Rassismus am FC Bayern Campus: DFB befragt Zeugen

DFB-Logo an der Zentrale des Verbandes in Frankfurt a.M.

Aufarbeitung des Campus-Skandals geht weiter

Rassismus am FC Bayern Campus: DFB befragt Zeugen

Von Matthias Wolf

Die Aufarbeitung des Rassismus-Skandal am FC Bayern Campus, dem Nachwuchsleistungszentrum des Klubs, nimmt noch einmal Fahrt auf. Der DFB-Kontrollausschuss befragt dazu jetzt zahlreiche Zeugen. Der FC Bayern sieht die Sache dagegen als erledigt und wird dafür von den Fans kritisiert.

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) befragt in der kommenden Woche zahlreiche Zeugen. Aktuelle und ehemalige Campus-Mitarbeiter, auch Jugendspieler des FC Bayern, sind in die Räume des Bayerischen Fußball-Verbandes in München geladen. Ein erster Schritt zur Aufklärung, der sich wegen Corona verzögert habe. Das Verfahren werde "noch länger andauern", heißt es beim DFB.

"Pflicht, den Fall aufzuarbeiten"

Bei dem Verfahren geht es um die Vorwürfe gegen einen langjährigen Jugendtrainer des Klubs, der sich offenbar jahrelang offen rassistisch und homophob äußern sowie Kollegen und Kinder mobben konnte - ohne Konsequenzen. Der Fall war im vergangenen August nach Recherchen des WDR-Magazins Sport inside öffentlich geworden.

FC Bayern Campus: Rassismus-Skandal, Aufarbeitung, Folgen

WDR 5 Sport inside – der Podcast: kritisch, konstruktiv, inklusiv 13.03.2021 50:40 Min. Verfügbar bis 07.03.2041 WDR 5


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Dr. Anton Nachreiner, Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses, hatte dem WDR bereits Ende des vergangenen Jahres Ermittlungen gegen den Jugendtrainer bestätigt, von dem sich der FC Bayern bereits am 13. August, zwei Tage nach der Berichterstattung von Sport inside, fristlos getrennt hatte. "Der DFB hat sich auf die Fahnen geschrieben, konsequent gegen Rassismus vorzugehen. Da ist es unsere Pflicht, diesen Fall aufzuarbeiten", betonte Nachreiner.

Der beschuldigte Trainer ist Inhaber der DFB-A-Lizenz, der zweithöchsten Trainer-Lizenzstufe in Deutschland. Darum habe er "bestimmte sportliche Verhaltensregeln an den Tag zu legen", erklärte Nachreiner. Bei Verstößen könne es in schweren Fällen sogar zum Entzug der Trainerlizenz kommen.

Rassismus-Eklat beim FC Bayern sport inside 02.09.2020 10:50 Min. UT Verfügbar bis 02.09.2021 WDR

Rolle der Campus-Leitung im Blickfeld

Nach Erkenntnissen von Sport inside geht es bei den Untersuchungen des DFB aber um mehr als nur die Rolle dieses einen Trainers. Der Aufwand, den der DFB betreibt, erscheint dafür auch groß. Mehrere Verbands-Vertreter kommen für die Befragungen extra aus Frankfurt angereist. Wohl auch, um die Rolle der Campus-Leiter Jochen Sauer und Hermann Gerland zu klären. Was wussten sie über die Vorgänge?

In einem Interview mit den Zeitungen "tz" und "Münchner Merkur" erweckte Sauer den Eindruck, der Verein sei macht- und ahnungslos gewesen, den Rassismus hatte er auf einen Teilbereich des Campus reduziert - vor allem auf eine Chatgruppe von Scouts und Trainern, in der es zum Teil offen rassistische Äußerung gab. Sauer nannte diese Gruppe "einen digital verschlossenen Raum". Keine Rede von all den mittlerweile von mehreren Trainern bestätigten Vorfällen außerhalb dieser Chatgruppe.

