"Köln lebt", in Augsburg "wackelt" Trainer Herrlich

Heiko Herrlich (l., FC Augsburg) und Friedhelm Funkel (1. FC Köln)

Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga

"Köln lebt", in Augsburg "wackelt" Trainer Herrlich

Der FC Augsburg hat die große Chance auf einen Big Point im Abstiegskampf durch eine unterirdische erste Hälfte verspielt. Während der Gegner aus Köln Hoffnung schöpft, droht Augsburgs Trainer Heiko Herrlich das Aus.

Friedhelm Funkel war bester Laune, aber er drückte vehement aufs Tempo. "Wir müssen um Viertel vor zwölf am Flughafen sein", sagte der Kurzzeit-Trainer des 1. FC Köln. Doch ehe er ging nach einem am Ende zittrigen 3:2 (3:0) beim taumelnden FC Augsburg, sagte er noch, er wünsche sich, "dass sich der FC Augsburg auch im nächsten Jahr mit dem 1. FC Köln in der Bundesliga wiedersieht".

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Es ist allerdings ein Wunsch, der in vielerlei Hinsicht nicht in Erfüllung gehen könnte. Funkel durfte feststellen, dass "Köln lebt", in Augsburg herrscht dagegen Grabesstimmung. Nach nur einem Punkt aus den vergangenen vier Spielen und nur noch vier Punkten Vorsprung auf den Tabellen-16. Köln muss Heiko Herrlich um seinen Job zittern.

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Manager Stefan Reuter lässt alles offen

Manager Stefan Reuter jedenfalls wollte kein klares Bekenntnis zum Trainer abgeben. "Wir nehmen uns das Wochenende, das sacken zu lassen und zu verarbeiten. Dann überlegen wir, was die richtigen Schritte für die letzten drei Spiele sind", sagte Reuter. Der 54-Jährige hatte schon gezeigt, dass seine Loyalität zu Trainern reißt, wenn Gefahr im Verzug ist, sprich der Abstieg droht. Das war so bei Herrlichs Vorgänger Martin Schmidt im März 2020. Das war so im April 2019 bei Manuel Baum. In Corona-Zeiten wäre ein erster Bundesliga-Abstieg nach exakt einem Jahrzehnt in der höchsten deutschen Spielklasse auch finanziell fatal für den FCA.

Der Auslöser für eine mittlerweile nicht mehr unwahrscheinliche Trennung dürfte die erste Halbzeit gegen Köln gewesen sein, die Herrlich und Reuter unisono als "desaströs" bezeichneten. "Ich kann gar nicht glauben", betonte der ungewohnt scharf formulierende Trainer, "dass man so in ein so wichtiges Spiel reingehen kann". Es sei "unfassbar, dass einige Spieler es noch immer nicht verstanden haben". Fragt sich: Was genau haben die Spieler nicht verstanden?

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Unterirdische erste Hälfte

In der ersten Halbzeit jedenfalls stümperte Augsburg gegen die engagierten Kölner derart erbärmlich über den Platz, dass es mit den drei Gegentreffern durch den herausragenden Ondrej Duda (8. Minute/33.) und Florian Kainz (23.) noch gut bedient war. Immerhin, die Reaktion in der zweiten Halbzeit sei nach lautstarken Beiträgen in der Kabine "gut und angemessen" gewesen, erwähnte Herrlich. Und war Augsburg nach Treffern von Robert Gumny (54.) und Ruben Vargas (62.) einem Punktgewinn nah.

Dennoch bleibt die furchterregende erste Halbzeit haften, die wie ein Offenbarungseid auch für die Arbeit des Trainers wirkte. Reuter versuchte noch ein wenig abzuwiegeln: "Wenn er", also Herrlich, "die Mannschaft nicht erreichen würde, wäre so eine zweite Halbzeit nicht möglich". Er wisse zudem, wie der Trainer versuche, die "Dinge abzustellen", die immer wieder nicht klappten. Reuter muss aber auch mitbekommen haben, dass die Mannschaft schon seit Wochen nicht nur unter spielerischer Armut leidet.

