Das Derby als trister Auftakt für ungewisse Wochen

Ellyes Skhiri (L) im Zweikampf mit Mönchengladbachs Breel Embolo

Gladbach - Köln ohne Zuschauer

Das Derby als trister Auftakt für ungewisse Wochen

Von Chaled Nahar

Das ohne Fans ausgetragene Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln war der triste Auftakt in ungewisse Wochen für den deutschen Fußball. Es zeigte, dass Fußball ohne Fans nicht funktioniert - und dass längst nicht jeder im Fußball den Ernst der Lage begriffen hat.

Als Breel Embolo die Gladbacher Führung erzielte, entfaltete das Spiel seine ganze Faszination. Embolo legte die Hände an seine Ohren und blickte auf eine der vier leeren Tribünen - eine seltene Pointe für einen Torjubel. Seine Mannschaftskollegen liefen zu ihm und brüllten, der Jubel hatte die Lautstärke eines Kindergeburtstags - bevor Musik einsetzte. Doch Embolo hatte nicht das Topfschlagen für sich entschieden, sondern im rheinischen Derby das 1:0 erzielt.

Historisches Spiel, ernster Anlass

Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln ist eine der wichtigsten, schönsten und vor allem emotionalsten Begegnungen, die die Bundesliga zu bieten hat. Embolos sehenswertes Tor hätte als Rahmen den üblichen Jubel statt leerer Plastiksitze verdient gehabt. "Es war trotzdem ein Derby", sagte Embolo nach dem ersten Spiel in der Bundesliga-Geschichte ohne Zuschauer. Gladbach führte, erhöhte, Köln kam ran und scheiterte knapp. Das Spiel hatte viel, und doch fehlte fast alles.

Erstes BL-Spiel ohne Zuschauer: Talk mit Stefan Kaußen

Sportschau 12.03.2020 02:32 Min. Verfügbar bis 12.03.2021 ARD Von Stephan Kaußen

Durch die Ausbreitung des Coronavirus und die Dringlichkeit, sie zu verlangsamen, wurde die Partie ohne Zuschauer zum tristen Auftakt für ungewisse Wochen. Am Wochenende bleiben die Stadiontore in allen Bundesligastadien zu. Und ein Ende dieses Zustands ist weder in der Bundesliga, noch in den Europapokalwettbewerben oder mit Blick auf die EM abzusehen.

Kampf um ein bisschen Stimmung oder Humor

"Es war klar, dass heute viel von uns selbst kommen muss", sagte Gladbachs Trainer Marco Rose zur Atmosphäre. Auf dem Stadion lag eine bedrückende Lethargie. In der Pause erklang Musik wie zu einem Sonntagsfrühstück. Der Regen setzte ein und untermalte die traurige Stimmung in einem Stadion, das mehr als 54.000 Menschen Platz bietet - in dem aber mit Journalisten und Vereinsvertretern höchstens 200 anwesend waren. "Es war ein gutes Spiel", sagte Kölns Trainer Markus Gisdol, "aber es war eigenartig."

Ein Mitglied der kleinen FC-Delegation rief unentwegt den Namen seines Klubs. Der Stadionsprecher verkündete unter der Nennung eines Werbekunden die Zuschauerzahl mit "es gibt keine" - zwei verzweifelte Versuche, Stimmung oder Humor zu erzeugen.

Den Ernst der Lage nicht begriffen

Vor dem Spiel empfingen zahlreiche Gladbacher Fans ihre Spieler und den Mannschaftsbus. Gegen Spielende, kurz bevor der 2:1-Sieg der Gladbacher feststand, waren im Stadion Gesänge von draußen zu hören. So gab es ein wenig Derbyatmosphäre im Stadionumfeld. Aber die Fans müssen sich fragen lassen, ob sie den Grund für den Zuschauerausschluss verstanden haben, wenn sie vor dem Stadion für eine alternative Großveranstaltung sorgen.

Dass die Gladbacher Spieler das Kommen der Leute belohnten und den Derbysieg ausgelassen feierten, zeigt, dass der Ernst der Lage auch bei den Akteuren noch nicht angekommen ist.

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Fanthemen: Vom Drei-Stufen-Plan zum Coronavirus

Das Coronavirus hat die Diskussion um den Drei-Stufen-Plan und den Konflikt zwischen Fans und DFB mit Wucht von der Agenda gefegt. Die Fans bleiben nun anders ein Thema: Denn das erste Bundesliga-Spiel ohne Zuschauer hat gezeigt, welch entscheidende Rolle sie für die Faszination dieses Sports spielen. Fußball ohne Fans funktioniert nicht. "Der wichtigste Part hat gefehlt", sagte Rose.

Es bleibt nur die Hoffnung, dass die Fans überall bald auf ihre Plätze zurückkehren dürfen. Aber eben erst, sobald in Sachen Corona nichts dagegen spricht. Doch dieser Zeitpunkt scheint derzeit unendlich fern. Gladbach tritt am Sonntag in Frankfurt an, Köln spielt am Samstag gegen Mainz - die Stadien werden leer sein. Man muss sagen: Immerhin spielen sie.

Stand: 11.03.2020, 22:00

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