Rassismus-Eklat in Paris - Was ist passiert? Wie geht es weiter?

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Rassismus-Eklat in Paris - Was ist passiert? Wie geht es weiter?

Das Spiel der Champions League zwischen Paris Saint-Germain und Istanbul Basaksehir wurde nach Rassismus-Vorwürfen abgebrochen. Was ist passiert? Und wie geht es jetzt weiter?

Was ist passiert?

Die Partie war am Dienstagabend (08.12.2020) nach einer Viertelstunde abgebrochen worden. Der Assistenztrainer der Gäste, der frühere kamerunische Nationalspieler Pierre Webó, hatte die Rote Karte gesehen, dabei soll es zu einer rassistischen Beleidigung durch den Vierten Offiziellen aus Rumänien gekommen sein. Sebastian Coltescu wurde vorgeworfen, eine rassistische Formulierung für Schwarze benutzt zu haben. Beide Teams verließen nach heftigen Diskussionen den Platz. Die Türken weigerten sich, weiterzuspielen.

Was sagt die UEFA?

Die Europäische Fußball-Union kündigte eine "gründliche Untersuchung" an. Dabei wird es wohl vor allem um die Kommunikation zwischen Coltescu und Schiedsrichter Ovidiu Hategan gehen.

Der rumänische Fußballverband (FRF) drohte bereits mit Konsequenzen, sollten sich die Anschuldigungen bewahrheiten.

Wie geht es weiter?

Das Spiel soll an diesem Mittwoch (18.55 Uhr) fortgesetzt werden. Die UEFA teilte am späten Dienstagabend mit, dass das komplette Schiedsrichter-Team ausgetauscht werde. Der niederländische Referee Danny Makkelie kommt zum Einsatz. Zur Seite stehen dem 37-Jährigen an den Linien sein Landsmann Mario Diks und der Pole Marcin Boniek. Als Vierter Offizieller wurde der Pole Bartosz Frankowski nominiert.

Skandal in der Champions League - Rassismusvorwurf bei Paris gegen Basaksehir

Sportschau 09.12.2020 01:16 Min. Verfügbar bis 09.12.2021 ARD Von Stefanie Markert


Istanbuls Co-Trainer Pierre-Achille Webo wird bei der Fortsetzung des abgebrochenen Spiels wieder auf der Bank Platz nehmen dürfen. Wie PSG am Mittwoch mitteilte, hat die Europäische Fußball-Union die Rote Karte gegen Webo ausgesetzt.

Wie sind die Reaktionen?

Beide Teams erfuhren nach dem Spiel viel Solidarität. Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu sprach von einer "historischen Entscheidung" und bewertete das Verhalten des Vierten Offiziellen als "inakzeptabel". Das Anti-Rassismus-Netzwerk "Fare" sah "ein wichtiges Signal im Kampf gegen Rassismus" und ein "Zeichen in Europa". In den sozialen Netzwerken bekundeten Tausende ihre Solidarität, auch Vereine aus der Bundesliga positionierten sich gegen Rassismus.

DFB-Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich kündigte an, das Thema auch nochmals bei den deutschen Unparteiischen anzusprechen. "Der Vorfall in Paris ist für uns Anlass, auch unsere Schiedsrichter noch einmal auf die Sensibilität dieses Themas hinzuweisen", sagte er der "Bild"-Zeitung. Sich gegen Rassismus zu stellen, sei "die oberste Prämisse für Spieler, Trainer - aber auch für Schiedsrichter".

Wie ist die sportliche Relevanz?

Neben Paris und Istanbul spielen in der Gruppe H noch RB Leipzig und Manchester United. Durch den 3:2-Sieg der Leipziger ist Paris sicher im Achtelfinale, kann die Sachsen mit einem Sieg aber noch von Platz eins der Gruppe verdrängen. Hintergrund: Paris hatte sowohl gegen Leipzig als auch gegen Manchester den direkten Vergleich gewonnen, kann sich somit also sogar eine Niederlage erlauben.

sid/dpa | Stand: 09.12.2020, 18:16

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