Dortmunds Mo Dahoud - der ganz lange Anlauf zum Durchbruch

Mo Dahoud

Vor dem Wiedersehen mit Ex-Klub Gladbach

Dortmunds Mo Dahoud - der ganz lange Anlauf zum Durchbruch

Von Christian Hornung

Mahmoud "Mo" Dahoud hat dreieinhalb schwierige Jahre beim BVB hinter sich, aber ausgerechnet vor dem Pokal-Viertelfinale gegen seinen Ex-Klub Mönchengladbach am Dienstagabend (20.45 Uhr, live im Ersten und bei sportschau.de) dreht er auf. Plötzlich ist auch eine Vertragsverlängerung wieder denkbar.

Lucien Favre hat ein paar bleibende Sätze in Mönchengladbach zurückgelassen. Einer lautete, mit leicht vorwurfsvollem Unterton an die Journalisten gerichtet: "Vergessen Sie Hrgota nicht", dabei vergaß er ihn in seiner Startelf fast immer selbst. Ein anderer Satz hatte für Favre-Verhältnisse fast schon poetische Ausmaße: "Dahoud ist gut." Wer das nicht sehe, fügte er hinzu, der sei blind.

Oft fahrig und unkonzentriert

Mahmoud Dahoud war in Gladbach eine Art Ziehsohn von Favre. Der Schweizer Trainer baute den zentralen Mittelfeldspieler behutsam auf, nach Ansichts des in Syrien geboreren Deutschen viel zu behutsam. Aber Dahoud vertraute Favre, er wurde mit etwas Anlauf zum Leistungsträger im Mittelfeld, mit vielen Freiheiten. Und er freute sich nach seinem Wechsel 2017 zum BVB, als ein Jahr später auch Favre bei Borussia Dortmund anfing.

Favre setzte anfangs beim BVB durchaus auf Dahoud, doch dessen Einsatzzeiten näherten sich bald denen von Hrgota in Mönchengladbach an. Daran war der zweimalige Nationalspieler für die DFB-Auswahl maßgeblich selbst schuld. Oft wirkte er bei seinen Einsätzen fahrig, unkonzentriert, er machte Fehler, die nicht zu seiner spielerischen Klasse passten.

Das "einfach spielen" vergessen

Es hatte den Anschein, als wolle Dahoud permanent allen zeigen, was für ein großer Stratege er ist, dabei vergaß er das, was Favre immer von ihm verlangt hatte: einfach zu spielen. Klare Pässe, keine Überdinger. Aber auch Abschlüsse, gerne auch aus der Distanz, denn das konnte Dahoud mal, er hat einen hervorragenden Vollspann-Schuss.

Dahoud: "Immer noch ein besonderes Spiel für mich" Sportschau 01.03.2021 00:25 Min. Verfügbar bis 01.03.2022 Das Erste

Gezeigt hat er das in Dortmund sehr selten. In 4.523 Pflichtspielminuten hat er drei Tore erzielt und sieben vorbereitet. Er war also nur alle 450 Minuten an einem Treffer beteiligt. Das ist so wenig, dass lange klar schien, dass sein im Sommer auslaufender und sehr ordentlich dotierter Vertrag beim BVB nicht verlängert wird. Doch weil Dahoud zwei dieser drei Tore in den vergangenen zwei Wochen erzielte, sieht plötzlich wieder einiges anders aus.

Zuspruch von Terzic

Dass erst die schwere Verletzung von Axel Witsel zu mehr Einsatzzeiten jetzt unter Favre-Nachfolger Edin Terzic geführt hat, ist die eine Wahrheit. Die andere ist aber, dass Dahoud endlich mal seine Chance genutzt hat. Beim 3:0 gegen Bielefeld gelang ihm der erste Bundesliga-Treffer nach zweieinhalb Jahren. Zehn Tage zuvor hatte er im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League in Sevilla getroffen. "Er hat es nach einer schweren Phase allen gezeigt. Damit sind wir sehr glücklich", lobte Terzic.

DFB Pokal - Die Highlights des letzten Borussen-Duells Sportschau 01.03.2021 00:42 Min. Verfügbar bis 01.03.2022 Das Erste

Bezeichnend für die Gefühlslage von Dahoud war sein Jubel nach dem Führungstor gegen die Arminia. Er zuckte mit den Schultern, breitete die Arme aus, nach dem Motto: "Geht doch - aber warum bloß nicht öfter so?"

Immer noch ein besonderes Duell

Die Antwort kann er nur selbst geben, vielleicht schon am Dienstagabend. Dann spielt er in dem Stadion, in dem seine Karriere begann, in dem er viel mehr Selbstvertrauen und Lockerheit ausstrahlte als in seiner Zeit in Dortmund. "Es ist immer noch ein ganz besonderes Spiel für mich, wenn es gegen Gladbach geht", sagt der U21-Europameister Dahoud im Sportschau-Interview.

Die Kontakte zu seiner alten Borussia hat er nie abgebrochen. Dahoud sagt: "Ich habe noch sehr viele echte Freunde dort. Vor allem Oscar Wendt, der ist wie ein großer Bruder für mich. Sehr schade, dass er bald in Gladbach aufhört." Vielleicht hätte Dahoud sogar nochmal gerne mit Wendt zusammengespielt. Der VfL sucht angesichts des bevorstehenden Abgangs von Denis Zakaria einen dynamischen Mittelfeldspieler, eine Rückkehr von Dahoud wurde schon öfter rund um den Borussia-Park diskutiert.

Spekulationen um Rückkehr nach Gladbach

Das ist aber reine Spekulation, wenngleich auch Wunschdenken vieler Fans. Wahrscheinlicher ist im Moment, dass Dahoud noch einmal beim BVB verlängert. Es liegt nahe, dass bei dieser Entscheidung wieder ein Gladbacher Trainer mitredet. Marco Rose wechselt bekanntlich im Sommer von der einen zur anderen Borussia.

In der Pressekonferenz am Montag (01.03.2021) vor dem Pokalduell betonte Rose aber ausdrücklich, dass er sich aktuell aus der Planung beim Konkurrenten komplett heraushält. Er sagte: "Ich brauche jedes Körnchen Energie für meine Arbeit in Gladbach."

sid/dpa/red | Stand: 01.03.2021, 19:23

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