3. Liga  - ganz enger Zeitplan und viele Fragen

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Planungen zum Neustart

3. Liga  - ganz enger Zeitplan und viele Fragen

Von Marcus Bark

Noch stehen die Planungen unter Vorbehalt, aber der DFB hat schon einen konkreten Zeitplan für die 3. Liga entwickelt, der ein Saisonende im Juni ermöglichen würde. Schon bevor die Politik die Planungen absegnet, soll mit Testreihen begonnen werden. Die kurzfristige Umsetzung des Hygienekonzepts sei aber nicht möglich, klagt etwa Carl Zeiss Jena.

Nur mit knapper Mehrheit haben die 20 Vereine in der 3. Liga entschieden, dass auch sie die Saison zu Ende spielen wollen. Anders als Bundesliga und 2. Liga kann die 3. Liga aber aus verschiedenen Gründen nicht schon am 16. Mai ihren Betrieb aufnehmen. Es fehlt die Erlaubnis der Politik, es fehlen die beiden im Hygienekonzept vorgeschriebenen Testreihen auf das Coronavirus. Außerdem wird auch den Drittligisten vorgeschrieben, dass sie mit ihrer Mannschaft in ein mindestens sieben Tage langes Trainingslager unter Quarantänebedigungen gehen müssen, bevor die Saison fortgesetzt wird.

Die Zeit drängt also enorm, um vielleicht auch noch spätestens am 30. Juni die Spielzeit zu beenden. An diesem Tag laufen viele Verträge aus, nicht nur mit Spielern, auch etwa mit Sponsoren.

Fahrplan sieht Neustart am 26. Mai vor

Dieser Eile hat der zuständige Deutsche Fußball-Bund nun Rechnung getragen. Es wurde ein Fahrplan erstellt, der für Dienstag, 26. Mai, vorsieht: "Wiederaufnahme Spielbetrieb, sofern Freigabe durch Politik erfolgt."

Am Freitag (08.05.20) verschickte der DFB eine Mail mit dem Fahrplan an die 20 Vereine. Das Schreiben liegt der Sportschau vor. Darin heißt es, dass sich "die zuständigen Gremien des DFB über die Anpassung des Rahmenterminkalenders verständigt" hätten. Dieser solle am Montag (11.05.20) vom Präsidium des Verbandes verabschiedet werden, sei jedoch "selbstverständlich abhängig von der Freigabe durch die politischen Verantwortungsträger". Nach Informationen der Sportschau aus Kreisen der Drittligisten ist diese Freigabe der Politik für Montag zugesagt.

In seiner Mail schreibt der DFB weiter: "Um den engen Zeitplan bei einer Freigabe dennoch realisieren zu können, möchten wir Sie jedoch bereits heute über den voraussichtlichen neuen Starttermin im ausgearbeiteten Rahmenterminkalender informieren und die wichtigsten Eckdaten wie folgt darlegen.“

Erste Testreihe bereits am 10. Mai vorgesehen

Es folgt ein Programm, das schon am 8. Mai einsetzte und für den 9. und 10. Mai eine "Vereinbarung Termine mit den zugewiesenen Laboren für die 1. Testung" vorsieht. Noch am Sonntag (10.05.20) soll die erste Testreihe bei maximal 40 Spielern und Betreuern begonnen und am 12. Mai abgeschlossen werden. Die zweite Testreihe ist für den 12. bis 14. Mai vorgesehen. Möglicherweise schon während dieser Testungen steht laut angepasstem Rahmenterminkalender zwischen dem 13. bis 15. Mai die "Durchführung 1. Mannschaftstraining" an, auch unter dem Vorbehalt: "sofern Freigabe durch die Politik erfolgt".

Wie die Sportschau berichtete, will der DFB zentral die Testreihen der meisten Drittligisten bezahlen, Ausnahme ist die zweite Mannschaft des FC Bayern. Das Geld soll aus dem mit 7,5 Millionen Euro gefüllten Solidartopf stammen, der vom FC Bayern, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen gefüllt wird - den Teilnehmern an der Champions League bei den Männern.

