Das DFB-Team beim Training in Blankenhain
analyse

Ende des DFB-Trainingslagers Mit klarer EM-Startelf in die heiße Phase

Stand: 31.05.2024 21:34 Uhr

Die deutsche Nationalmannschaft siedelt nach Herzogenaurach über und startet dort in die heiße Phase der Vorbereitung auf die Fußball-Europameisterschaft. Die Plätze in der Startelf sind vergeben, alle Spieler sind sich ihrer Rollen bewusst.

Mit dem Zug reist der Tross des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) weiter. Am Freitag (31.05.2024) geht es von Erfurt nach Erlangen, um das Trainingslager im thüringischen Blankenhain zu beenden und jenes in Herzogenaurach zu beziehen. Die Stadt in Franken wird das Camp der Nationalmannschaft während der Europameisterschaft sein, wie schon beim paneuropäischen Turnier 2020, das wegen der Coronapandemie um ein Jahr nach hinten verschoben wurde.

Die vergangene EM endete mit dem ersten Auswärtsspiel, das Achtelfinale gegen England im Wembley-Stadion ging mit 0:2 verloren. Damit endete auch die Ära von Bundestrainer Joachim Löw.

Dass dessen Nachfolger drei Jahre später nicht mehr bei der EM Bundestrainer sein wird, bei der es ausschließlich Heimspiele geben wird, ist außergewöhnlich. Aber nach dem erneuten Ausscheiden bei einer WM in der Vorrunde und weiteren schwachen Ergebnissen sah sich der DFB gezwungen, Hansi Flick freizustellen. So etwas passierte erstmals in der Geschichte des Verbandes.

Durchwachsener Start in die Ära Nagelsmann

Flicks Nachfolger Julian Nagelsmann startete im Herbst 2023 ganz gut mit einem Sieg in den USA gegen die USA und einem Unentschieden gegen Mexiko. Dann ging es mit Niederlagen gegen die Türkei und in Österreich und mit Leistungen weiter, die Zweifel weckten, zumindest bei vielen Fans.

Mit den Länderspielen im März 2024 und den Siegen in Frankreich und gegen die Niederlande aber fand Nagelsmann in die Spur. Er hatte einen erneuten Kurswechsel hingelegt, überraschend viele neue Spieler berufen, darunter einige ohne jegliche internationale Erfahrung, allen eine klare Rolle zugeteilt. Nach den erfolgreichen Spielen, die vor allem auch als Stimmungsaufheller dienten, gab der Bundestrainer seinem Kader aus dem März nahezu die Garantie, auch der Kader für die EM zu sein.

Klare Rollenverteilung im Team

Aus den Rollen macht Nagelsmann auch kein Geheimnis. Er sagte etwa, dass Thomas Müller "sicher nicht" in jedem Spiel in der Startelf stehe. Die Plätze in der offensiven Mittelfeldreihe hinter Stürmer Kai Havertz scheinen vergeben, falls es ein paar Diskussionen geben sollte, dann um diesen Mannschaftsteil. Die beiden Jungstars Jamal Musiala und Florian Wirtz haben dort die Nase vorn, auch Kapitän Ìlkay Gündoğan gilt als gesetzt. Wie zuletzt, dürfte das Trio immer wieder die Positionen wechseln, auch eine Rochade mit Havertz ist angedacht, um die gegnerischen Verteidiger aus ihren Positionen zu locken und so freie Räume zu schaffen. 

DFB-Team bezieht EM-Quartier

Sportschau, 31.05.2024 21:00 Uhr

Leroy Sané und Chris Führich sind nach aktuellem Stand wie Müller nur eine Option als Einwechselspieler, genau wie Niclas Füllkrug, der die Elemente eines klassischen Mittelstürmers ins Spiel bringen würde. Deniz Undav ist ein flexibler Offensivspieler, der auch bei einer Umstellung der Grundformation auf ein 4-4-2 oder 3-5-2 wichtig werden könnte.

Geplant ist aber zunächst ein 4-2-3-1 mit den beiden zentralen Mittelfeldspielern Robert Andrich und Toni Kroos. Pascal Groß und Aleksander Pavlović müssen sich mit ihren Rollen als Backups anfreunden. In der Vierkette werden die beiden Außenverteidiger Joshua Kimmich (rechts) und Maximilian Mittelstädt spielen, innen Antonio Rüdiger und Jonathan Tah.

Neuer im Tor gesetzt

Leverkusens Tah sagte in Blankenhain, dass trotz der klar definierten Rollen und Zusagen des Bundestrainers "einen Konkurrenzkampf" gebe. Niemand dürfe sich zu sicher sein, jeder müsse jedes Training und Spiel angehen, als kämpfe er um einen Platz in der Elf, die am 14. Juni mit dem Spiel in München gegen Schottland in die EM starten wird.

Auch das letzte Training in Blankenhain am Freitag durften die Reporter nur für eine gute Viertelstunde beobachten. In dieser Zeit war zumindest zu sehen, dass Manuel Neuer seinen Magen-Darm-Infekt gut überwunden hat. Der Torwart hatte sich im letzten Saisonspiel der Bundesliga mit dem FC Bayern bei der TSG Hoffenheim mehrere Fehler geleistet.

Nagelsmann blieb aber bei seinem Wort, dass der 38 Jahre alte Neuer die Nummer eins ist und Marc-André ter Stegen sein erster Herausforderer. Der Torhüter des FC Barcelona bekam vom Bundestrainer ein paar Tage Sonderurlaub. Er soll am Dienstag nach Herzogenaurach kommen, wenn sich der prognostizierte große Regen verzogen hat. Das Spiel gegen die Ukraine ist dann auch vorbei, und vielleicht gibt es dann zumindest in der Öffentlichkeit wieder ein paar Diskussionen um die ein oder andere Position.