DFB - Präsident Keller kündigt Rücktritt an

Fritz Keller

Sitzung des Präsidiums

DFB - Präsident Keller kündigt Rücktritt an

Von Marcus Bark

Fritz Keller hat seine Bereitschaft erklärt, als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes zurückzutreten. Auch Vize Rainer Koch und Generalsekretär Friedrich Curtius kündigten ihren Rückzug an.

Der DFB teilte am Dienstag (11.05.2021) nach einer digitalen Sitzung des Präsidiums mit, dass Keller seine "grundsätzliche Bereitschaft" erklärt habe, nach einem Sportgerichtsverfahren gegen ihn am 17. Mai sein Amt zur Verfügung zu stellen. Generalsekretär Friedrich Curtius werde ihm "nach einer Verständigung über eine Aufhebung seines Arbeitsvertrags (...) unmittelbar folgen".

Rainer Koch werde beim nächsten Ordentlichen Bundestag, der wohl auf den Beginn des Jahres 2022 vorgezogen wird, nicht mehr für das Amt des "1. Vizepräsidenten Amateure" kandidieren. Ob er ein anderes Amt anstreben wird, lässt die Mitteilung offen.

Zusammen mit dem anderen Vizepräsidenten Peter Peters soll Koch kommissarisch die Geschäfte Kellers nach dessen Rückzug und bis zur Wahl eines Nachfolgers führen. Koch war zuvor schon zweimal kommissarischer DFB-Präsident, jeweils in einer Doppelspitze mit Reinhard Rauball.

DFB-Präsident Keller kündigt Rücktritt an

Sportschau 11.05.2021 00:58 Min. Verfügbar bis 11.05.2022 ARD Von Martina Knief


"Ich übernehme jetzt noch ein drittes (und definitiv letztes Mal) für eine sehr schwierige und auch nicht ganz kurze Zeit die Aufgabe der Interims-Präsidentschaft. Und danach ist die Mitwirkung als haftender Vorstand des DFB gemäß Paragraph 26 BGB für mich definitiv beendet", teilte Koch auf Anfrage der Sportschau mit. Da er auch den Süddeutschen Fußballverband und den Bayerischen Fußballverband führt, könnte er also weiter nach dem Bundestag 2022 im Präsidium vertreten sein.

Offene Fragen

Peters, ehemaliger Finanzvorstand des FC Schalke 04, ist im Präsidium des DFB vertreten, weil er stellvertretender Sprecher des Präsidiums der DFL ist. So sieht es die Satzung vor. Ob er sich trotzdem zurückziehen wird und den Weg für einen kompletten Neuanfang beim DFB ebnet, ist fraglich.

Sowohl Koch als auch Peters sind in den internationalen Verbänden vertreten. Koch erhält für seinen Posten im Exekutivkomitee der UEFA 160.000 Euro im Jahr, Peters als Mitglied im FIFA-Rat 250.000 Dollar.

Monatelanger Machtkampf

Dem personellen Beben vorausgegangen war ein monatelanger Machtkampf, der den Verband lähmte und den Ruf des Verbandes weiter verschlechterte. Auf der einen Seite stand Keller, unterstützt von den Profis wie DFL-Boss Christian Seifert und Peters. Zum anderen Lager zählen Koch, Curtius und Schatzmeister Stephan Osnabrügge, der ebenfalls sein Amt abgeben wird.

Es ging in dem Streit vor allem auch um Vertrauen. Keller wollte einen ominösen Vertrag zwischen dem DFB und einer Kommunikationsagentur genauer untersuchen, stieß dabei aber auf Widerstände. Als sein Büroleiter und enger Vertrauter im Verlauf der Recherche fristlos gekündigt worden war, eskalierte die Lage.

Eklat um Nazi-Vergleich

Zu einem Eklat war es während einer Sitzung gekommen, in der es auch um die Kündigung ging, die am 21. Mai vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt behandelt wird. Keller sagte zu Koch oder in dessen Richtung "Freisler". Roland Freisler war einer der schlimmsten Richter in der Nazi-Zeit und mitverantwortlich für die Organisation des Holocaust.

Koch hatte eine Entschuldigung Kellers entgegengenommen, aber nicht akzeptiert. Der Vergleich mit Freisler sei persönlich zu verletzend, sagte Koch später. Koch ist selbst als Richter tätig.

Anzeige bei der Ethikkommission

Friedrich Curtius hatte die Entgleisung des Präsidenten bei der Ethikkommission des DFB angezeigt. Wie der Verband mitteilte, habe die Kommission über den außergewöhnlichen Fall beraten und das Ergebnis an das Sportgericht weitergeleitet. Dieses soll nun am 17. Mai ein Urteil fällen. Danach tritt Keller ab.

Auch Curtius hatten die Landesverbände - wie Keller - bei einem Krisentreffen in Potsdam am 2. Mai das Vertrauen entzogen. Da der Generalsekretär aber Angestellter des Verbandes ist, kann er nicht zum Rücktritt gedrängt werden. Curtius hatte schon vor der nun bekanntgegebenen Entscheidung angedeutet, gesprächsbereit zu sein. Es dürfte nun vor allem um eine Abfindung gehen.

Nach der Einigung mit Curtius werde die stellvertretende Generalsekretärin Heike Ullrich seine Aufgaben kommissarisch übernehmen, teilte der DFB mit. Obwohl ein Generalsekretär hauptberuflich beim DFB angestellt ist, muss ihn der Bundestag als solchen bestätigen.

Druck von Sponsoren

Das Präsidium mit Fritz Keller an der Spitze hatte sich am Dienstagnachmittag zusammengeschaltet. Nach Informationen der Sportschau ging es in der Sitzung auch um die Kritik von Sponsoren. Ein Sprecher von Ausrüster Adidas hatte einen Tag zuvor gesagt: "Leider werfen die internen Führungsquerelen kein gutes Licht auf den DFB. Daher ist es wichtig, dass der Verband nun schnell die nötigen Schritte einleitet, um die offenkundigen Probleme zu lösen."

Bei einem Medienworkshop des DFB mit Informationen zur Europameisterschaft war am Dienstag auch Adidas-Chef Kasper Rorsted zugeschaltet. Vor den Journalisten äußerte er nichts in Richtung des Verbandes, sondern lobte die Zusammenarbeit über Jahrzehnte. Die deutsche Nationalmannschaft wird ihr Quartier vor und während der Europameisterschaft auf dem Gelände des Sportartikelherstellers in Herzogenaurach beziehen.

Stand: 11.05.2021, 20:39

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