Barça unter Setién  zurück zum "Tiki-Taka"?

Quique Setien als Trainer von Real Betis

Neuer Trainer des FC Barcelona

Barça unter Setién  zurück zum "Tiki-Taka"?

Quique Setién ist der neue Trainer des FC Barcelona. Die Personalie verwundert, denn der 61-Jährige ist außerhalb Spaniens nicht sonderlich bekannt. Den Ausschlag für seine Verpflichtung gab wohl seine Fußball-Philosophie.

Eigentlich hatte sich Quique Setién schon zur Ruhe gesetzt. Seit Mai 2019 ist der Fußball-Lehrer ohne Job. Bis dahin hatte der Spanier den Erstligisten Betis Sevilla trainiert. Doch Platz elf war dem Team aus Andalusien zu wenig. Der Klub und Setién einigten sich darauf, den noch ein Jahr gültigen Vertrag aufzulösen. Jetzt ist es mit dem Ruhestand vorbei. Am Montag (13.01.2020) verpflichtete der FC Barcelona den Coach als Nachfolger des zuvor geschassten Ernesto Valverde.

Kurze Zeit Trainer in Äquatorialguinea

Die Personalie verwundert vor allem außerhalb von Spanien. Denn dort kennt den Coach kaum jemand. Seine Trainerlaufbahn liest sich auch nicht so als würde sie zu einem Weltklub wie dem FC Barcelona passen. Der Ex-Profi stand vor seinem Job bei Betis bei Racing Santander, Poli Ejido, Logroñes, Lugo und Las Palmas an der Seitenlinie. 2006 trainierte er für kurze Zeit die Nationalmannschaft von Äquatorialguinea. Einen Titel holte er bisher noch nicht.

Fußball - Barcelonas Setién: "Will so viele Titel wie möglich gewinnen" Sportschau 14.01.2020 01:12 Min. Verfügbar bis 14.01.2021 Das Erste

Leistungskurve zeigte nach unten

Barça führt die Tabelle der Primera Divison nach 19 Spieltagen punktgleich mit Real Madrid an. Das Team ist auch noch im spanischen Pokal dabei und steht im Achtelfinale der Champions League. Doch die Leistungskurve zeigte zuletzt nach unten. Von den jüngsten fünf Partien unter Valverde gewann das Team um Superstar Lionel Messi nur eins. Dem Trainer wurde jetzt die Halbfinal-Pleite im spanischen Supercup gegen Atlétco Madrid (2:3) zum Verhängnis, die das Fass bei der Barça-Führung um Klubboss Josep Bartomeu wohl zum Überlaufen brachte. Dass Barcelona unter Valverdes Führung zwei Mal hintereinander den spanischen Meistertitel und 2018 die Copa del Rey holte, zählt da nichts mehr.

Die "Schönheit des Spiels" fehlte

Denn auch bei den Katalanen zählt nur die Champions League. Die holten die "Azulgrana" zuletzt 2015 unter dem heutigen Nationaltrainer Luis Enrique. Den Gewinn der Königsklasse traute die Barça-Chefetage Valverde wohl nicht zu. An dem war die Kritik zuletzt immer lauter geworden, nicht nur wegen der Ergebnisse. Denn auch wenn das Team um den deutschen Nationaltorwart Marc-Andre ter Stegen gewann, tat es das nur wenig souverän. So fehlte den Verantwortlichen und den Fans vor allem die "Schönheit des Spiels", für die Barcelona jahrelang berühmt und berüchtigt war.

Nicht die erste Wahl

Erste Wahl ist Setién nicht. Wunschkandidat war vor allem der Argentinier Mauricio Pochettino. Der Argentinier und damit Messi-Landsmann war im November beim Premier-League-Klub Tottenham Hotspur freigestellt worden, hatte den Verein aber in der Saison zuvor überraschend ins Finale der Champions League geführt.

Spekulationen gab es in den vergangenen Tagen auch über das frühere Barcelona-Idol Xavi. Das Angebot eines sofortigen Wechsels wies der Trainer vom Al-Sadd Sports Club nach Medienberichten zurück. Der39-Jährige wolle zunächst seine derzeitige Aufgabe in Katar fortsetzen, hieß es.

Offensiver Ballbesitz-Fußball

Setién steht für offensiven Ballbesitz-Fußball und ist Verfechter des "Tiki-taka" Spielstils, den Barcelona unter Pep Guardiola einst nahe der Perfektion zelebrierte. In seinem ersten Jahr bei Betis führte er den "Fahrstuhl-Klub" überraschend auf Platz sechs und damit in die Europa League. Seine vornehmliche Aufgabe ist es nun, dem Team die Spielfreude zurück zu geben.

Um das Offensivspiel des Teams zu beschreiben, überschlugen sich die spanischen Medien zuletzt mit negativ behafteten Adjektiven - von "pomadig, unsouverän, ideenlos, blass, uninspiriert und lethargisch" war da die Rede. Das Team habe offenbar ein Mentalitätsproblem. Zudem ist es Valverde nicht gelungen, die Zugänge Antoine Griezmann und Frenkie de Jong zu integrieren.

Debüt gegen Granada

Inwieweit und wie schnell Setién das jetzt ändern soll, bleibt abzuwarten. Ein neuer Impuls ist er allemal. Sein Debüt gibt der Trainer am Sonntag im Ligaspiel gegen Granada. In der Champions League muss Barcelona Ende Februar gegen Neapel ran.  

vdv/dpa/sid | Stand: 14.01.2020, 10:45

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