Trainerwechsel - Was Hütter für Zakaria, Ginter und Co. bedeutet

Denis Zakaria bejubelt sein Führungstor

Mögliche Kehrtwende in den Vertragsgesprächen

Trainerwechsel - Was Hütter für Zakaria, Ginter und Co. bedeutet

Von Christian Hornung

Als Marco Rose am Rosenmontag in der Gladbacher Kabine den Abschied nach Dortmund erklärte, gab es auch einige schwer enttäuschte Spieler. Die Verpflichtung von Adi Hütter bringt jetzt aber ganz neue Perspektiven.

Als er die wichtigste Baustelle für die neue Saison endlich geschlossen hatte, war Max Eberl die Erleichterung anzumerken. Große "Freude" ließ er seine Medienabteilung über die Unterschrift des Mannes ausrichten, der gerade dabei ist, Eintracht Frankfurt in die Champions League zu führen und die nächsten drei Punkte auf dem Weg dorthin ausgerechnet am Samstag (17.04.2021, Live-Ticker bei sportschau.de und Ausschnitte in der Sportschau) in Mönchengladbach holen kann. Eberl ist sicher: "Adi Hütter ist der beste Trainer für unseren Verein und unsere Mannschaft."

Was Eberl bei seinen Statements impliziert: Er hält diese Verpflichtung auch für ein gewichtiges Argument in den zahlreichen Gesprächen, die er gerade mit einer Reihe von Hochkarätern in seinem Kader über die Zukunft in Mönchengladbach führt.

Ginter und Zakaria haben noch nicht verlängert

Den einzigen Vertragspoker, den der Sportdirektor bisher abgesehen von Ersatzkeeper Tobias Sippel zu einem positiven Abschluss gebracht hat, ist der mit dem Schweizer Abwehrspieler Nico Elvedi, der im März bis 2024 verlängert hat. Elvedis Vertrag lief vorher ebenso aus wie der seines Nebenmannes Matthias Ginter und seines Nationalelfkollegen Denis Zakaria 2022. Und Eberl hatte bereits klargestellt, dass es sich der Verein auf keinen Fall leisten würde, solche Arbeitspapiere einfach auslaufen und die Spieler dann am Ende der Laufzeit ablösefrei gehen zu lassen. Bei Ginter und Zakaria bedeutet das: Sie verlängern in den kommenden Wochen. Oder sie werden verkauft.

Vor allem Ginter will Eberl aber unbedingt halten. Und bei ihm verspricht er sich nach der Besetzung des Trainerpostens für die nächsten drei Jahre - nach Informationen der Sportschau diesmal ohne Ausstiegsklausel - ein Umdenken in den seit längerem stockenden Verhandlungen.

"Enorm wichtig für mich zu wissen"

Ginter, dem Roses Abschied sehr zugesetzt hatte, stellt im Gespräch mit der Sportschau klar, dass die Trainerpersonalie in der Tat von großer Bedeutung für ihn ist: "Es gibt viele Kriterien, über die ich gerade nachdenke, natürlich ist der Trainerposten nicht das einzige. Aber zu wissen, was er vorhat, welche Vision er verfolgt mit Mannschaft und Verein, wie das Team in Zukunft aussehen soll - das alles ist natürlich enorm wichtig für mich zu wissen."

Auch bei Zakaria, dessen Abgang zum Saisonende bisher am wahrscheinlichsten schien, löst der Wechsel von Rose zu Hütter etwas aus. Der international sehr begehrte Mittelfeldspieler musste unter dem scheidenden Trainer immer wieder als Mittelmann in einer Dreierabwehr aushelfen. Das gefällt ihm überhaupt nicht, weil er sicher ist, der Mannschaft im Offensivbereich deutlich mehr helfen zu können - öffentlich moniert hat er das als folgsamer Profi aber nie.

