Budapest - der sichere Hafen der UEFA

Die Puskas Arena in Budapest ist für die UEFA ein Anlaufpunkt für Spielverlegungen.

Spielverlegungen in Champions League und Europa League

Budapest - der sichere Hafen der UEFA

Von Chaled Nahar

Immer wieder Budapest: Um die Coronaregeln mancher Länder zu umgehen, verlegt die UEFA derzeit Spiele der Champions League und der Europa League an Orte, an denen die Regeln passen. Der am häufigsten genutzte Ort ist Ungarns Hauptstadt - denn die Zusammenarbeit ist seit Jahren eng.

Am Donnerstag (04.03.2021) wurden in Ungarn harte Nachrichten verkündet. Kindergärten, Grundschulen und fast alle Geschäfte werden geschlossen, sagte Gergely Gulyas, Büroleiter des Premierministers Viktor Orban. Die Eindämmung der Coronavirus-Pandemie erfordere diese Maßnahmen, die ab 8. März gelten sollen. Weiterführende Schulen sind längst geschlossen, ebenso Hotels und Restaurants. Zudem gilt eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 20 und 5 Uhr.

Ebenfalls am Donnerstag teilte die UEFA mit, dass das nunmehr sechste Spiel in der laufenden Europapokalsaison nach Ungarn verlegt wird. Auch das Rückspiel zwischen Liverpool und Leipzig soll in der Puskas Arena in Budapest stattfinden, am 10. März. "Die UEFA bedankt sich beim ungarischen Fußballverband für seine Unterstützung und seine Zustimmung zur Durchführung des Spiels", hieß es.

Zwei Meldungen, die kaum zusammenpassen, aber zeigen: Budapest ist in stürmischen Zeiten der sichere Hafen der UEFA geworden, um die Europapokal-Wettbewerbe durchzuziehen. Wie kam es dazu?

Ungarn: "Die UEFA darf spielen, ohne Einschränkungen"

Am 6. August 2020 teilte die UEFA mit, dass Ungarn möglicherweise bald eine besondere Rolle spielen könnte. Vier Verbände, darunter Ungarn, würden in der Coronakrise neutrale Spielorte zur Verfügung stellen "und den Teams einen Reisekorridor anbieten, um das Spiel ohne Einschränkungen zu spielen", hieß es damals. Bedeutet: Einreisebeschränkungen werden für die Mannschaften in Ungarn nicht gelten, wenn Spiele der UEFA anstehen. Das findet sich bis heute auch in den Einreisebestimmungen wieder. "Nicht-ungarische Staatsbürger dürfen einreisen, wenn sie Teilnehmer einer internationalen Sportveranstaltung in Ungarn sind", heißt es darin.

Seitdem machte die UEFA von dem Angebot rege Gebrauch. Schon in der Qualifikation zur Champions League wurde das Spiel zwischen NK Celje (Slowenien) und FC Dundalk (Irland) wegen Einreisebeschränkungen nach Budapest verlegt. Als nun einige Spiele in den K.o.-Runden der Champions League und der Europa League an ihrem ursprünglich geplanten Spielort nicht auszutragen waren, griff die UEFA in Abstimmung mit den Klubs bei den Männern bereits fünf Mal auf Budapest zurück. Bei den Frauen spielt der VfL Wolfsburg sein Achtelfinal-Rückspiel gegen Lilleström (Norwegen) in der ungarischen Stadt Györ.

Die Klubs haben bei der Suche nach alternativen Spielorten zumindest ein Vorschlagsrecht und auch ein Mitspracherecht, das letzte Wort hat aber die UEFA. "Dabei gehe es vor allem darum, einen Ort zu finden, an dem es keine Einschränkungen für das Spiel gebe", teilte die UEFA mit. Budapest liefert offenbar weiterhin unkomplizierte Bedingungen, und die Verbindung der UEFA zu Ungarn ist in den vergangenen Jahren immer enger geworden.

