Kassel, Meppen und Pirmasens - beinahe in der Bundesliga

2. Fußball-Bundesliga

Kassel, Meppen und Pirmasens - beinahe in der Bundesliga

Von Christian Steigels

Aufstand der Außenseiter: In der 2. Bundesliga kämpfen Holstein Kiel, Jahn Regensburg und der SV Sandhausen um den Aufstieg. Auch andere Teams klopften in der Vergangenheit an die Tür zur Beletage - und schafften es doch nie.

FK Pirmasens, Bayern Hof und FC Schweinfurt (1974/1975): In der ersten Zweitligasaison der Geschichte gibt es vor dem letzten Spieltag ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem FK Pirmasens, Bayern Hof und dem FC Schweinfurt um Patz zwei in der Gruppe Süd. Die Pirmasenser setzen sich mit einem Sieg gegen Borussia Neunkirchen durch und dürfen in die Relegation gegen Bayer Uerdingen. Nach einem 4:4 im Hinspiel kassiert der von den Fans liebevoll "die Klub" genannte FK eine 0:6-Pleite in Krefeld. Drei Jahre später steigt Pirmasens mit einem Negativrekord von 6:70 Punkten ab. Es war die letzte Saison im Profifußball. Auch Hof und Schweinfurt sollten nie wieder in die Nähe der Bundesliga kommen.

SpVgg Bayreuth (1978/79): In den 70er Jahren sind die Bayreuther Dauergast im Unterhaus – und wären 1979 um ein Haar in die Bundesliga aufgestiegen. In der Gruppe Süd liefern sie sich über die gesamte Saison ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit 1860 München, am Ende fehlt ein Zähler. Als Zweiter der Gruppe Süd spielten sie gegen den Zweiten der Nordgruppe aus Uerdingen Relegationsspiele um den dritten Aufstiegsplatz. Nach dem 1:1 im Hinspiel kassieren die Bayreuther im Rückspiel in der 85. Minute das 1:2 in Krefeld.

Union Solingen (1983/1984): Fünf Spieltage vor Schluss sind die Solinger nur drei Zähler von Rang drei entfernt. Doch nur zwei Siege aus den verbleibenden Spielen lassen die Saison auf Rang fünf enden. Es soll die erfolgreichste Solinger Spielzeit aller Zeiten bleiben. 1989 folgt der Abstieg aus der 2. Liga, 1990 wird der Verein aufgelöst. Im Sommer 2018 wird das altehrwürdige Stadion am Hermann-Löns-Weg abgerissen.

Hessen Kassel (1984/1985): Als "eines der tragischsten Kapitel in der Geschichte der 2. Bundesliga" bezeichnete der Fußballautor Hardy Grüne das Schicksal von Hessen Kassel Anfang der 80er. Vier Jahre in Serie scheitert der Klub aus Nordhessen denkbar knapp am Aufstieg. Besonders tragisch ist es 1984/1985. Zwei Spieltage vor Schluss braucht Tabellenführer Kassel noch zwei Punkte zum Aufstieg. Gegen Konkurrent Hannover gibt es nur ein 2:2 – und in Nürnberg setzt es ein 0:2. Nürnberg und Hannover steigen auf, Saarbrücken zieht ebenfalls vorbei und Kassel landet mal wieder auf Rang vier. Zwei Jahre später steigt Kassel ab – und schafft es nie wieder in die 2. Liga.

VfB Oldenburg (1991/1992): In der ersten Saison mit Beteiligung von Teams aus der ehemaligen DDR ist es kompliziert: In zwei Gruppen wird zunächst eine Gesamtrunde, danach je eine Auf- und Abstiegsrunde gespielt. Am Ende fehlt dem VfB Oldenburg ein Zähler auf Aufsteiger Bayer Uerdingen. Kleiner Trost: Immerhin stellt man mit Radek Drulak den Torschützenkönig (21 Tore).

