Rassismus am FC Bayern Campus: DFB-Kontrollausschuss ermittelt

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Rassimus-Skandal beim FC Bayern erreicht DFB

Rassismus am FC Bayern Campus: DFB-Kontrollausschuss ermittelt

Von Matthias Wolf

In den Rassismus-Skandal am Campus, dem Nachwuchsleistungszentrum des FC Bayern München, ist mittlerweile auch der Deutsche Fußball-Bund involviert. Der DFB-Kontrollausschuss ermittelt gegen den hauptbeschuldigten Jugendtrainer.

Dr. Anton Nachreiner, Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses, bestätigte dem WDR-Hintergrundmagazin Sport inside laufende Ermittlungen gegen den Jugendtrainer, von dem sich der FC Bayern bereits am 13. August fristlos getrennt hatte. Die Berichterstattung von Sport inside und die Recherchen über Mobbing und Rassismus im Jugendbereich des Rekordmeisters hatten zunächst den Bayerischen Fußballverband (BFV) auf den Plan gerufen - der den Fall bereits vor Wochen an den DFB weitergegeben hat. Die mögliche Dimension der Vorfälle und die Lizenzstufe des Betroffenen überschreite den Kompetenzbereich eines Regionalverbandes, begründete der BFV diesen Schritt.

Trainer droht Lizenzentzug

"Der DFB hat sich auf die Fahnen geschrieben, konsequent gegen Rassismus vorzugehen. Da ist es unsere Pflicht, diesen Fall aufzuarbeiten", betont der DFB-Kontrollausschuss-Vorsitzende Nachreiner nun. Noch seien die Ermittlungen in vollem Gange, mit einem internen Zwischenergebnis sei frühestens kurz vor Weihnachten zu rechnen, sagt Nachreiner, der auch Präsident des Landgerichts Deggendorf in Bayern ist. Der Fall solle auch noch im DFB-Präsidium besprochen werden. Inhaltlich gäbe es deshalb derzeit noch nichts zu sagen.

Nachreiner macht deutlich, dass solche Fälle beim DFB-Kontrollausschuss selten und "sehr heikel" seien, weil es nicht um einen Prominenten gehe. Im Unterschied zu den Urteilen im Bundesligabereich sei es deshalb auch möglich, dass das Urteil nicht öffentlich gemacht würde. Nachreiner konnte auch noch nicht sagen, ob der Fall vor dem Sportgericht verhandelt werde – oder auf dem Verwaltungswege mit Stellungnahmen aller Betroffenen (wie dem FC Bayern und dem Trainer) entschieden werde.

Der beschuldigte Trainer ist Inhaber der DFB-A-Lizenz ist, der zweithöchsten Trainer-Lizenzstufe in Deutschland. Darum habe er "bestimmte sportliche Verhaltensregeln an den Tag zu legen, da gibt es strenge Vorschriften für Trainer", erklärt Nachreiner. Bei Verstößen könne es in schweren Fällen sogar zum Entzug der Trainerlizenz kommen. "Was hier zweifellos ein schwerer Eingriff in das Leben des Mannes wäre, auch in die Berufsfreiheit", so Nachreiner. 

Weitere Anzeige gegen drei Trainer

Der betroffene Jugendtrainer wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Er hatte aber erst in der vergangenen Woche gegenüber Sport inside betont, wie sehr er um seine Zukunft im Fußballbereich bange. Er wisse, dass sein Name durch seine rassistischen Äußerungen schweren Schaden genommen habe.

Beim DFB-Kontrollausschuss beobachtet man derweil auch sehr interessiert die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München wegen Volksverhetzung gegen den Trainer – diese könnten Einfluss auf die Entscheidungsfindung haben. Inzwischen gibt es eine weitere anonyme Anzeige gegen den Hauptbeschuldigten sowie zwei weitere Trainer des FC Bayern, einer davon bereits entlassen, der andere noch am Campus aktiv. Im Unterschied zu früheren Anzeigen werden diesmal aber zahlreiche Namen von Personen genannt, die unter den Methoden des Jugendtrainers gelitten haben, sowie Zeugen genannt, die angeblich bereit wären auszusagen.

Die Anzeige ist offensichtlich eine direkte Reaktion von Betroffenen auf die Sätze von Campus-Leiter Jochen Sauer im "Münchner Merkur/tz", es habe im Nachwuchsleistungszentrum zwar Rassismus (aber nur in einem Teilbereich), aber kein Mobbing gegeben. Das sei nicht korrekt, weil zahlreiche Betroffene zu diesem Thema bei der FCB-Rechtsabteilung ausgesagt hätten, heißt es nun in der Anzeige. Sport inside hatte erst vor Wochenfrist darüber berichtet, wie unvollständig der FC Bayern den Skandal aufgearbeitet hat – und wie schwer es auch für die Staatsanwaltschaft ist, Volksverhetzung zu beweisen. Hier liege laut Staatsanwaltschaft "die strafrechtliche Schwelle sehr hoch".  

Rassismus-Eklat beim FC Bayern sport inside 02.09.2020 10:50 Min. UT Verfügbar bis 02.09.2021 WDR

Stand: 27.11.2020, 11:42

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