Real Madrid - ein Sieg fehlt zum Titel

Zidane, Ramos und Kroos brüllen in die Kamera

Fußball in Spanien

Real Madrid - ein Sieg fehlt zum Titel

Real Madrid steht kurz vor dem Titelgewinn in Spanien - es wäre der erste seit 2017. Ein Sieg fehlt der Mannschaft noch, um die an den eigenen Ansprüchen gemessen dürftige Bilanz aufzuhübschen.

Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass Madrid den fehlenden Sieg noch holt. Am Donnerstag (16.07.20) ist der FC Villarreal zu Gast in der Haupstadt - mit einem Erfolg wäre Real der Titel sicher und die Bilanz aufgehübscht.

Erstaunlicher Blick in die Siegerliste

Denn der Blick in die Siegerliste erstaunt ein bisschen: In den vergangenen sieben Spielzeiten holte Real Madrid nur 2017 den Titel. Es war die bislang einzige Meisterschaft, die Real unter dem Cheftrainer Zinedine Zidane gewann. Dass der Franzose jedoch in jeder seiner drei Spielzeiten der ersten "weißen Phase" die Champions League gewann, verdeckt diese - gemessen an den Ansprüchen des Klubs - recht bescheidene Statistik.

Auch die Tatsache, dass Madrid in den vergangenen 20 Jahren nur sechs Mal den Titel holte, Barcelona aber zehn Mal, entspricht kaum dem Selbstverständnis.

Die spanischen Meister seit 2000
JahrMeisterJahrMeister
2019FC Barcelona2009FC Barcelona
2018FC Barcelona2008Real Madrid
2017Real Madrid2007Real Madrid
2016FC Barcelona2006FC Barcelona
2015FC Barcelona2005FC Barcelona
2014Atletico Madrid2004FC Valencia
2013FC Barcelona2003Real Madrid
2012Real Madrid2002FC Valencia
2011FC Barcelona2001Real Madrid
2010FC Barcelona2000Deportivo La Coruna

Zidane: "Sehe mich noch nicht als Meister"

Der Trainer will aber nicht zu früh gefeiert werden: "Noch sehe ich mich überhaupt nicht als Meister. Wir haben noch zwei Spiele und als nächstes eine schwere Partie zu Hause", sagte Zidane nach dem 2:1 beim FC Granada.

Zinedine Zidane: "Es wird viel geredet um uns herum" Sportschau 16.07.2020 00:28 Min. Verfügbar bis 15.07.2021 Das Erste

Es war einer dieser vielen Siege, bei denen Real Madrid keinen Glanz versprühte, sondern einfach nur die Punkte einsammelte. Immerhin benötigte die Mannschaft um Kapitän Sergio Ramos keinen Elfmeter. Davon hatte es in den vergangenen Wochen einige gegeben, und davon waren wiederum einige sehr zweifelhaft. Die Konkurrenz - namentlich der FC Barcelona - witterte eine Verschwörung der Videoassistenten. Aber da auch der große Rivale einige merkwürdige Elfmeter zugesprochen bekam, ebbte die Diskussion schnell ab.

Real gewann auch mit mäßigen Leistungen

Real Madrid wird höchstwahrscheinlich Meister, weil es auch nach mäßigen Leistungen gewann, während der FC Barcelona, der als Tabellenführer aus der Coronapause kam, zu häufig Punkte verlor. Der Schlüssel zum Titel war die Konstanz nach der Corona-Pause: Mit neun Siegen in neun Spielen wurde aus den zwei Punkten Rückstand ein Vorsprung von vier Zählern auf Barca, das sich drei Unentschieden erlaubte. Während Real mit kalter Effizienz durch die Liga rumpelte, verlor sich Barca in unnötigen Dauerdiskussionen um Trainer Quique Setien und die Vertragssituation von Weltstar Lionel Messi.

Für Toni Kroos war der Weg zu seiner erst zweiten spanischen Fußball-Meisterschaft mit Real Madrid alles andere als leicht. "Difficult one", schrieb der Rio-Weltmeister nach dem hart erkämpften 1:0 bei Espanyol Barcelona Ende Juni im Netz, also etwa: "Schwieriges Ding". Vier Tage später, nach dem mühsamen 1:0 gegen Getafe, twitterte er abermals: "Difficult one". Und wiederum drei Tage danach, in Bilbao war ein 1:0 geglückt, genau: "Difficult one".

Zinedine Zidane, 48 Jahre alt, ist in der zweiten Saison seiner zweiten Amtszeit als Cheftrainer. Nach dem dritten Sieg in der Champions League hintereinander (zuvor war es keiner Mannschaft gelungen, den Titel zu verteidigen), hatte er gekündigt. Die Mannschaft, so Zidane, brauche eine Veränderung, um weiter erfolgreich zu sein. Das war im Mai 2018. Im März 2019 kam Zidane zurück, weil die Veränderung den "Königlichen" doch nicht gut getan hatte.

Meisterfeier fällt wegen Corona aus

Die große Party nach dem 34. Titel für den Rekordmeister wird allerdings ausfallen: Angesichts der wieder steigenden Zahl der Corona-Fälle hat der Klub eindringlich an seinen Anhang appelliert, auf die üblichen Feierlichkeiten am Cibeles-Brunnen zu verzichten.

"Wir wollen Titel gewinnen, um sie mit unseren Fans feiern zu können", hieß es in einer Erklärung des Klubs, "aber wir sind uns darüber bewusst, dass die Zeiten, in denen wir leben, uns dazu zwingen, die nötigen Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen".

red/sid/dpa | Stand: 16.07.2020, 07:00

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