Auslaufende Spielerverträge: FIFA-Vorschlag wirft Fragen auf Mittagsmagazin 08.04.2020 02:30 Min. Verfügbar bis 08.04.2021 Das Erste

"Empfehlungen" an den Weltfußball

Coronavirus - FIFA machtlos bei vielen Konflikten

Chaled Nahar

Die FIFA hat bei Streitigkeiten über Spielerverträge, Zahlungen oder das Transferfenster Empfehlungen als Hilfestellung bekannt gegeben. Doch den entscheidenden Zugriff hat der Weltverband nicht immer, die Ligen werden mit vielen Konflikten alleine klarkommen müssen.

Die FIFA will ihren Mitgliedern in drei Themenbereichen helfen:

  1. auslaufende und neu beginnende Verträge
  2. nicht erfüllbare Verträge ("Gehaltsverzicht")
  3. Gestaltung des Transferfensters im Sommer

In allen drei Bereichen wird es jedoch Konflikte geben, bei denen die FIFA nicht helfen kann. Ihr Wort hat Gewicht, doch die "Empfehlungen" der FIFA bleiben in einigen Fragen eben nur "Empfehlungen".

1. Die Spielerverträge

Jeder Verband muss im Voraus Saisondaten in das Transfersystem der FIFA eintragen, die das komplette Kalenderjahr abdecken. Im Falle Deutschlands und der anderen großen Ligen Europas beginnt die Saison am 1. Juli und endet am viel diskutierten 30. Juni.

Die FIFA empfiehlt, dass auslaufende Verträge an das neue Saisonende angepasst werden sollen. Verträge, die zur neuen Saison beginnen, sollen später in Kraft treten. Die FIFA schreibt aber auch: "Arbeitsverträge unterliegen dem nationalen Recht und der vertraglichen Autonomie der Parteien." Und damit beginnen die Probleme, denn genau darauf pocht auch die Deutsche Fußballspieler-Vermittler-Vereinigung in einer Stellungnahme: "Die Laufzeit von Verträgen bestimmen die Vertragsparteien." Mögliche Folgen:

  • Ein Spieler möchte möglicherweise nicht über den 30. Juni hinaus bei einem Klub spielen.
  • Ein Verein möchte möglicherweise Spieler loswerden und stimmt der Verlängerung nicht zu.
  • Ein Leihspieler wie beispielsweise Coutinho von Bayern München braucht noch die Erlaubnis des abgebenden Klubs, hier des FC Barcelona. Und der könnte dafür Geld verlangen.
  • In einer Liga wird vielleicht schon wieder gespielt und in der anderen nicht - bei einem Transfer zwischen zwei solchen Ligen soll der abgebende Verein laut FIFA Vorrang haben. Doch wird sich der neue Klub der Empfehlung fügen? Die FIFA kann das nicht bestimmen.

Fazit: Bei den Spielerverträgen gibt es zahlreiche Probleme, die die FIFA nicht lösen kann. Der Weltverband kann nur Empfehlungen aussprechen. Klubs und Spieler werden sich einigen müssen, alle müssen flexibel sein - oder ihre Anwälte anrufen.

Spielerverträge, Transferfenster - Anwalt Lambertz zu Fragen um den Fußball Sportschau 18.03.2020 03:45 Min. Verfügbar bis 18.03.2021 Das Erste

2. "Gehaltsverzicht" bzw. Gehaltskürzungen

Das System Profifußball hatte in den vergangenen Jahren sehr viel Geld, derzeit wird ihm massiv Geld entzogen. Fernsehgelder fließen teilweise nicht, Sponsorenverträge können nicht erfüllt und Eintrittskarten nicht verkauft werden. Ablösesummen sinken, der Gegenwert der einst getätigten Investitionen der Klubs schwindet. Das bekommen auch Trainer und Spieler zu spüren, die teils sehr öffentlichkeitswirksam vom "Gehaltsverzicht" sprechen.

