WM 2022 - Katar kündigt Reformen am Arbeitsmarkt an

Arbeiter befestigen in Katar eine Dachkonstruktion

Nach anhaltender internationaler Kritik

WM 2022 - Katar kündigt Reformen am Arbeitsmarkt an

Nach anhaltender internationaler Kritik hat der kommende WM-Gastgeber Katar weitere Reformen beschlossen, die die Lage der Arbeitsmigranten verbessern sollen.

So können ausländische Arbeiter künftig den Job ohne Zustimmung ihres bisherigen Arbeitgebers wechseln, wie die katarische Regierung am Sonntag (30.08.2020) mitteilte. Außerdem legte das Emirat als erstes Land der Region einen monatlichen Mindestlohn in Höhe von 1.000 Rial (etwa 230 Euro) fest.

Lob von der UN

Die UN-Arbeitsorganisation ILO sprach von einem "historischen Schritt" und dem "Beginn einer neuen Ära" für Katars Arbeitsmarkt. In Verbindung mit früheren Reformen werde das Kafala-System effektiv abgebaut.

Dieses auch in anderen Ländern der Region verbreitete System bindet ausländische Arbeiter fest an einen einheimischen Bürgen wie einen Arbeitgeber, der etwa einem Jobwechsel zustimmen muss.

Vorwurf: Katar beutet Arbeitskräfte aus

Anfang des Jahres hatte Katar bereits die strikten Ausreisebestimmungen für Arbeitsmigranten weiter gelockert. Der Gastgeber der Fußball-WM 2022 steht wegen schlechter Arbeitsbedingungen für die ausländischen Arbeiter aus armen Ländern immer wieder in der Kritik.

Vorgeworfen werden dem reichen Emirat Ausbeutung und zu niedrige Löhne. Zuletzt prangerte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International an, dass ausländische Arbeiter auf einer Baustelle der WM über Monate nicht bezahlt worden seien. Das neue Mindestlohngesetz sieht nach Angaben der Regierung vor, dass die Arbeiter zudem 800 Rial für Unterkunft und Lebensmittel erhalten. Arbeitgeber, die den Lohn schuldig bleiben, sollen demnach härter bestraft werden.

"Katar kommt Versprechen nach"

"Durch die Einführung dieser bedeutenden Veränderungen kommt Katar einem Versprechen nach", erklärte ILO-Generaldirektor Guy Ryder. In Katar leben laut Amnesty International rund zwei Millionen Arbeitsmigranten. Sie kommen vor allem aus armen Ländern wie Bangladesch, Nepal oder Indien.

Katar hatte die Kritik an den Arbeitsbedingungen immer wieder zurückgewiesen und auf Reformen im Vorfeld der WM verwiesen. Das Turnier beginnt am 21. November 2022.

dpa | Stand: 30.08.2020, 16:48

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