Schalker Ringen um Millionen-Bürgschaft vom Land NRW

Schalke Arena

Schalker Ringen um Millionen-Bürgschaft vom Land NRW

Von Jens Mickler

  • Schalke 04 hofft auf Millionen-Euro-Bürgschaft vom Land NRW
  • Ministerpräsident Laschet wollte Landeshilfe nicht bestätigen
  • CDU-Spenden von Aufsichtsrat Tönnies werfen Fragen auf

Jahrelange Misswirtschaft, angehäufte Verbindlichkeiten in Höhe von nahezu 200 Millionen Euro und stets "auf Kante" genähte Personaletats - der Traditionsverein Schalke 04 befindet sich offenbar in schwerer Finanznot. Die durch die Coronakrise verursachten Einnahmenverluste bereiten dem Klub nun zusätzliche wirtschaftliche Probleme. Die sind scheinbar so groß, dass der Verein nun das Land NRW um Hilfe gebeten haben soll, wie das Handelsblatt in seiner Dienstag-Ausgabe berichtet.

Laschet: "Keine Lex Schalke"

Laut dem Medienbericht geht es um eine Bürgschaft in Höhe von 40 Millionen Euro, mit der ein Bankenkredit abgesichert werden soll, der den wirtschaftlichen Betrieb des Fußball-Klubs aufrecht erhalten könnte. Laut Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat die NRW-Landesregierung keine Entscheidung über eine Bürgschaft für die Königsblauen getroffen.  "Es gibt keine Entscheidung in irgendeiner Bürgschaftsfrage", ohnehin sei das Problem: "Ich dürfte noch nicht mal bestätigen, dass ein Antrag existiert", sagte Laschet am Dienstag (30.06.2020) in Düsseldorf.

Schalke 04 soll Bürgschaft vom Land NRW erhalten

Sportschau 30.06.2020 00:38 Min. Verfügbar bis 30.06.2021 ARD Von Christian Michel

Generell habe es seit 1995 allerdings unter jeder Landesregierung Bürgschaften für Fußball- und Sportvereine gegeben. Allerdings seien solche Anträge grundsätzlich strikt vertraulich zu behandeln und zu prüfen. Öffentliche Spekulationen verböten sich. "Es wird mit Sicherheit keine Lex Schalke geben", sagte Laschet laut dpa.

Die NRW-Landesvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen äußerte sich gegenüber dem WDR zu einer möglichen Landesbürgschaft für den FC Schalke 04. Sie hält eine Bürgschaft finanziert auf Steuergeldern in der aktuellen Situation für "schwer vermittelbar."

Mona Neubauer: "Bürgschaft schwer vermittelbar" Sportschau 30.06.2020 00:13 Min. Verfügbar bis 30.06.2021 Das Erste

Letzte Landeshilfe im Sommer 2019

Die aktuelle Bürgschaft wäre nicht die erste Landeshilfe für Schalke. Die letzte finanzielle Unterstützung gab es im Sommer 2019. Hier ging es um einen Kredit von 56 Millionen Euro, den die Schalker Stadion-GmbH aufnehmen wollte. Der WDR berichtete. Der Kredit war zweckgebunden für Umbauten rund um die Schalker Arena. Zuvor sicherte das Land NRW den Bau des Stadions bis 2011 mit hohen Bürgschaften ab, 2015 kam eine weitere hohe Bürgschaft in Höhe von 47 Millionen.

Seit vielen Jahren schiebt der Klub einen Berg an Verbindlichkeiten vor sich her. Ende 2019 waren es 198 Millionen Euro, zwischen 20 und 30 Millionen Euro muss Schalke laut einem Bericht des Spiegel jährlich für Zins und Tilgung aufbringen. Im Gegensatz zu früheren Schalke-Bürgschaften aber beispielsweise für den Arena-Bau geht es diesmal um das Fortbestehen eines Traditionsvereins. Sollte Schalke tatsächlich pleite gehen, müsste das Land NRW ein höheres Risiko tragen.

Nachweis der Corona-Verluste nötig

Knackpunkt ist aus Sicht der Schalker, ob sie gegenüber dem Land als Bürgen tatsächlich nachweisen können, dass der Verein durch jüngste Verluste in seiner Existenz bedroht ist. Jedes Heimspiel ohne Zuschauer kostet Schalke etwa zwei Millionen Euro, hinzu kommen Mindereinnahmen in den Bereichen Werbung/Marketing. Und auf dem eingebrochenen Transfermarkt werden kaum hohe Summen zu generieren sein.

Demgegenüber steht das jahrelange Missmanagement mit hohen Spieleretats, die zumeist auf das Erreichen der Champions League ausgerichtet waren. Die hohen Verlustgeschäfte sind auch deshalb entstanden, weil die hohen sportlichen Ziele verbunden mit Mehreinnahmen - wie in dieser Saison - oftmals nicht erreicht worden sind.

Tönnies spendete 160.000 Euro an die CDU

Ein zusätzliches "Geschmäckle" bekommt der Fall Schalke durch den zurückgetretenen Aufsichtsratschef Clemens Tönnies. Dessen Fleischkonzern rückt mit Spenden an die CDU in den Fokus. In der vom Verein Lobbycontrol unterhaltenen Datenbank Lobbypedia lassen sich für die Jahre 2002 bis 2017 insgesamt neun Einzelspenden der B. & C. Tönnies GmbH & Co. KG, der Tönnies Holding GmbH & Co KG und von Clemens Tönnies als Privatperson an die CDU finden, heißt es in einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Insgesamt sollen in den vergangenen 18 Jahren 158.474 Euro von Tönnies an die CDU geflossen sein. Spenden an andere politische Parteien finden sich in der Datenbank nicht. Der nordrhein-westfälische CDU-Landesverband teilte auf Anfrage der Neuen Westfälischen in Bielefeld mit, dass seit Übernahme des NRW-Landesvorsitzes durch Armin Laschet im Juni 2012 “keine Spenden an den CDU-Landesverband Nordrhein-Westfalen durch die Firma Tönnies eingegangen” seien.

Für Mittwoch (01.072020) haben die Schalker zu einer Pressekonferenz geladen. Dann soll es neue Erkenntnisse zur aktuellen Finanzsituation des Klubs geben.

Stand: 30.06.2020, 13:59

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