Fortuna Düsseldorf - überzeugt ins Ungewisse

Uwe Rösler, der Trainer von Fortuna Düsseldorf

Bundesliga, 29. Spieltag

Fortuna Düsseldorf - überzeugt ins Ungewisse

Von Tim Beyer

Endlich hat Fortuna Düsseldorf mal wieder gewonnen, doch nun warten die Bayern. Überhaupt sind es aufregende Tage für alle Düsseldorfer: Abstiegskampf, Abschied von Lutz Pfannenstiel und die ungewisse Zukunft von Kevin Stöger.

An einem anderen Ort und in einer anderen Zeit hätte die Begegnung zwischen Uwe Rösler und Lutz Pfannenstiel einfach ausgesehen wie die zweier guter Freunde, die sich länger nicht gesehen haben. Fortuna Düsseldorf hatte gerade 2:1 gegen Schalke 04 gewonnen, da streckte der Trainer Rösler eine Hand nach dem Sportvorstand Pfannenstiel aus, die andere legte er ihm beinahe zärtlich um den Hals. Im Hygienekonzept der Liga sind solche Zärtlichkeiten eher nicht vorgesehen, das wissen sie auch in Düsseldorf.

"Wir sind nicht immer vorbildlich", sagte Rösler später und sah dabei aus wie ein kleiner Junge, der im Hinterhof mit dem Fußball versehentlich die Scheibe des Nachbarn zertrümmert hat. "Wir versuchen es aber." Wenn die Düsseldorfer am Samstag (30.05.2020) beim FC Bayern antreten, werden sie vermutlich sehr darauf bedacht sein, in Zeiten von Covid-19 nicht noch einmal negativ aufzufallen. Es würde auch nicht passen zu jener netten Geschichte, die sie in Düsseldorf zuletzt geschrieben haben.

Seitdem der Trainer Rösler Ende Januar seinen Dienst aufgenommen hat, hat die Fortuna nämlich eine Entwicklung genommen, die für eine Mannschaft im Abstiegskampf eher untypisch ist. Von neun Ligaspielen hat der Klub nur eines verloren - das klingt gut, schließlich hängen sie in Düsseldorf seit Beginn der Spielzeit im Tabellenkeller fest. Der Sieg gegen Schalke war allerdings auch erst der zweite unter Rösler, die restlichen sechs Begegnungen endeten remis.

"Können es den Bayern schwer machen"

Und dann ist da noch die Sache mit den Unkonzentriertheiten. Zu oft haben sie in Düsseldorf in den vergangenen Monaten eine Führung noch verspielt, zuletzt war ihnen das im Derby gegen den 1. FC Köln passiert. Nach einer Stunde hatte die Fortuna 2:0 vorne gelegen, doch zwei Gegentore in den letzten drei Minuten sorgten für lange Gesichter bei allen, die es mit den Düsseldorfern hielten. "Es kann so nicht weitergehen, dass wir uns für gute Spiele nicht belohnen", sagte der Trainer Rösler.

Dann kam Schalke und zunächst der Rückstand durch Weston McKennie, ehe Rouwen Hennings und Kenan Karaman für den ersten Pflichtspielsieg nach drei Monaten sorgten. Düsseldorf steht weiter auf Relegationsrang 16, doch der Rückstand auf Mainz beträgt nur noch einen Punkt, und selbst Augsburg und Union sind nur noch vier Zähler entfernt. "Mit unserem Willen und Moral können wir es auch den Bayern schwer machen", sagte Rösler.

Natürlich ist das eine große Herausforderung, doch anschließend heißen die nächsten Gegner eben 1899 Hoffenheim (H), Borussia Dortmund (H) und RB Leipzig (A). Es sind nicht unbedingt Spiele, in denen Düsseldorf Punkte einplanen kann, dabei benötigen sie die dringend. Also ist Rösler in sich gegangen und hat dann verkündet, da könne man sich auch gleich gegen die Bayern einiges vornehmen. Es darf dabei, das ist neben der spielerischen Weiterentwicklung etwas, das kennzeichnend ist für diese Düsseldorfer, auch gerne etwas rustikaler zugehen. "Wir werden einen Schlachtplan entwickeln, der uns hilft, eine Überraschung zu schaffen."

Dirigent Stöger und die Sache mit dem Vertrag

Man denkt dabei sofort an Adam Bodzek, Marcel Sobottka oder Alfredo Morales - an Spieler, von denen gegen die Bayern eher keine Außenristpässe oder Spielverlagerungen quer über das halbe Feld zu erwarten sind. Für solche Sachen haben sie in Düsseldorf ohnehin Kevin Stöger, 26, und so etwas wie der Quarterback unter Düsseldorfs Fußballern. Seitdem er seinen Kreuzbandriss auskuriert und Mitte Januar sein Saisondebüt gefeiert hat, ist das Spiel der Fortuna ein anderes. Stöger finde immer eine Lösung, sagt der Trainer Rösler. "Er kann ein Spiel dirigieren."

Vermutlich wird Rösler gerade gegen die Bayern nicht auf seinen besten Fußballer verzichten mögen. Tatsächlich stellen sich aber gerade viele in Düsseldorf ohnehin eher die Frage, wie lange sie Stöger noch beim Seitenverlagern und Dirigieren zuschauen dürfen? Am Ende der Saison läuft der Vertrag des Österreichers aus, es war zuletzt viel über mögliche neue Arbeitgeber zu lesen: Schalke, Frankfurt oder doch die Roma?

"Er gehört zu den Eckpfeilern unserer Mannschaft und unser System ist sehr auf ihn zugeschnitten. Deshalb hoffe ich, dass er bei uns unterschreibt", hat Rösler kürzlich dem "Express" gesagt. Auch mit Stöger hat die Zeitung gesprochen. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass ich bleibe", sagte Stöger. Doch dafür müsse zunächst der Klassenerhalt her. Und dann müsste die Fortuna in den Vertragsverhandlungen an die Grenzen des finanziell Machbaren gehen und womöglich auch darüber hinaus, um Stöger zu halten.

Nicht nur Rösler wird Pfannenstiel vermissen

Und damit ist man wieder bei dem Trainer Rösler und dem Sportvorstand Pfannenstiel, die sich offenbar so gut verstehen, dass sie sich nicht einmal vom Hygienkonzept der DFL von herzlichen Umarmungen abhalten ließen. Er sei schon ein bisschen traurig, sagte Rösler und meinte damit, dass das Spiel gegen die Bayern auch ein Abschied wird: Pfannenstiel wird den Verein Ende des Monats verlassen.

Fortan wird Uwe Klein, aktuell Kaderplaner, die Arbeit von Pfannenstiel fortführen, und er wird sich eher nicht über zu wenig Arbeit beklagen. Schließlich läuft nicht nur der Vertrag von Stöger aus, sondern auch noch die Papiere von 16 anderen Spielern. Einige haben zuletzt kaum eine Rolle gespielt, etwa Diego Contento, der mit den Bayern mal ein Champions-League-Finale gespielt hat, von diesem Niveau aber heute ein gutes Stück entfernt ist. Andere, wie den aus Stuttgart ausgeliehenen Erik Thommy, werden sie unbedingt halten wollen.

Er hoffe, sagte Rösler, die Zusammenarbeit mit Klein werde "genauso gut wie die mit Lutz Pfannenstiel." Er wird mit dieser Hoffnung nicht allein sein in Düsseldorf.

Rösler: "Wir wollen punkten" Sportschau 28.05.2020 00:46 Min. Verfügbar bis 28.05.2021 Das Erste

Stand: 29.05.2020, 06:00

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