SV Meppen (1994/1995): In der letzten Saison vor Einführung der Drei-Punkte-Regel steht der Klub aus dem Emsland vor dem letzten Spieltag nur zwei Zähler hinter Rang drei. Die Meppener erfüllen ihr Soll und siegen in Wattenscheid – aber da auch die Konkurrenz aus Düsseldorf und Wolfsburg gewinnt, wird es nichts mit Meppen in der Bundesliga.

FSV Zwickau (1995/1996): Vier Jahre verbrachte der FSV Zwickau im Unterhaus – und hätte 1995/1996 beinahe den Sprung geschafft: Fünf Spieltage vor dem Ende liegt der Klub, der früher zunächst Horch Zwickau, dann Motor und schließlich Sachsenring Zwickau hieß, auf Rang drei – doch nur ein Punkt aus den letzten fünf Partien lässt die Saison auf Rang fünf enden.

FC Gütersloh (1997/1998): Nach einem 4:2-Auftaktsieg über den 1. FC Nürnberg ist der FC Gütersloh erster Tabellenführer der Saison. An zwölf Spieltagen der Saison steht das Team von Coach Hannes Linßen auf einem Aufstiegsplatz zur Bundesliga. Auf der Zielgeraden rutschen sie auf Rang fünf ab: Die letzten vier Spiele gehen jeweils unentschieden aus, der SC Freiburg kann dagegen seine vier letzten Partien gewinnen und an den Güterslohern vorbeiziehen. Zwei Jahre später ist Schluss mit Profifußball: Am 14. Februar 2000 musste der hochverschuldete Verein aufgelöst werden.

LR Ahlen (2000/2001): Peter Neururer ist mit dem VfL Bochum und dem 1. FC Saarbrücken in den Bundesliga aufgestiegen. Um ein Haar hätte er es auch mit dem LR Ahlen geschafft. Um den dritten Aufstiegsplatz kämpften an diesem letzten Spieltag vier Mannschaften: der FC St. Pauli, Waldhof Mannheim, Greuther Fürth und LR Ahlen. St. Pauli siegte beim bereits feststehenden Aufsteiger aus Nürnberg, Ahlen verlor daheim gegen Aachen. Heute spielt der Klub unter dem Namen Rot Weiss Ahlen in der Regionalliga.

Erzgebirge Aue (2010/2011): "Wir kommen aus der Tiefe, wir kommen aus dem Schacht - Wismut Aue, die neue Fußballmacht!" Die Tabelle nach der Hinrunde 2010/2011 bot ein überraschendes Bild - Aufsteiger Erzgebirge Aue grüßte nach dem gewonnen Nachholspiel gegen den FSV Frankfurt von ganz oben. In der Rückrunde kann die Mannschaft die Leistung nicht bestätigen. Vier Spieltage vor Saisonende ist die Mannschaft von Coach Rico Schmitt noch auf Schlagdistanz - nach drei sieglosen Spielen ist der Traum ausgeträumt.

FSV Frankfurt (2012/2013): Auch der Klub aus dem Frankfurter Stadtteil Bornheim darf eine Saison lang vom Aufstieg in die Beletage träumen: 2012/2013 liegt der FSV drei Spieltage vor Schluss nur zwei Zähler hinter Rang drei und hat im direkten Duell mit Kaiserslautern die Chance, vorbeizuziehen. Doch der Druck ist zu groß – der FCK fegte den Stadtteilklub vom Platz, es ist das Ende aller zarten Aufstiegsträume.

Union Berlin (2016/2017): Die Hauptstädter spielen seit 2009 ohne Unterbrechung in der 2. Liga, schafften fast immer eine einstellige Platzierung. 2016/2017 standen sie fünf Spieltage vor Schluss noch auf einem Aufstiegsplatz - doch dann geht den "Eisernen" die Puste aus. Am Ende werden sie undankbarer Vierter. Immerhin haben die Berliner etwas in ihrem Briefkopf, dass kein Klub ohne Erstligaerfahrung hat: 2001 verloren sie das Pokalfinale gegen Schalke 04, durften aber im UEFA-Pokal antreten, da Schalke in der Champions League spielte.

Von Kiel nach Regensburg - Der Traum von der Bundesliga

Stand: 29.03.2018, 08:00

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