Augsburg weiter besser positioniert als Köln

Herrlich schob die Verantwortung an der zunehmend misslichen Lage auf die Spieler ab. "Wir haben sieben Spieltage vor Schluss neun Punkte Vorsprung gehabt", sagte er mit Blick auf das schon mal dickere Polster auf den Relegationsplatz. "Einige haben sich da in falscher Sicherheit gefühlt." Herrlich betonte aber auch: "Wir haben 33 Punkte, wir haben alles noch selbst in der Hand, die Klasse zu halten und werden das auch schaffen."

Tatsächlich sind die Kölner trotz des zweiten Siegs in Folge nach wie vor schlechter dran. Drei Punkte Vorsprung auf Hertha BSC und den direkten Abstiegsplatz sind wenig aussagekräftig: Die Berliner haben nach Beendigung ihrer Quarantäne noch sechs Spiele zu absolvieren. Die Kölner wie die Augsburger nur noch drei.

Restprogramm
FC Augsburg1. FC Köln
Stuttgart (A)Freiburg (H)
Bremen (H)Hertha (A)
Bayern (A)Schalke (H)

Fußball · Bundesliga · 31. Spieltag 2020/2021

Freitag, 23.04.2021 | 20.30 Uhr

Wappen FC Augsburg

FC Augsburg

Gikiewicz – Framberger (42. Gumny), Oxford, Gouweleeuw, Iago – D. Caligiuri (87. M. Richter), Strobl (42. Moravek), Gruezo, Vargas – Finnbogason (46. Jensen), Hahn

2
Wappen 1. FC Köln

1. FC Köln

T. Horn – Schmitz, Bornauw, Czichos, J. Horn (65. Katterbach) – Skhiri – M. Wolf, Duda, Hector, F. Kainz (69. Drexler) – Andersson (79. Rexhbecaj)

3

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 0:1 Duda (8.)
  • 0:2 F. Kainz (23.)
  • 0:3 Duda (33.)
  • 1:3 Gumny (54.)
  • 2:3 Vargas (62.)

Strafen:

  • gelbe Karte M. Wolf (3 )
  • gelbe Karte Gumny (4 )
  • gelbe Karte Gruezo (4 )
  • gelbe Karte Rexhbecaj (4 )
  • gelbe Karte Duda (6 )

Schiedsrichter:

  • Martin Petersen (Stuttgart)

Vorkommnisse:

  • Das Spiel fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Stand der Statistik: Freitag, 23.04.2021, 22:27 Uhr

Wappen FC Augsburg

FC Augsburg

Wappen 1. FC Köln

1. FC Köln

Tore 2 3
Schüsse aufs Tor 4 6
Ecken 6 3
Abseits 0 0
gewonnene Zweikämpfe 127 131
verlorene Zweikämpfe 131 127
gewonnene Zweikämpfe 49,22 % 50,78 %
Fouls 13 13
Ballkontakte 600 560
Ballbesitz 51,72 % 48,28 %
Laufdistanz 121,4 km 119,28 km
Sprints 242 190
Fehlpässe 62 56
Passquote 82,73 % 81,94 %
Flanken 9 14
Alter im Durchschnitt 27,5 Jahre 26,7 Jahre

red/sid/dpa | Stand: 24.04.2021, 12:01

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RangTeamSP
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2.RB Leipzig3264
3.VfL Wolfsburg3260
4.Bor. Dortmund3258
5.Eintr. Frankfurt3357
6.Bayer Leverkusen3352
 ...  
13.1. FSV Mainz 053236
14.Hertha BSC3335
15.Arm. Bielefeld3332
16.Werder Bremen3331
17.1. FC Köln3330
18.FC Schalke 043316
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