Verlegungen der UEFA
WettbewerbBegegnungAusweichort
CLAtletico - ChelseaBukarest
CLLeipzig - LiverpoolBudapest
CLLiverpool - LeipzigBudapest
CLGladbach - Man CityBudapest
ELWolfsberg - TottenhamBudapest
ELMolde - GranadaBudapest
ELMolde - HoffenheimVillarreal
ELReal Sociedad - Man UnitedTurin
ELBenfica - ArsenalRom
ELArsenal - BenficaAthen
CL FrauenLilleström - WolfsburgGyör
CL FrauenAtletico - ChelseaMonza
WM-QualiPortugal - AserbaidschanTurin
WM-QualiNorwegen - TürkeiMalaga

Ceferin über die Puskas Arena: "Ein Juwel in der Krone Ungarns"

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin (r.), 2016 mit UEFA-Vizepräsident Sandor Csanyi

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin (r.), 2016 mit UEFA-Vizepräsident Sandor Csanyi

2019 besuchte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin Budapest zur Einweihung des Stadions, das heute den Spielbetrieb der Champions League und der Europa League rettet. Und er trug dick auf. Das Stadion werde "auf Jahrzehnte das Juwel in der Krone des ungarischen Fußballs sein", wurde Ceferin damals auf den Webseiten der UEFA zitiert. Dabei stellte die UEFA eine Mitfinanzierung beim Bau eines neuen Sitzes des ungarischen Fußballverbands in Aussicht. Freundschaftlich zeigte sich Ceferin auf Fotos mit Sandor Csanyi. Der Banker ist der zweitreichste Mensch Ungarns und hat vier wichtige Funktionen: Er ist Vorsitzender des ungarischen Fußball-Verbandes, er ist Vizepräsident der UEFA, er ist Teil des mächtigen UEFA-Exekutivkomitees, und er gilt als ein Freund von Viktor Orban. Der Draht ist damit kurz. Spezielle Vereinbarungen mit Ungarns Regierung gebe es aber nicht, teilte die UEFA auf Anfrage der Sportschau mit.

Die UEFA gönnt Ungarn seit einigen Jahren immer wieder große Spiele. Die Puskas Arena in Budapest ist als Austragungsort für die EURO 2020 vorgesehen, die am 11. Juni 2021 beginnen soll. Beschlossen ist zudem, dass in dem Stadion auch das Endspiel der Europa League 2023 ausgetragen werden soll. Große Teile der U21-EM 2021 finden in Ungarn statt. Den europäischen Supercup zwischen Bayern München und dem FC Sevilla im September 2020 verlegte die UEFA kurzerhand von Porto nach Budapest. Ungarn verhalf der UEFA dabei zu der medienträchtigen Teilrückkehr von Fans in die Stadien - zu einer Zeit, als die Infektionszahlen in Budapest auf ihrem bis dahin höchsten Stand waren.

UEFA in Abhängigkeit vom erfolgreichen Abschluss der Turniere

Wie beim Hinspiel zwischen Leipzig und Liverpool reisen damit erneut eine deutsche und eine englische Mannschaft nach Ungarn, um die geltenden Coronaregeln zu umgehen. Vor dem Hinspiel sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums, die von der Bundesregierung erlassene Verordnung habe den "Sinn und Zweck", Kontakte zu reduzieren. "Die Regeln zielen nicht darauf ab, dass sich die Menschen jetzt andernorts treffen", so die Sprecherin.

Bundesinnenministerium äußert sich zur Reiseproblematik Sportschau 08.02.2021 01:01 Min. Verfügbar bis 08.02.2022 Das Erste

Genau das tun die Mannschaften aber. Die UEFA, die im Europapokal das Geld für die Klubs generiert, steht unter Zeitdruck. Denn ohne einen rechtssicheren Abschluss der Wettbewerbe wäre die folgende Saison in der Champions League und der Europa League schwer zu starten, was im Zeitplan wiederum die EM infrage stellen könnte. Die Europapokalwettbewerbe sind jedes Jahr rund 3,3 Milliarden Euro wert, für die EM 2020 hatte die UEFA einst ein Ziel von 2,1 Milliarden verkündet. Probleme, die die Einnahmen dieser Summen gefährden, will die UEFA vermeiden - die größte Hilfe dabei kommt derzeit aus Budapest.

Stand: 05.03.2021, 17:23

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