Banger Blick auf die Fußball-Saison 2020/21

Das Estadio Mestalla in Valencia bei einem Spiel ohne Zuschauer

Coronavirus

Banger Blick auf die Fußball-Saison 2020/21

Von Chaled Nahar

Die EM ist verlegt, jetzt haben die Ligen Zeit. Ob genug, um die Saison zu beenden, muss sich zeigen. Die wichtigste Frage für Klubs und Verbände in Europa lautet aber: Kann ein pünktlicher Start der Saison 2020/21 gewährleistet werden?

"Extremstszenarien" forderte DFL-Chef Christian Seifert von den 36 Klubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga. Sie sollen der Organisation sagen, wie lange sie durchstehen können ohne Spiele, ohne TV-Geld, ohne Zuschauereinnahmen, ohne Zuwendungen von Sponsoren. Wenn man Seiferts Aussagen bei der Pressekonferenz der DFL am Montag (16.03.2020) beim Wort nimmt, scheint dieser Zeitraum bei einigen Klubs nicht besonders lang zu sein.

Während über sportliche Lösungen für das Saisonende 2019/20 diskutiert wird, stellt sich für Seifert, seine Klubs und den gesamten europäischen Profifußball vor allem eine Frage: Was ist mit dem Saisonstart 2020/21?

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Flexibilität ist gefragt - und die wichtigste Frage offen

Die UEFA hat am Dienstag (17.03.2020) die EM verschoben. "Das größte Opfer", nannte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin das. Mit der Verlegung der EM ist die Hoffnung verknüpft, dass die nationalen Ligen ihre Saison bis zum 30. Juni beenden können. An diesem Tag enden im Fußball üblicherweise Verträge mit Spielern, aber auch mit Sponsoren, Medien oder anderen Partnern. Eile ist also geboten, sobald es die Umstände überhaupt zulassen.

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Und Flexibilität ist gefragt. Die Champions League und die Europa League sollen laut DFB auch am Wochenende spielen, die Ligen auch an Terminen des Europapokals. Die beiden Endspiele von Champions League und Europa League werden möglicherweise auf Ende Juni verlegt, um Zeit zu gewinnen. Und die Ligen werden in englischen Wochen vor leeren Rängen spielen, wenn nötig.

Offen bleibt jedoch die entscheidende Frage: Wann lassen die Umstände der Coronavirus-Pandemie einen Spielbetrieb wieder zu, um die Saison zu Ende zu spielen?

Ein späterer Saisonstart hätte teils dramatische Folgen

Das "Extremstszenario" für den Fußball lautet, dass weder ein sportliches Saisonende 2019/20 noch ein pünktlicher gemeinsamer Saisonstart 2020/21 möglich sein werden. Die Länder der UEFA befinden sich in unterschiedlich fortgeschrittenen Situationen bei der Ausbreitung des Coronavirus.

Welches Land die Krise wann überwunden haben wird, lässt sich nicht seriös vorhersagen, und noch weniger kann man ein gemeinsames Datum dafür festlegen. Das könnte die Hoffnung auf einen harmonisierten Fußballkalender in Europa zerstören, und die Folgen dürften teils dramatisch sein:

  • Bei einer notwendigen Verschiebung des Saisonstarts müssten die Klubs weitere Zeiträume ohne Einnahmen überstehen, was offenbar nicht jeder kann.
  • Teilnehmende Klubs an Champions League und Europa League könnten durch den fehlenden Saisonabschluss nicht feststehen, wenn Klubs gegen Entscheidungen den Rechtsweg beschreiten.
  • Vielleicht kann Italien Ende Mai wieder spielen, Deutschland aber erst Ende August und England erst Ende Oktober - das Durcheinander wäre groß.
  • Murmeltiereffekt: Wenn der Saisonstart auf sich warten lässt, könnte zum Saisonende die Zeit fehlen, um pünktlich vor der EM 2021 fertig zu werden.

Für die Klubs ist das Saisonende 2019/20 vielleicht irgendwie zu überstehen. Der Saisonstart 2020/21 dagegen wird entscheidenden Charakter haben.

UEFA beschließt EM-Verschiebung - die Folgen für den Fußball Sportschau 17.03.2020 26:31 Min. Verfügbar bis 17.03.2021 Das Erste

Stand: 17.03.2020, 18:14

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