Schaaf gegen Funkel - Pointe eines verrückten Trainerjahres

Thomas Schaaf und Friedhelm Funkel

Etliche Wechsel in der Bundesliga

Schaaf gegen Funkel - Pointe eines verrückten Trainerjahres

Von Marcus Bark

Der Trainer des Meisters verabschiedet sich freiwillig, die Trainer des Tabellenletzten sind gerade noch an einer Hand abzuzählen. Außerdem zeigt die verrückte Saison, dass "lame ducks" tatsächlich lahm sind.

Das ist doch mal eine nette Pointe. Am letzten Spieltag streiten Friedhelm Funkel und Thomas Schaaf um den Klassenerhalt. Beide galten als Rentner, jedenfalls bezogen auf den Beruf des Fußballlehrers in der Bundesliga. Aber diese Saison hält nahezu alles parat an Geschichten, die sich um Trainer drehen.

Derzeit in den Trends: Schaaf, der Florian Kohfeldt ablöst, bleibt mit Werder Bremen auf dem 16. Tabellenplatz und spielt in der Relegation gegen den Hamburger SV mit Horst Hrubesch.

Geduld? Eine Momentaufnahme

Vor ein paar Jahren zeichnete sich mal ein Trend ab, dass Vereine geduldiger sind mit ihren ja doch sehr wichtigen Angestellten. Es war, wie heißt es im Fußball so schön, eine Momentaufnahme.

Generell betrachtet, ist es schon eine sehr verrückte Saison mit Blick auf die Trainer. Der Trainer des Meisters verlässt den Klub, der Trainer des Tabellenletzten Schalke 04 hat seit dem 4:3 gegen Eintracht Frankfurt doppelt so viele Siege wie seine vier Vorgänger zusammen, nämlich zwei.

Wer nach Trends sucht, wird den finden, dass jetzt auch hohe Ablösesummen für Trainer bezahlt werden. Außerdem deutet viel daraufhin, dass sogenannte "lame ducks" tatsächlich lahm sind. Es ging sportlich ziemlich rasant bergab, nachdem Marco Rose bei Borussia Mönchengladbach und Adi Hütter bei Eintracht Frankfurt ihre Abschiede bekanntgegeben hatten.

Trainerkarussell
VereinTrainer Saisonbeginnaktueller TrainerTrainer 2021/22
FC Bayern MünchenHansi FlickHansi FlickJulian Nagelsmann
RB LeipzigJulian NagelsmannJulian NagelsmannJesse Marsch
VfL WolfsburgOliver GlasnerOliver GlasnerOliver Glasner
Borussia DortmundLucien FavreEdin TerzicMarco Rose
Eintracht FrankfurtAdi HütterAdi Hütteroffen
Bayer LeverkusenPeter BoszHannes Wolfoffen
1. FC Union BerlinUrs FischerUrs FischerUrs Fischer
Borussia MönchengladbachMarco RoseMarco RoseAdi Hütter
VfB StuttgartPellegrino MatarazzoPellegrino MatarazzoPellegrino Matarazzo
SC FreiburgChristian StreichChristian StreichChristian Streich
TSG HoffenheimSebastian HoeneßSebastian HoeneßSebastian Hoeneß
FC AugsburgHeiko HerrlichMarkus WeinzierlMarkus Weinzierl
1. FSV Mainz 05Achim BeierlorzerBo SvenssonBo Svensson
Hertha BSCBruno LabbadiaPal Dardaioffen
Arminia BielefeldUwe NeuhausFrank KramerFrank Kramer
Werder BremenFlorian KohfeldtThomas Schaafoffen
1. FC KölnMarkus GisdolFriedhelm FunkelSteffen Baumgart
FC Schalke 04David WagnerDimitrios GrammozisDimitrios Grammozis

Sportliche Talfahrt mit "lame ducks"

Marco Rose (l.), Adi Hütter

Hütter reagiert zunehmend gereizt auf Stimmen, die seinen Abschied als Ursache dafür ansehen, dass die Eintracht vermutlich die historische Chance noch verspielt, sich für die Champions League zu qualifizieren. Diese Stimmen kommen inzwischen sogar öffentlich aus dem Spielerkreis. "Wir sind zumindest fix Tabellenfünfter. Das ist eine gute Leistung. Punkt", sagte Hütter nach der Niederlage auf Schalke.

Vor der Saison hätte vermutlich jeder Fan der Eintracht ein solches Ende als großen Erfolg gefeiert. Aber vor ein paar Wochen betrug der Vorsprung auf den fünften Platz noch sieben Punkte. Der Trend und die Stögeräusche, die lange vom Erfolg übertönt worden waren, sind Hütter nun zum Verhängnis geworden.

Hypotheken

Er wird zu Beginn seiner Zeit in Gladbach noch kritischer beäugt werden als dass ohnehin schon bei einem Trainer der Fall ist. Gleiches gilt für Rose in Dortmund, nach aktuellem Stand mit einem Edin Terzic als Assistenten, der als Chef einen Titel gewann und den BVB wahrscheinlich noch in die Champions League führte.

Julian Nagelsmann wird ohne Titel seine Arbeit beim FC Bayern beginnen. Auch das ist eine Hypothek, denn die Niederlage im Pokalfinale war schon recht heftig, genau wie die Kritik danach.

Svensson? Fischer? Streich?

Trainer der Saison dürfte Bo Svensson werden. Dass der 1. FSV Mainz 05 am 33. Spieltag schon gerettet ist, ohne überhaupt gespielt zu haben, ist seiner fantastischen Arbeit zu verdanken. Oder ist es Urs Fischer, der den 1. FC Union Berlin noch in den Europapokal führen könnte? Ist es Pellegrino Matarazzo, der den VfB Stuttgart als Aufsteiger mühelos in der Klasse hielt.

Ein Kandidat ist auch Christian Streich, der über Jahre hinweg beim SC Freiburg hervorragend arbeitet. An ihm gehen viele Trends vorbei. Vermutlich wird ihm auch erspart bleiben, irgendwann nach dem 33. Spieltag mal von Volker Finke abgelöst zu werden.

Stand: 16.05.2021, 11:00

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