Iranische Frauen dürfen bei Länderspielen ins Stadion

Zwei weibliche iranische Fans bei der WM 2018 in Russland

Separate Eingänge und eine Extra-Tribüne

Iranische Frauen dürfen bei Länderspielen ins Stadion

In ihrem Kampf gegen Stadionverbote sind die iranischen Frauen einen Schritt weiter. Künftig dürfen sie zumindest Fußball-Länderspiele besuchen.

Das kündigte Sportminister Massud Soltanifar an. "Alle notwendigen Vorbereitungen sind getroffen, damit auch Frauen, vorerst jedoch nur für Länderspiele, in die Fußballstadien kommen können", sagte der Minister.

Im Asadi-Stadion in Teheran, wo Irans Nationalmannschaft ihre WM-Qualifikationsspiele austrägt, wurden für Frauen separate Eingänge, eine Extra-Tribüne und Damen-Toiletten eingerichtet. Außerdem sollen spezielle Polizei-Einheiten eingesetzt werden, damit die Frauen sicher in das und aus dem Stadion kommen, sagte Soltanifar laut dem Webportal des Sportministeriums. 

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Sportschau 11.09.2019 01:02 Min. Verfügbar bis 11.09.2020 ARD

Erzkonservativer Klerus bleibt stur

Im Iran ist Frauen der Besuch von Fußballspielen im Stadion seit vier Jahrzehnten untersagt. Obwohl Minister Soltanifar und sogar Präsident Hassan Ruhani gegen das Verbot sind, konnten sich beide bis jetzt nicht gegen den erzkonservativen Klerus durchsetzen. Minister Soltanifar hofft, dass mit dem Umbau des Asadi-Stadions und den separaten Einrichtungen auch der Klerus zumindest für die Länderspiele das Stadionverbot für Frauen aufhebt.

FIFA macht Druck

Der Fußball-Weltverband FIFA hat den Druck auf den Iran im Hinblick auf das Stadionverbot für Frauen deutlich erhöht. "Unsere Position ist klar und eindeutig. Frauen muss der Zugang zu den Stadien im Iran gewährt werden", sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino: "Ich habe die Hoffnung, das der iranische Verband und die Behörden unsere wiederholten Mahnungen mit Blick auf diese inakzeptable Situation verstanden haben." Laut Infantino hält sich derzeit eine FIFA-Delegation im Iran auf. "Ich hoffe, gute Nachrichten von unseren Delegations-Mitgliedern zu hören", äußerte der Schweizer, der die Iraner nach eigenen Angaben in der jüngsten Vergangenheit mehrfach wegen dieses Themas kontaktiert hat. Die FIFA fordert die Aufhebung des seit knapp 40 Jahren geltenden Verbots, das Frauen nach Lesart der erzkonservativen Geistlichen vor dem Anblick halbnackter Männer und einem vulgären Umfeld bewahren soll. Die Diskriminierung von Frauen ist laut der Statuten des Weltverbandes verboten. Dem Iran droht als Sanktion der Ausschluss der Nationalmannschaft von allen Wettbewerben.

Anfang September hatte sich eine Iranerin nach einer Verurteilung wegen eines Stadionbesuchs selbst in Brand gesetzt - und erlag später ihren Verletzungen.

dpa | Stand: 19.09.2019, 10:52

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