Niederlande: Ajax Erster, aber nicht Meister

 Myron Boadu (L) und Nico Tagliafico von Ajax Amsterdam im Zweikampf (01.03.2020)

Keine Auf- und Absteiger nach Eredivisie-Saisonabbruch

Niederlande: Ajax Erster, aber nicht Meister

Von Francois Duchateau

Nach dem Saisonabbruch der niederländischen Eredivisie gibt es im Oranje-Nachbarland zwei Entscheidungen: Zum einen ist Ajax Amsterdam zwar Erster, aber wird nicht als Meister gewertet. Der andere Beschluss ist nicht minder weitreichend: Es wird keine Ab- und Aufsteiger geben.

Das entschied der niederländische Fußball-Verband KNVB am Freitag (24.04.20). Der Tabellensiebzehnte ADO Den Haag sowie Schlusslicht RKC Waalwijk atmen auf: Sie spielen auch im kommenden Spieljahr erstklassig. Cambuur Leeuwarden und de Graafschap, die zuletzt die Zweitliga-Tabelle anführten, müssen in ihrer Klasse bleiben. Cambuur-Trainer Henk de Jong sagte: "Das fühlt sich an wie die größte Schande aller Zeiten im niederländischen Sport." In der 1. Liga waren 2019/20 26 Spieltage absolviert worden, 29 Runden waren es in Liga zwei.

Europapokal-Wettbewerbe: KNVB folgt Rat der UEFA

Bei der Verteilung der Europapokalplätze folgt der KNVB dem Rat der UEFA und orientiert sich am aktuellen Tabellenstand. Demnach starten im kommenden Spieljahr Ajax in der Champions League und der zweitplatzierte AZ Alkmaar in der CL-Quali, Feyenoord Rotterdam (3.), PSV Eindhoven (4.) und Willem II Tilburg (5.) bekommen ein Ticket für die Europa League bzw. deren Qualifikation. Der Sechste, FC Utrecht spielt kommende Saison nicht international und geht leer aus. Eigentlich hatte der Verein im Pokalfinale gegen das für das internationale Geschäft qualifizierte Feyenoord eine Chance auf eine Europapokalteilnahme. Notiz am Rande: Ajax rangierte in der Tabelle nur aufgrund der Tordifferenz vor Alkmaar.

Der FC Utrecht kündigt gegenüber "Voetbal International" an, gegen die Verbandsentscheidung vorgehen zu wollen - auch auf UEFA-Ebene. Die Utrechter haben zwar drei Punkte weniger als Willem II, aber auch ein Spiel weniger bestritten - und die weitaus bessere Tordifferenz. Utrechts Mehrheitsaktionär Frans van Seumeren sagte dem niederländischen TV-Sender NOS, er wolle "die besten Rechtsanwälte des Landes" engagieren.

Keine Liga-Aufstockung

Bereits am Morgen hatte der KNVB den Klubs mitgeteilt, einer Aufstockung der Eredivisie von 18 auf 20 Mannschaften ablehnend gegenüberzustehen. Der Verband wollte keine Aufblähung des Spielplans vor der kommenden Europameisterschaft, zudem sprach sich auch die Polizei gegen eine Ausweitung des Teilnehmerfeldes aus.

Obwohl die Mehrheit der Vereine für eine Auf- und Abstiegsreglung votierte, zog der KNVB es vor, die kommende Erst- und Zweitliga-Saison mit den aktuellen Ligaklubs zu bestreiten. Die Möglichkeiten der Vereine, juristisch gegen diese Entscheidung vorzugehen, werden als äußerst gering eingestuft.

Politik stellte sich klar gegen "Geisterspiele"

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte hatte am Dienstag ein Verbot aller genehmigungspflichtigen Großveranstaltungen - wozu auch "Geisterspiele" zählen - bis zum 1. September ausgesprochen und eine Sonderbehandlung für den Profifußball der Männer und Frauen ausdrücklich abgelehnt.

Die Entscheidung der Politik zog allen umstrittenen Gedankenspielen des Verbandes über eine mögliche Wiederaufnahme des Ligabetriebs im Sommer endgültig den Stecker. Zuvor hatten bereits viele Bürgermeister erklärt, professionelle Fußballspiele während der Corona-Krise in ihren Städten nicht genehmigen zu wollen - egal, ob mit oder ohne Zuschauer.

Die Eredivisie ist die erste europäische Liga, die formal ihre Saison wegen der Corona-Pandemie beendet. Zuvor hatte der Abbruch-Vorschlag Belgiens für seine 1. Liga heftige Kritik von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin geerntet, der mit einem Europapokal-Ausschluss für die kommende Saison drohte. Seit Donnerstag ist jedoch klar, dass der europäische Kontinentalverband einen Saisonabbruch unter bestimmten Voraussetzungen genehmigt.

"Nicht so abhängig von TV-Geldern"

Anders als in Deutschland herrscht seit März Konsens unter den niederländischen Profiklubs, die Eredivisie-Saison acht Spieltage vor Schluss vorzeitig zu beenden. "Wir in den Niederlanden sind nicht so abhängig von den TV-Geldern wie die Wettbewerbe in Spanien, England, Italien und Deutschland", hatte Ajax-Sportdirektor Marc Overmars schon Anfang April unterstrichen. Die Fernseheinnahmen fließen, auch wenn nicht gespielt wird. Der Vertrag mit dem TV-Sender "Fox" ist noch bis Mitte 2025 datiert.

Niederlande setzen auf Solidarität

Rekordmeister Ajax Amsterdam hat bereits Signale gesendet, Vereinen helfen zu wollen, die durch die Corona-Pandemie in existenzielle Nöte geraten. "Wir haben schon mit dem KNVB über eine Art Notfonds gesprochen. Und natürlich könnte Ajax dabei einen höheren Beitrag beisteuern als andere Klubs", sagte Ajax-Geschäftsführer Edwin van der Sar zuletzt.

Als weitere Maßnahmen zur Abfederung des finanziellen Schadens der Corona-Krise werden derzeit eine solidarische Aufteilung der Europapokalprämien unter den Erstliga-Vereinen im kommenden Jahr sowie eine generelle, temporäre Gehaltskürzung der Fußballprofis diskutiert.

Stand: 25.04.2020, 11:32

Darstellung: