Vereine appellieren an eigene Fans: Bitte nicht zum Stadion kommen!

Zwei Fans protestieren vor dem Stadion gegen Geisterspiele.

Bundesliga

Vereine appellieren an eigene Fans: Bitte nicht zum Stadion kommen!

Nachdem beim Rheinderby trotz des Zuschauerausschlusses einige hundert Gladbacher Fans zum Stadion gekommen waren, haben Werder Bremen und Borussia Dortmund sich an die eigenen Fans gewandt: Sie sollen bei den kommenden Heimspielen nicht zum Stadion kommen. Auch Hoffenheim und Hertha BSC Berlin schlossen sich inzwischen an.

Borussia Dortmund forderte seine Fans auf, beim "Geisterderby" gegen Schalke 04 in der Fußball-Bundesliga am Samstag auch die Umgebung des Stadions zu meiden. "Seht bitte davon ab, das Spiel in unmittelbarer Nähe des Signal-Iduna-Parks zu verfolgen", teilte der BVB in einer "dringenden Bitte" mit. Die Gesundheit stehe eindeutig im Vordergrund: "Jeder Einzelne ist aufgefordert, Verantwortung zu zeigen und damit sich und andere Menschen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. Auch im Falle eines Derbysieges."

Wie der BVB riet auch die Polizei von einem Aufenthalt am Stadion ab. "Menschenansammlungen sind gerade in der jetzigen Situation zu vermeiden. Sollten sich dennoch einige Fans in das Stadionumfeld begeben, wird die Dortmunder Polizei vorbereitet sein. Kommt es zu Auseinandersetzungen oder Störaktionen, werden wir konsequent einschreiten", sagte der Leitende Polizeidirektor Udo Tönjann.

Werder Bremen veröffentlichte am Donnerstag ebenfalls ein Statement: "Trotz des Verständnisses für das Bedürfnis der Anhänger, das Team zu unterstützen, bittet der SV Werder alle Fans, Menschenansammlungen zu vermeiden". Die Prävention einer weiteren Verbreitung des Coronavirus solle Priorität besitzen, erklärte der Klub.

Die Ultras des FC Bayern München haben sich auf ihrer Homepage für ein vorläufiges Ende des Spielbetriebs ausgesprochen: "Da nicht auszuschließen ist, dass in Deutschland eine ähnliche Entwicklung der Infektionszahlen wie in Italien stattfindet, erscheinen uns die Maßnahmen, Großveranstaltungen abzusagen und das eigene Reiseverhalten zu überdenken, sinnvoll. Wir werden daher nicht organisiert nach Berlin reisen und auch die weiteren Spiele nicht gemeinsam vor den Stadiontoren verbringen. Wir kritisieren allerdings die momentane Lösung der Geisterspiele und fordern die Verbände eindringlich dazu auf, den Spielbetrieb auszusetzen."

Innensenator will Spiel notfalls absagen

Bremen spielt am Montag (16.03.2020) gegen Bayer Leverkusen. Bremens Innensenator Ulrich Mäurer hatte zuletzt angekündigt, die Partie womöglich abzusagen, wenn sich die Anzeichen verdichten, dass sich Werder-Fans am Stadion treffen wollen. "Ich muss auch an meine Polizeikräfte denken. Die brauche ich für andere Situationen", sagte der SPD-Politiker.

Der komplette kommende Bundesliga-Spieltag wird ohne Zuschauer ausgetragen. Auch das Nachholspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln hatte ohne Fans stattgefunden. Trotzdem kamen einige hundert Gladbacher Anhänger zum Stadion, um ihre Mannschaft vor dem Spiel zu empfangen und nach dem 2:1-Sieg zu feiern.

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Dabei hatte die Stadt Mönchengladbach vor dem Spiel an die Fans appelliert: "Die Gesundheit der Menschen steht im Zentrum unserer Entscheidungen. Es geht darum, sich selbst und andere vor Ansteckung zu schützen und damit die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Treffen vor dem Stadion mit hunderten oder tausenden Menschen bewirken das genaue Gegenteil", schrieb die Stadt.

Rose und Kramer loben die Fans nach dem Spiel

Die Borussen-Spieler waren nach dem Schlusspfiff die Treppen der leeren Fankurve im Borussia-Park nach oben geklettert, um sich bei den vor dem Stadion stehenden Fans zu bedanken. Gladbachs Trainer Marco Rose sagte: "Die Nordkurve hochzugehen und zu wissen: Da sind die Fans, die draußen mitgelitten haben, die du auch teilweise gehört hast, während des Spiels. Bei allem, was heute nicht schön war, war das heute ein sehr emotionaler Moment."

Mittelfeldspieler Christoph Kramer sagte: "Es war beachtenswert, dass sich so viele Menschen hinter die Nordkurve stellen und mit uns feiern. Das ist dann schon ein Gefühl, wo man wirklich Gänsehaut bekommt. Dann weiß man, wofür man auf dem Rasen ein Spiel gespielt hat, das nicht so viel Spaß gemacht hat, ohne Zuschauer." Kramer meinte, es hätte sich angefühlt wie "eine Meisterfeier". Laut Kramer war es "ein sehr schöner Moment. Ich finde das alles andere als selbstverständlich. Wir sind sehr froh, solche Fans zu haben."

Auch in Paris warteten viele Fans vor dem Stadion

Auch beim Champions-League-Spiel zwischen Paris St. Germain und Borussia Dortmund hatten viele Pariser Fans vor dem Stadion gewartet. Tausende verfolgten das Spiel über ein Public-Viewing-Event. Nach dem Spiel feierten die Pariser Spieler gemeinsam mit ihren Fans den Viertelfinal-Einzug.

sid, dpa | Stand: 12.03.2020, 10:36

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