Meisterkampf - Favorit Bayern und drei Herausforderer

 Serge Gnabry (l) von München in Aktion gegen Timo Werner (m) von Leipzig

Ausblick auf die Bundesliga-Fortsetzung

Meisterkampf - Favorit Bayern und drei Herausforderer

Von Christian Hornung

Die Bayern gehen mit vier Punkten Vorsprung in den Saisonendspurt - und bekommen jetzt auch noch ihren wichtigsten Spieler zurück. Trotzdem dürfen sich drei Verfolger noch Hoffnung machen.

2:0 gegen Augsburg, davor 6:0 in Hoffenheim, 3:2 gegen Paderborn und 4:1 in Köln - mit vier zumeist beeindruckend souveränen Siegen in Serie hat sich der Rekordmeister vor der Corona-Pause in Stellung gebracht. Sehr viel spricht dafür, dass - wenn denn tatsächlich 2020 ein deutscher Meister gekürt wird - dieser zum insgesamt 30. Mal aus München kommen wird.

Lewandowski und Perisic wieder fit

Bis auf die Misstöne rund um eine mögliche Vertragsverlängerung von Kapitän Manuel Neuer sprechen eine Reihe von Argumenten dafür, dass der aktuelle Vier-Punkte-Vorsprung auf den ersten Verfolger Borussia Dortmund eher noch ausgebaut als minimiert wird: Der bei den Spielern sehr geschätzte Trainer Hansi Flick ist mit einem neuen Vertrag ausgestattet worden, auch Publikumsliebling Thomas Müller hat verlängert. Top-Torjäger Robert Lewandowski konnte die Pause nutzen, um seinen Bruch der Schienbeinkante in Ruhe auszukurieren. Auch Ivan Perisic, der mit einer Knöchelfraktur seit Anfang Februar nicht mehr dabei war, steht nun wieder voll im Mannschaftstraining und kann beim Neustart am Sonntag (17.05.2020, Live-Ticker bei sportschau.de) bei Union Berlin mitwirken.

Wenn sich die Konkurrenten Borussia Dortmund, RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach aber noch ein wenig Mut machen möchten, dann am ehesten über das Restprogramm der Bayern. Nach den Auftaktgegnern Union und Eintracht Frankfurt, die beide im halbwegs gesicherten Mittelfeld stehen, folgen anschließend sechs Teams, für die es noch um sehr viel geht - unter anderem die Verfolger BVB und Gladbach.

Stand vor dem 26. Spieltag
VereinPunkteTorverhältnis
1. FC Bayern München5573:26 (+47)
2. Borussia Dortmund5168:33 (+35)
3. RB Leipzig5062:26 (+36)
4. Borussia Mönchengladbach4949:30 (+19)

Dortmund ohne fünf Leistungsträger

Dortmund kann also aus eigener Kraft immerhin drei der vier Punkte auf die Bayern gutmachen, hat aber noch weitere schwere Gegner vor der Brust: Zum Saisonfinale beispielsweise zuerst am 33. Spieltag RB Leipzig und dann zum Abschluss die möglicherweise noch um Europa kämpfenden Hoffenheimer.

Vor der Corona-Unterbrechung hatte die Mannschaft von Lucien Favre allerdings einen sehr stabilen Eindruck gemacht und die Partien in Gladbach, gegen Freiburg und in Bremen gewonnen. Doch im Gegensatz zu den Bayern sieht es personell vergleichsweise schlimm aus: Neben dem noch immer im Aufbautraining befindlichen Kapitän Marco Reus fallen beim Re-Start am Samstag (16.05.2020) im Derby gegen Schalke nun auch noch Axel Witsel, Emre Can, Nico Schulz und Dan-Axel Zagadou aus.

Zwei Comebacks und ein mutiger Trainer

Bei RB Leipzig, derzeit einen Punkt hinter Dortmund in Lauerstellung, dürfte die Pause hingegen hilfreich gewesen sein: Vor der Unterbrechung kam das Team mit zwei Remis gegen Wolfsburg und Leverkusen deutlich vom Erfolgsweg ab. Nun sind aber mit Kevin Kampl und Ibrahima Konaté zwei Stützen nach langwierigen Verletzungen wieder dabei.

Dazu kommt, dass Trainer Julian Nagelsmann, der Anfang März schon ein wenig frustriert gewirkt hatte, nun offenbar wieder Mut gefasst hat. Von ihm hört man vor dem Neustart gegen Freiburg Töne, die bei Favre oder auch Marco Rose in Mönchengladbach unvorstellbar scheinen. Seine Kampfansage vor dem Rest der Saison: "Diese neun Spiele sind wie eine EM, und die wollen wir gewinnen."

Zakaria fehlt noch länger

Gewinnen will auch der ehrgeizige Rose möglichst jedes dieser neun Spiele, aber er ist kein Typ, der seiner Mannschaft und sich dazu auch noch Druck von außen auferlegen möchte. Druck haben sie sich aber durch bereits gezeigte Leistungen selbst gemacht. Ihr bestes Saisonspiel zeigten die "Fohlen" am 1. Februar dieses Jahres bei Konkurrent Leipzig, gerieten aber durch einen überflüssigen Platzverweis für Alassane Pléa und ein Slapstick-Gegentor nach einem Zusammenprall von Keeper Yann Sommer und Mittelfeldmann Denis Zakaria noch vom Weg ab und spielten nur 2:2.

Ein weiterer Zusammenprall von Sommer und Zakaria hatte dann Folgen, die die Gladbacher bis heute plagen: Zakaria zog sich dabei eine Knochenabsplitterung im Knie zu, die er nach einem Rückfall gerade erst operieren ließ - damit fehlt den Gladbachern am Samstagabend (18.30 Uhr) in Frankfurt ihr formstärkster Spieler der Hinrunde. Einen kleinen psychologischen Vorteil gegenüber dem Spitzen-Trio hat der VfL dennoch: Die Elf vom Niederrhein bestritt vor dem Corona-Break das bisher einzige Geisterspiel der Saison und gewann es gegen Köln mit 2:1. In Gladbach weiß man also bereits, wie die bizarre Situation in solchen Partien erfolgreich zu bewältigen ist.

Alles spricht für die Bayern

Realistisch betrachtet spricht allerdings nicht viel dafür, dass Gladbach ebenso wie Leipzig und die personell zu stark dezimierten Dortmunder noch einmal richtig Druck auf die Bayern ausüben können. Zumal Thomas Müller aus der letzten Trainingswoche vor dem Neustart wenig Ermutigendes für die Konkurrenz berichtet: "Wenn ich sehe, welche Gefühle und Emotionen wir in den letzten Tagen selbst in einem Trainingsspiel entwickeln, so zeigt dies unsere Gier nach regelmäßigen Wettkämpfen."

Schiedsrichter Timo Gerach freut sich auf den Wiederanpfiff

Sportschau 14.05.2020 01:41 Min. Verfügbar bis 14.05.2021 ARD Von Jan Ebling

Stand: 14.05.2020, 08:00

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