Während Sauer in dem Zeitung-Interview behauptet hatte, die Mobbing-Vorwürfe gegen mindestens einen Jugendtrainer hätten sich nach den hausinternen Untersuchungen "nicht bestätigt, mehr noch: sie haben sich als falsch erwiesen", sehen dies mindestens zwei Eltern ganz anders. Gegenüber Sport inside erklärten sie, wegen Mobbings ihrer Kinder bei Sauer und Gerland auch persönlich vorstellig geworden zu sein. 

Fans kritisieren Aufarbeitung durch den FC Bayern

Sport inside ist bekannt, dass mittlerweile auch kritische Fans des FC Bayern mit Betroffenen gesprochen haben. Einzelne Fans hatten es wohl auch deshalb zuletzt nicht mehr nur bei Protestplakaten belassen, sondern sprühten an Weihnachten auf die Eingangsmauer des Campus: "Rassismus. Macht. Sauer."

Die Fans kritisieren vor allem, die Aufarbeitung des Skandals seitens des Vereins. Der FC Bayern hatte die Sache nach internen Ermittlungen Mitte Oktober für beendet erklärt. Das stößt auf Unmut, so auch beim Club Nr. 12, der Vereinigung der aktiven Fans. "Wir haben nicht unbedingt den Eindruck, dass das Thema Rassismus am FC Bayern Campus ernsthaft vom Vorstand des FC Bayern angegangen wird. Und das erzeugt natürlich massive Unzufriedenheit", sagte der Sprecher der Vereinigung, Alexander Fischer.

"Wir haben erlebt, dass der FC Bayern Mitarbeiter entlassen hat, beziehungsweise sich einvernehmlich getrennt hat. Aber das man tiefgreifende Reformen macht, dass man wirklich sieht, wo das Problem ist, dass man versteht - das ist nicht unser Eindruck. Es wirkt mehr, als musste man ein paar Maßnahmen machen, um das Thema zu beerdigen, damit es ruhig ist", so Fischer. Tatsächlich hat sich der FC Bayern auch gegenüber Sport inside auf konkrete Fragen seit längerem nicht mehr geäußert.

Auch Mitarbeiter beklagen fehlende Aufarbeitung

Von Mitarbeitern am Campus wird nach wie vor beklagt, dass der Verein mit ihnen das Thema Rassismus-Vorfall am Campus nie besprochen habe. Nicht einmal unlängst, als angeordnet worden sein soll, dass Jugendteams sich vor ihren Spielen künftig in Anti-Rassismus-Shirts warm machen sollen.

"Eingebettet in eine Erklärung oder Aufarbeitung des Skandals wurde diese Anweisung aber nicht", berichtet ein Trainer: "Das bedauern wir sehr, weil der Campus gespalten ist. Es gibt zwei Gruppen. Die mit der Aufarbeitung unzufriedenen – und die, die überall Verräter sehen." Auch dazu beantwortet der Klub keine Fragen.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen weiter

Vor dem DFB-Kontrollausschuss soll es nun auch um weitere Trainer neben dem Hauptbeschuldigten gehen. Es sind Trainer, gegen die auch die Staatsanwaltschaft München I ermittelt. Auch hier wurden in diesen Tagen Campus-Trainer schriftlich aufgefordert, sich bei der Polizei zu melden – möglichst mit Beweisen. Es geht weiter um den Verdacht der Volksverhetzung gegen den mutmaßlichen Haupttäter – die Ermittlungen wurden direkt nach dem Sport-inside-Bericht vom 11. August 2020 eingeleitet.

Ermittelt wird auch wegen des Verdachts der Beleidigung gegen mindestens einen weiteren Mitarbeiter, von dem sich der FC Bayern auch getrennt hatte – nachdem bekannt wurde, dass er einen Angestellten des Vereins mit Migrationshintergrund rassistisch gemobbt haben soll. 

Stand: 12.03.2021, 20:00

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