutes Miteinander. "Kommunikation ist mir wichtig, es ist auch eine Frage von Wertschätzung, einander zuzuhören und sich auszutauschen", sagt Flick selbst. Die Spieler sollen sich "gegenseitig unterstützen, coachen pushen. Ich will Leben auf dem Platz sehen."

Das war in den beiden jüngsten Partien der Fall - bei Leroy Sané zum Beispiel. Während der EURO und auch davor schon hatte Sané sein Potential zu selten abgerufen, mitunter waren seine Auftritte von einer gewissen Lethargie geprägt. Doch unter Flick blüht Sané auf. Man hat Sané zuletzt nicht nur Tore erzielen sehen, er arbeitete auch gegen den Ball geschickt mit.

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Hofmanns erfolgreiche Umschulung

Das galt auf der rechten Angriffsseite auch für Serge Gnabry, der gegen Armenien und Island den Torreigen eröffnete. Gnabry und Sané sind zwei der Gewinner der ersten Flick-Wochen, doch diese Aufzählung wäre ohne Jonas Hofmann eine unvollständige.

Bei seinem Klub Borussia Mönchengladbach hat Hofmann seine Heimat im zentralen Mittelfeld, auf der Sechser- oder Achter-Position. Dort ist beim DFB das Gedränge besonders groß, Hofmann hatte lange nur eine Nebenrolle gespielt. Bis der Bundestrainer Flick bei Hofmann Fähigkeiten entdeckte, die ihn auch für die Position des Rechtsverteidigers eignen. Auch sein Vorgänger Joachim Löw soll eine Versetzung von Hofmann erwogen haben, er setzte sie nur nie um.

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Vom Mitläufer zum Problemlöser

Als Rechtsverteidiger könnte Hofmann, 29, zumindest kurz- und mittelfristig eine Position besetzen, die beim DFB lange als problematisch galt. So sehr, dass Löw bei der EURO 2020 wieder Joshua Kimmich aus dem Mittelfeldzentrum nach rechts hinten versetzte. Dem Spiel der Nationalmannschaft tat das nicht gut - Flick hat schon angekündigt, auf solche Experimente verzichten zu wollen. Das mit Hofmann als Rechtsverteidiger allerdings könnte sich noch als sehr nützlich herausstellen.

"Ich bin bereit, neue Dinge zu lernen und habe total Bock darauf", hat Hofmann kürzlich dem Sender "Sport1" gesagt. Flick wird das gerne gehört haben. Wenn es am 8. Oktober gegen Rumänien und am 11. Oktober in Nordmazedonien weitergeht in der WM-Qualifikation, wird der Umschuler Hofmann gute Chancen auf Einsätze haben. Er stünde dann sinnbildlich für die ersten Flick-Wochen bei der Nationalmannschaft. Der erste Eindruck war ein positiver, auch die Richtung stimmt. Nun geht es darum, das auch zu bestätigen.

mick | Stand: 09.09.2021, 14:00

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