Die FIFA schreibt, dass sie Gehaltszahlungen genau wie den Fortbestand der Klubs sichern wolle. Das tut sie mit folgenden Empfehlungen: Die Klubs und ihre Angestellten sollen sich einigen, Alleingänge einer Seite möglichst unterbleiben. Der FC Sion in der Schweiz hatte zahlreiche Spieler entlassen, die eine Gehaltskürzung nicht hinnehmen wollten. Sollte dieses Beispiel Schule machen, wären wohl viele Gerichtsverfahren im europäischen Fußball die Folge. Außen vor sind dabei die Verbände. Oder wie der Weltverband selbst schreibt: "Die FIFA hofft, dass so für beide Seiten faire und ausgewogene Lösungen gefunden werden." Hoffnung ist allerdings keine harte Währung.

Fazit: Auch hier hat die FIFA keine Macht, sondern formuliert nur einen Aufruf: Alle müssen Abstriche machen, wenn das System Profifußball finanziell in seiner bisherigen Form weiterlaufen soll. Wenn jemand diese Abstriche nicht machen will, kann es zu Konflikten kommen.

3. Transferfenster

Die FIFA macht zu den Transferfenstern seit jeher einige Vorschriften und hat hier tatsächlich große Befugnisse. Seine Transferfenster muss der deutsche Fußball der FIFA ein Jahr im Voraus anmelden. Die lange Periode endet in Deutschland üblicherweise am 31. August um 18 Uhr.

Dass dieser Zeitraum nicht haltbar sein wird, ist längst klar - schließlich sucht man in der DFL schon nach Möglichkeiten, auch nach dem 30. Juni noch die alte Saison zu Ende zu spielen. In den Transferregularien der FIFA heißt es, dass ein Transferfenster nur verschoben werden kann, bevor es begonnen hat. Außerdem müssen für eine Verschiebung "außergewöhnliche Umstände" vorliegen. Die FIFA stellte nun fest: "Der Covid-19-Ausbruch ist klar ein außergewöhnlicher Umstand." Das deutsche Transferfenster darf also verlegt werden.

Transferfenster sorgen oft für Streit. Schon länger gibt es ergebnislose Debatten, ob man zumindest in Europa einen einheitlichen Zeitraum festlegen sollte. Die Coronavirus-Pandemie kann nun zu noch größeren Unterschieden bei den Wechselperioden führen - und damit eine Ungleichheit im Wettbewerb schaffen. Denn ein Klub in einer Liga mit aktivem Spielbetrieb und offenem Transferfenster ist dann im Vorteil. Ein Vorteil kann auch für die großen Klubs entstehen, die sich unter Ausnutzung von Notlagen in kleineren Ligen und Klubs die Dienste interessanter Spieler billiger sichern könnten.

Fazit: Die FIFA hat nur bei diesem Thema die Macht, einigermaßen durchzugreifen. Es bleiben trotzdem viele Probleme zwischen Klubs, Ligen und Spielern, die der Weltverband nicht von oben herab lösen kann.

Wer "die FIFA" in diesem Fall ist

"Die FIFA" gilt oft als Urheber für alle Entscheidungen, die in der Zentrale in Zürich getroffen werden. Die Vorschläge und Empfehlungen zur Coronavirus-Pandemie hat eine Arbeitsgruppe unter dem Vorsitz von Vittorio Montagliani aus Kanada zusammengestellt. Der Mann ist Präsident der Konföderation für Nordamerika, Mittelamerika und die Karibik (CONCACAF).

In der Arbeitsgruppe saß jedoch nicht nur die Verwaltung der FIFA: Die Beteiligung der Konföderationen wie der UEFA, den Mitgliedsverbänden wie dem DFB, der europäischen Klubvereinigung ECA, der Spielergewerkschaft FIFPRO und dem Weltverband der Profifußballligen sollte sicherstellen, dass alle Interessengruppen vertreten sind. Ob das zu mehr Einigkeit führen wird, werden die kommenden Monate zeigen müssen.

Fazit: Die FIFA wird sich bei der Koordinierung der Krise nicht zum letzten Mal zu Wort gemeldet haben.