Zakaria trifft seinen frühen Förderer wieder

Adi  Hütter

Adi Hütter

Bei Hütter hingegen weiß Zakaria, dass der seine Stärken optimal einschätzen kann. Denn er hat sie selbst entwickelt, zwischen 2015 und 2017 bei den Young Boys Bern, als er den damaligen Teenager schon mit großer Verantwortung im zentralen Mittelfeld betraute. Als Mönchengladbach dann vor zwei Jahren Rose aus Salzburg holte, schwärmte Zakaria: “Ich habe einige Spiele von RB in der Europa League gesehen: viel Power, viel Tempo und hohes Pressing. Das erinnert mich an meine Zeit in Bern unter Adi Hütter. Das ist genau mein Spiel, das liebe ich." Und es spricht plötzlich eher für "verlängern" als für "verkaufen".

Für weitere Gladbacher mit hohen Markwerten bringt der Wechsel ihres Vorgesetzten ebenfalls neue Perspektiven. Bei Marcus Thuram und Florian Neuhaus stand bislang im Raum, dass sie bei entsprechender Angebotslage durchaus am Saisonende von ihren Ausstiegsklauseln Gebrauch machen könnten. Auch Alassane Plea und Jonas Hofmann wurden bereits mit anderen Vereinen in Verbindung gebracht.

"Brutal wichtig für meinen Spieler"

Sportschau sprach mit einem renommierten Berater, der sich in der Öffentlichkeit aber lieber im Hintergrund halten möchte, darüber, was Hütter statt Rose für seinen Schützling bedeutet. Seine Stellungnahme klingt ähnlich wie die Einschätzung von Matthias Ginter: "Brutal wichtig" sei die neue Personalie im Borussia Park, "das hat einen Rieseneinfluss auf unsere Zukunftsentscheidungen. Natürlich schaut mein Spieler da ganz genau hin. Vieles lässt sich dann natürlich erst im persönlichen Gespräch klären, welche Philosophie hat er genau, was plant er? Aber bei Adi Hütter weiß man ja, dass er gerne nach vorne spielen lässt und auch unter Druck immer souverän und authentisch bleibt und seinen Weg konsequent geht."

Dieser Weg war zuletzt in Frankfurt allerdings nicht unbedingt durch die Förderung junger Spieler geprägt. Und so dürften sich diese in Mönchengladbach nun auch ihre Gedanken machen. Bei der Eintracht tat sich Hütter schwer mit einem manchmal etwas schlampigen Genie wie Eigengewächs Aymen Barkok (22) und stimmte auch dessen zwischenzeitlicher Ausleihe nach Düsseldorf zu.

Für Talente wie Beyer und Reitz wird es nicht leichter

Louis Jordan Beyer

Für Jordan Beyer wird es unter Adi Hütter nicht leichter.

In Gladbach hatten es die Eigenwächse unter Rose auch äußerst schwer. Verteidiger-Talent Jordan Beyer (20) war manchmal der Verzweiflung nahe, weil ihn sein Trainer zwar immer wieder für Trainingsfleiß lobte, ihn aber monatelang zwischen Tribüne und Bank pendeln ließ. Auch Youngster Rocco Reitz (18) spielte sich in der Sommer-Vorbereitung vehement in den Vordergrund, bekam von Rose ganz viel Zuspruch, aber ganz wenig Einsatzzeit: Ein einziges Bundesligaspiel steht bei ihm bislang zu Buche.

Das ist offenbar kein Zufall: Gemeinsam mit Union Berlin gehörte die Gladbacher Mannschaft unter Rose immer wieder zu den ältesten der jeweiligen Spieltage, der Durchschnitt lag bei rund 27,5 Jahren. Die Nummer eins in diesem Ranking war aber regelmäßig die Frankfurter Eintracht unter Adi Hütter, die als einziges Team mehrfach die Durchschnittsgrenze von 28 Jahren durchbrach. Leichter wird es für die Gladbacher "Fohlen" deshalb jetzt auf keinen Fall.

Stand: 14.04.2021, 08:00

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