La Liga und das Fernduell um den Titel - mehr Spannung war selten

Atleticos Luis Suarez, Reals Toni Kroos, Barcelonas Lionel Messi und Sevillas Youssef En-Nesyri

35. Spieltag

La Liga und das Fernduell um den Titel - mehr Spannung war selten

Von Tim Beyer

Zwei Spiele, vier Meisterschaftsanwärter, aber nur ein Titel: Luis Suárez kehrt für das Spitzenspiel der Primera División nach Barcelona zurück - als Spieler von Atlético. Und Real Madrid trifft auf den FC Sevilla.

Am Tag vor dem großen Spiel schickte Luis Suárez eine kurze Nachricht an seine verflossene Liebe. "Bereit für morgen", schrieb Suárez auf Instagram - und für alle, die es mit dem FC Barcelona halten, dürfte sich das tatsächlich wie eine Drohung anfühlen. Suárez, 34, hat für Barcelona in sechs Jahren 195 Treffer in 283 Pflichtspielen erzielt, er ist der drittbeste Torschütze in der Vereinsgeschichte.

Trotzdem hatten sie in Katalonien im vergangenen Sommer entschieden, dass dies nun die Zeit für einen Neuanfang sei und nicht mehr die von Suárez. Als der Tag des Abschieds gekommen war, entließen sie Suárez mit einem Video seiner besten Szenen im Trikot von Barca, es war ein langer Clip. Suárez sagte: "Das ist sehr schwierig für mich." Ihm kamen die Tränen.

Und Lionel Messi, dem Suárez in all den Jahren nicht nur ein Sturmpartner, sondern auch ein guter Freund gewesen war, grollte.

Die Dramatik einer Rückkehr

Nun kehrt Suárez also nach Barcelona zurück, nur eben als Spieler von Tabellenführer Atlético Madrid. Beim Hinspiel im November hatte er wegen einer Covid-19-Erkrankung gefehlt - und es ist natürlich auch diese Konstellation, aus der sich die besondere Dramatik des Spitzenspiels in der Primera División (Samstag, 16.15 Uhr, im Liveticker auf sportschau.de und später in der Sportschau) ergibt.

Für Atlético hat Suárez in La Liga 19 Tore in 28 Spielen erzielt, mancher Fan des FC Barcelona wird das eher nicht so gerne gesehen haben. Man kann die Erfolgsgeschichte der Mannschaft von Diego Simeone natürlich nicht nur an der Personalie Suárez festmachen, es geht darin auch um einen sturen Trainer, der plötzlich gar nicht mehr so stur ist, und um ein neues System. Doch ein Kapitel in dieser Geschichte sollte man schon Suárez widmen, es wäre sicher kein unwichtiges.

Die drei Musketiere und ein Außenseiter

Überhaupt ist der 35. Spieltag einer, dem die Dramatik nicht ganz fremd ist. Denn es ist ja so: Es trifft an diesem Wochenende nicht nur Spitzenreiter Atlético (76 Punkte) auf den Tabellendritten Barcelona (74), es spielt auch noch der Tabellenzweite Real Madrid (74) gegen den viertplatzierten FC Sevilla (70 Punkte), der unter dem Trainer Julen Lopetegui eine wirkliche beeindruckende Entwicklung genommen hat.

An solchen Wochenenden werden Meisterschaften entschieden - und die ist in Spanien gerade so spannend wie lange nicht. Der Torhüter Marc-André ter Stegen hat in diesen Tagen in einem Interview mit "Sport1" über die Situation im spanischen Fußball gesprochen. "Vier Mannschaften fighten um den Titel", sagte ter Stegen. "Einer da oben wird sich noch einen Fehltritt leisten."

In den vergangenen drei Spielzeiten war die Sache mit dem Titel stets relativ früh geklärt gewesen, dramatisch war es nur einmal, in der Saison 2016/17. Damals lagen Barcelona und Real nach 34 Spielen gleichauf mit je 78 Punkten, getrennt nur durch das Torverhältnis. Am Ende jubelten sie in der Hauptstadt.

Auch "königliche" Geschichten kommen nicht ohne Niederlagen aus

Real Madrid ist gerade im Halbfinale der Champions League am FC Chelsea gescheitert, es war schon eine Überraschung. Natürlich, der Kader ist klein, und die Zeit verschont auch Spieler wie Sergio Ramos, 35, Toni Kroos, 31, oder Karim Benzema, 33, nicht. Und doch hatte man zuletzt oft das Gefühl, dass da eine Mannschaft spielte, die den Widrigkeiten des sportlichen Älterwerdens mit einigem Erfolg trotzte.

Nun bleibt Real nur noch die Primera División, um die Saison zu retten. Und so kam es, dass auch der Kapitän Ramos vor einigen Tagen eine Nachricht ins Netz gesendet hat, die man durchaus als Drohung an die Konkurrenten werten darf.

Die Geschichte von Real Madrid sei eine, die man mit Siegen verbinde, schrieb Ramos. "Aber sie ist aus den Niederlagen hervorgegangen. Wir sind enttäuscht, ja. Aber wir sind noch nicht fertig."

Stand: 07.05.2021, 16:11

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