Neustart der Frauen-Bundesliga für den 29. Mai geplant

Auch sechs Frauen-Bundesligisten sollen aus diesem Topf bedient werden. Nach Informationen der Sportschau erhielten die zwölf Vereine am Freitag eine Mail mit weitestgehend gleichlautendem Inhalt. Für die Frauen ist der 29. Mai als Fortsetzungstermin vorgesehen. Dort wurde die Saison nach dem 16. von 22 Spieltagen wegen der Corona-Pandemie abgebrochen. Der 1. FC Köln hat allerdings erst 14 Spiele bestritten.

In der 3. Liga haben alle Mannschaften bislang je 27 Partien gespielt, es stehen also noch elf Spieltage an. Würde sie tatsächlich am 26./27. Mai die Saison fortsetzen und ständig englische Wochen spielen, wären ein Abschluss am 30. Juni möglich. Über eine mögliche Aufstiegsrelegation des Tabellendritten gegen den Drittletzten der 2. Liga wird in dem angepassten Rahmenterminkalender nichts geschrieben.

In der Theorie wäre es also möglich, unter höchster Beanspruchung von Spielern, die seit Wochen aus dem fußballspezifischen Traininingsbetrieb sind, die Saison vor Juli zu beenden.

Hygienekonzept stellt Drittligisten vor Probleme

Es gibt aber sehr viele offene Fragen. So gibt es mehrere Klubs, die klagen, dass sie die Vorschriften des von DFB und DFL zusammen erarbeiteten Hygienekonzeptes nicht einhalten können.

Chris Förster, Geschäftsführer des FC Carl Zeiss Jena, bestätigte der Sportschau, dass sein Verein spätestens am Samstag (09.05.20) ein an den thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow gerichtetes Schreiben abschicken will, in dem angezeigt wird, dass zumindest die "kurzfristige Umsetzung des Hygienekonzeptes" nicht möglich sei. In einem Entwurf des Schreibens heißt es, dass das Konzept "an den Spieltagen erhebliche Anforderungen an die Infrastruktur unseres Stadions" stelle, "das diesen nicht gerecht werden kann". Auch bei Auswärtsspielen würden sich Probleme ergeben, die nur mit finanziellem Mehraufwand zu erfüllen seien. So heißt es: "Die Hotels, die wir gemeinhin nutzen, sind normale Mittelklassehotels, die einen solchen Aufwand infrastrukturell in aller Regel nicht leisten können - jedenfalls nicht ohne erheblichen Mehraufwand, der dann auf die Gastmannschaft umzulegen wäre."

Das Hygienekonzept des DFB sieht in dem Punkt vor: "Exklusives Hotel für die Mannschaft oder exklusive Etage/Bereiche zur Vermeidung von Kontakten mit anderen Hotelbesuchern." Sollte diese exklusive Nutzung nicht möglich sein, lauten die Vorgaben immer noch: "eigener Eingang für das Team", "eigene Hotelbereiche ohne andere Gäste (Zimmerflur, Speiseraum, Besprechungsraum)", "eigener Aufzug".

Stellenausschreibung für Hygienebautragten

Weil das Konzept auch einen Hygienebautragten erfordere, der zwingend "approbierter Arzt" sein müsse, schrieb Carl Zeiss Jena - genau wie der FSV Zwickau und der 1. FC Magdeburg - eine Stelle aus.

Zu den Aufgaben des gesuchten Arztes gehört laut Ausschreibung der Jenaer: "Entnahme der Testproben aller Personen der Testgruppe des Vereines." Noch, so Geschäftsführer Förster am Samstagmorgen zur Sportschau, sei niemand eingestellt worden. Die Zeit drängt, laut angepasstem Rahmenterminkalender soll die erste Testreihe am Sonntag beginnen.

Stand: 09.05.2020, 11:16

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