Fußball | WM-Qualifikation DFB-Team - Reus will endlich Führungsspieler werden

Stand: 31.08.2021 14:11 Uhr

Marco Reus ist nach einer selbst gewählten Pause wieder Teil der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Der 32-Jährige will beim Neuanfang unter Trainer Hansi Flick eine tragende Rolle einnehmen.

Von Jörg Strohschein

Es ist zu einem ungewohnten Bild geworden: Marco Reus in Trainingskleidung der deutschen Nationalmannschaft. Der 32-Jährige gehört wieder zum Kader der DFB-Elf. Der neue Bundestrainer Hansi Flick hat den Dortmunder für die kommenden drei WM-Qualifikationsspiele gegen Liechtenstein, Armenien und Island wieder berufen. Und Reus ist gekommen.

Ein kurzes Telefonat zwischen ihm und dem neuen Bundestrainer habe ausgereicht, um ihn dazu zu veranlassen, wieder Teil der Nationalmannschaft zu sein. "Wir sind in einem Neustart. Wir wollen frischen Wind reinbringen", sagt Reus am Dienstag (31.08.2021): "Der Leistungsgedanke wird neu geschrieben. Wer Hansi Flick kennt, der weiß das."

Absage vor der EM 2020

Auch Ex-Coach Joachim Löw hätte bei der Europameisterschaft in diesem Jahr wohl gerne auf die Fähigkeiten des Dortmunders gesetzt. Aber Reus hatte seine Teilnahme vorab abgesagt. Allerdings war diese Entscheidung wohl eher eine für seinen Klub als gegen die DFB-Elf. Er wollte seinen so oft geschundenen Körper schonen - und sich für die Saison mit dem BVB fit machen. "Es hat gut getan, mal an andere Sachen zu denken", sagt Reus im Rückblick über seine Entscheidung.

Frisch und motiviert

Die freiwillig gewählte Nationalmannschafts-Pause und den EM-Verzicht hat Reus offenbar intensiv dafür genutzt, wieder an seine alte Leistungsstärke heranzureichen. In der noch jungen Bundesliga-Saison wirkt der offensive Mittelfeldspieler so frisch und motiviert wie lange nicht.

Reus hat wieder viele gute Ideen, wenn er den Ball hat. Er geht wieder regelmäßig in die Tiefe und versucht, die Gegner in Schwierigkeiten zu bringen. In Erling Haaland hat er einen Stürmer vor sich, mit dem er nahezu perfekt kombinieren kann, den er aber auch in torgefährliche Situationen bringen kann.

Reus, der Dortmunder Kapitän, strahlt in den ersten Bundesliga-Wochen Dynamik und Fitness aus und nimmt die wichtige Führungsrolle ein, die Trainer Marco Rose für ihn vorgesehen hat. Ein Tor und eine Vorlage in drei Partien sind ein erstes Indiz für seine gute Verfassung. Wenn Reus funktioniert, funktioniert auch der BVB.

Marco Reus und Hansi Flick besprechen sich im Training

Ähnlich einflussreich will er nun auch in der Nationalmannschaft agieren. "Wenn man hier ist, möchte man auch spielen. Ich bin im Verein Kapitän, und ich möchte auch hier Verantwortung übernehmen", sagt Reus.

Bislang keine Verletzungen

Es spielt bei Marco Reus aber auch immer das Risiko mit, dass er wieder ausfällt. Seine Verletzungs-Historie ist lang. Seit 2011 ist er Teil des DFB-Teams. Lediglich eine EM (2012 in Polen/Ukraine) und eine WM (2018 in Russland) hat Reus absolvieren können. In zehn Jahren kommt er auf lediglich 44 Länderspiele (13 Tore). Im Oktober 2019 hat Reus zuletzt für Deutschland gespielt.

"Ich fühle mich gut. Ich habe in der Vorbereitung keine Trainingspause gehabt. Das gab es schon lange nicht mehr", sagt Reus, der zudem schildert, dass er in seinem Urlaub viel an sich selbst gearbeitet habe.

So wie beim BVB unter Rose dürfte sich auch das Spielsystem in der Nationalmannschaft unter Flick ändern. Höheres Pressing, mehr Spiel durch die Zentrale. So ähnlich wird es auch unter Flick aussehen - was Reus und seinem Spielstil zugute kommen dürfte.

Die WM in Katar dürfte das letzte große Turnier sein, an dem Reus mit dem DFB-Team teilnehmen wird. Torhüter Manuel Neuer hat dieser Tage angekündigt, dass er für 2022 große Ziele habe. "Ich möchte Weltmeister werden mit der Mannschaft", so der Kapitän. Womöglich wird es dann auch doch noch die späte Krönung der DFB-Karriere von Marco Reus geben.

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Sportschau, 31.08.2021 06:00 Uhr