Jetzt als Leverkusens Trainer Der alte Taktgeber Alonso trifft auf die Bayern

Stand: 19.03.2023 09:48 Uhr

Wenn Bayer Leverkusen in der Bundesliga den FC Bayern München empfängt, dann geht es für Trainer Xabi Alonso nicht nur um drei Punkte. Für den Basken sind da auch sehr viele Emotionen und schöne Erinnerungen mit im Spiel (heute ab 17.20 Uhr live in der Radio-Reportage bei sportschau.de). Erstmals in seiner Trainer-Karriere trifft er auf seinen alten Klub.

Und sogar noch auf viele alte Bekannte. Mit Thomas Müller, Joshua Kimmich, Kingsley Coman, Manuel Neuer und Sven Ulreich hat Alonso noch zusammengespielt. Mit ihnen hat er gerackert, gekämpft und große Erfolge gefeiert. Da ist die ein oder andere Umarmung beim Wiedersehen programmiert.

Alonso und Bayern: "Super Erfahrungen und schöne Erinnerungen"

Und auch die Bayern-Chefetage kommt bestimmt zum Handschlag vorbei. "Ich habe wenige Spieler erlebt, die so sympathisch und intelligent waren wie Xabi", sagte der ehemalige Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge der "Sport Bild". Rummenigge hat auch schon erklärt, er könne sich Alonso irgendwann als Bayern-Cheftrainer vorstellen.

Auf das Treffen mit den Münchnern freut sich der Spanier. "Bis zum Spiel liegt mein Fokus nur darauf, der Mannschaft zu helfen. Da gibt es keinen Raum für Emotionen. Da müssen wir Profi sein", sagte er: "Aber nach dem Spiel werde ich Zeit haben, meine Freunde zu grüßen. Ich hatte super Erfahrungen dort und habe schöne Erinnerungen an meine drei Jahre. Das erste Mal gegen sie zu spielen als Trainer, wird schön sein. Hoffentlich dann mit einem Lächeln nach dem Spiel."

Nur sechs von 79 Bundesliga-Spielen verloren

Von 2014 bis 2017 spielte der heute 41-Jährige bei den Münchnern. Er wurde dreimal deutscher Meister und einmal DFB-Pokal-Sieger. Als er zu den Bayern kam, hatte der Mann aus Tolosa mit Real Madrid und dem FC Liverpool schon zweimal die Champions League gewonnen. 2008 und 2012 war der 114-fache Nationalspieler mit Spanien Europameister und 2010 Weltmeister geworden.

Für die Bayern war er im defensiven Mittelfeld damals so etwas wie ein Lottogewinn. Er war Taktgeber und Dirigent, der Chef auf dem Platz, den jüngeren Spielern ein Vorbild. Seine Bilanz war unglaublich: Von seinen 79 Bundesliga-Spielen verlor der Weltklasse-Sechser nur  sechs. Einziger Wermutstropfen: Zum erneuten Champions-League-Sieg mit den Bayern reichte es nicht.

Bei den Bayern: "Das letzte Highlight meiner Karriere"

Dass er seine aktive Karriere bei den Bayern beendete, darauf können die sich durchaus was einbilden. "Bayern war das letzte Highlight meiner Karriere. Die Möglichkeit, mit damals 32 zu einem anderen Großen des Weltfußballs zu wechseln, Bayern, mit all seiner Bedeutung und Macht, die dieser Klub in Deutschland hat, und der Kraft, dies überall zu beweisen, wo er auch spielt. Also ich bin sehr froh, dass ich das erleben durfte", sagte er in einem Rückblick mal der spanischen Sportzeitung "Marca". 

Dass er jetzt in Leverkusen Trainer ist, hat er auch den Bayern zu verdanken. Die haben ihm nämlich ein wenig den Weg geebnet. Das Hinspiel gegen Leverkusen gewannen sie mit 4:0. Es war das letzte Bundesliga-Spiel unter Gerardo Seoane, der nach dem 0:2 wenige Tage später in der Champions League beim FC Porto durch Alonso ersetzt wurde. Das war Anfang Oktober.

Zuvor war er Jugendtrainer bei Real Madrid und Trainer der zweiten Mannschaft bei Real Sociedad San Sebastian, seinem ersten Profiklub als Spieler. Er war auch mal bei Borussia Mönchengladbach im Gespräch, als der Klub 2021 einen Nachfolger für Marco Rose suchte.

Leverkusen unter Alonso effizienter

Alonso übernahm die "Werkself" auf Platz 17, jetzt ist das Team Neunter. Es ging unter ihm also zwar nicht steil, aber stetig nach oben. 29 Punkte aus 16 Spielen hat er geholt und ist ins Viertelfinale der Europa League eingezogen.

Der einstige Sechser hat die Defensive stabilisiert und vor allem in der Offensive für mehr Durchschlagskraft gesorgt. Unter ihm ist Leverkusen effizienter geworden. Davon profitiert zum Beispiel  Top-Torschütze Moussa Diaby. Der 23-jährige Franzose erzielte alle seine acht Saisontore seit dem Trainerwechsel. An den ersten acht Spieltagen unter Gerardo Seoane traf er gar nicht.

Leverkusens Trainer Xabi Alonso gestikuliert an der Seitenlinie

"Müsste mit dem Teufel zugehen, wenn er keinen Erfolg hat"

Karl-Heinz Rummenigge, Alonsos Weggefährte bei den Bayern, ist sich sicher, dass der Baske seinen Weg machen wird. "Wenn Bayer Leverkusen ihm die Zeit gibt, werden sie davon profitieren. Er muss die Mannschaft stabil bekommen, das sieht langsam gut aus. Ich wünsche ihm, dass das gelingt und dass er weiterkommt", sagte er der "Sport Bild".

"Wenn einer solche Trainer hatte wie Xabi in Liverpool, bei Real, bei Bayern München, in der Nationalmannschaft und überall unglaubliche Erfolge hatte, und dazu ein guter Typ ist, dazu so diszipliniert und empathisch ist, müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn er keinen Erfolg als Trainer hat." Ob das dann auch am Sonntag gegen die Bayern der Fall ist, wird sich zeigen.